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Düster
expressives Musikdrama
Von Christoph Wurzel / Fotos von Béla Mezey
Das
Drama „Bluthochzeit“ erzählt die Geschichte einer jungen Braut,
die sich der
Tradition nicht fügen will, eine arrangierte Ehe einzugehen. Nicht
den von den
Eltern vorgesehenen Mann liebt sie, sondern den jungen Leonardo, der
aber
seinerseits schon Frau und Kind hat. Der Konflikt ist vorgeprägt
und ganz
besonders noch dadurch verschärft, dass die Familie des
Bräutigams mit
derjenigen Leonardos durch Blutschuld verfeindet ist. Noch während
der Hochzeit
entführt Leonardo die Braut seines Nebenbuhlers. Im
anschließenden Duell
sterben sie beide.
Garcia
Lorca hat mit diesem 1933 uraufgeführten Drama nach einem
authentischen Vorfall
aus dem bäuerlichen Andalusien sein wohl düsterstes und
gewaltvollstes Stück
geschrieben. Seine Anklage richtet sich gegen den unerbittlich
fixierten
Gedanken an Blutrache, wie ihn hier die Mutter des Bräutigams
obsessiv
verfolgt. Zugleich ist das Stück ein bitteres Plädoyer
für die Freiheit der
Liebe. Der Ausbruchsversuch der Braut endet für sie, indem sie ein
neues Glied
in der immer währenden Kette aus Gewalt, Hass und Leid wird. Schon
Garcia Lorca selbst, der auch mit de Falla befreundet und
musikalisch durchaus versiert war, hatte zu
diesem wahrhaft gewaltigen Stoff eine
Bühnenmusik geschrieben, die aber aufgrund seiner Ermordung und
der
Unterdrückung seiner Werke im franco-faschistischen Spanien als
verloren gilt.
Neben einer Ballettfassung und einer Verfilmung (von Carlos Saura) ist
diese
Handlung dreimal zur Grundlage einer Oper gemacht worden, zuerst 1956
vom
spanischen Komponisten Juan José Castro. 1957 schrieb Wolfgang
Fortner seine
Oper „Bluthochzeit“, die unter Günter Wand in Köln
uraufgeführt wurde. Sie ist
der Zwölftonmusik verpflichtet mit weitgehend kammermusikalischer
Struktur. Die
dagegen hoch expressive Vertonung von Sándor Szokolay wurde 1964
uraufgeführt.
Zwar war sie ein Jahr später bereits mit großem Erfolg in
Wuppertal zu sehen,
erlebte aber danach nur noch eine weitere Aufführung auf einer
(ost-)deutschen
Bühne, 1976 in Erfurt. So handelt es sich also bei Szokolays
„Vérnász“ im
Repertoire bei uns um eine echte Rarität, die nun als Gastspiel
der Ungarischen
Staatsoper in Karlsruhe zu sehen war. In Budapest war diese Produktion
bereits
vor sieben Jahren herausgekommen. Düstere Symbolik: Der
Chefregisseur der ungarischen Nationaloper Balázs Kovalik hat
das Werk um einige
Genreszenen gekürzt und lässt es ohne Pause spielen, was den
tragischen Sog der
Handlung noch stärker betont. Die Bühne von Péter
Horgas stellt eine kalte
grau-schwarze Raumabstraktion dar in der Form einer Welle. Nach hinten
öffnet
die Bühne sich immer wieder wie zwei horizontale Guillotinemesser.
Der Tod
ist allgegenwärtig: symbolisch in der
Form des Messers oder als blutrote Farbe. Aber auch als allegorische
Gestalt
tritt er auf, verkörpert zugleich von der Sängerin der Mutter
des Bräutigams
und in der Personifizierung des Mondes als einem Mann im weißen
Lackanzug.
Damit trägt die Bühnensprache der Mehrschichtigkeit der
dramatischen Vorlage
geschickt Rechnung, die aus dramatisch realistischen, lyrischen und
auch
surrealen Elementen besteht. Eine wirkungsvolle Lichtregie
verstärkt die
Stimmung von Düsterkeit und Tragik, die über dem ganzen
Geschehen liegt. Auch
in der Personenregie gelingt es Kovalik den Eindruck von
Ausweglosigkeit und
zwanghafter Schicksalsverfangenheit zu vermitteln, der alle Personen
dieser
Handlung prägt. Immer wieder rennen sie gegen die Welle an, immer
wieder
scheitern sie beim Versuch zu entrinnen. Die
Kostüme sind durchgängig schwarz, nur die Braut trägt
ein weißes Kleid, bis sie
durch den Tod der beiden Männer zur doppelten Witwe wird und sich
wie eine
Mumie bis zur Bewegungslosigkeit in schwarzes Tuch einwickelt.
Stellenweise hat
die Regie die Gefühle der Protagonisten choreografisch in Tanz
umgesetzt. Das
Duell wird nicht als realer Kampf gezeigt, sondern als flamencohafter
Konkurrenztanz. Die Szene des Mondes ist als die surreale Vision eines
Blutrausches gezeigt. Sándor
Szokolay, 1931 geboren, fühlt sich hörbar der klassischen
Moderne eines Bartók,
Strawinsky oder Honegger verpflichtet. In der Musik zu
„Vérnász“ finden sich
vielfältige Ausdrucksebenen, die vom zart instrumentierten
Liebesduett über
hochdramatisch expressive Szenen (wie das Duell) bis hin zu Zitaten aus
Folklore und sogar zum Sprechgesang reichen. Eingebunden in die
eindrucksvolle
Szenerie dieser Inszenierung konnte Szokolays Musik eine hohe
Suggestivkraft
entfalten, zumal die sängerischen Qualitäten eindrucksvoll
waren. Vor allem die
4 Hauptfiguren Mutter ( Annamária Kovacz), Braut (Szilvia
Rálik) , Leonardo
(Attila Réti) und Bräutigam (Dániel Vadász)
konnten gesanglich ebenso wie
darstellerisch überzeugen. Als Mond hatte Gergely Boncsér
einen starken
Auftritt. Péter Oberfrank dirigierte die diffenrenzierte
Partitur mit großem
Gespür für die dramatische Wirkung der Musik.
FazitMit diesem Gastspiel leisteten die Staatsoper Budapest und das Badische Staatstheater einen willkommenen und gelungenen Beitrag zur Blickerweiterung im Opernrepertoire.
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Produktionsteam
Musikalische
Leitung Péter Oberfrank Regie Bühne Kostüme Choreografie Choreinstudierung Regieassistenz Orchester der
Ungarischen Chor der
Ungarischen
Bräutigam Nachbarin Leonardo Gattin Schwiegermutter Braut Dienstmagd
Vater Brautführer
1.
Holzfäller
2.
Holzfäller 3.
Holzfäller
Mond
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© 2010 - Online Musik Magazin
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E-Mail: oper@omm.de
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