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Die Bluthochzeit

(Vérnász)

Oper in sieben Szenen von Sándor Szokolay

Text von Gyula Illyés

nach der Lyrischen Tragödie „Bodas de sangre“  von Federico Garcia Lorca

Aufführungsdauer: ca. 1 ½  Stunden (keine Pause)
Aufführungen am 17. und 18. April 2010

Premiere an der Ungarischen Staatsoper Budapest am 27. September 2003
Rezensierte Aufführung: 18. April 2010

In ungarischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Gastspiel der Ungarischen Staatsoper Budapest

Im Rahmen der 20. Europäischen Kulturtage Karlsruhe

Homepage des Badischen Staatstheaters Karlsruhe
Badisches Staatstheater Karlsruhe
(Homepage)

Düster expressives Musikdrama


Von Christoph Wurzel / Fotos von Béla Mezey


Das Drama „Bluthochzeit“ erzählt die Geschichte einer jungen Braut, die sich der Tradition nicht fügen will, eine arrangierte Ehe einzugehen. Nicht den von den Eltern vorgesehenen Mann liebt sie, sondern den jungen Leonardo, der aber seinerseits schon Frau und Kind hat. Der Konflikt ist vorgeprägt und ganz besonders noch dadurch verschärft, dass die Familie des Bräutigams mit derjenigen Leonardos durch Blutschuld verfeindet ist. Noch während der Hochzeit entführt Leonardo die Braut seines Nebenbuhlers. Im anschließenden Duell sterben sie beide.

                             

Garcia Lorca hat mit diesem 1933 uraufgeführten Drama nach einem authentischen Vorfall aus dem bäuerlichen Andalusien sein wohl düsterstes und gewaltvollstes Stück geschrieben. Seine Anklage richtet sich gegen den unerbittlich fixierten Gedanken an Blutrache, wie ihn hier die Mutter des Bräutigams obsessiv verfolgt. Zugleich ist das Stück ein bitteres Plädoyer für die Freiheit der Liebe. Der Ausbruchsversuch der Braut endet für sie, indem sie ein neues Glied in der immer währenden Kette aus Gewalt, Hass und Leid wird.

 

Schon Garcia Lorca selbst, der auch mit de Falla befreundet und  musikalisch durchaus versiert war, hatte zu diesem wahrhaft gewaltigen Stoff  eine Bühnenmusik geschrieben, die aber aufgrund seiner Ermordung und der Unterdrückung seiner Werke im franco-faschistischen Spanien als verloren gilt. Neben einer Ballettfassung und einer Verfilmung (von Carlos Saura) ist diese Handlung dreimal zur Grundlage einer Oper gemacht worden, zuerst 1956 vom spanischen Komponisten Juan José Castro. 1957 schrieb Wolfgang Fortner seine Oper „Bluthochzeit“, die unter Günter Wand in Köln uraufgeführt wurde. Sie ist der Zwölftonmusik verpflichtet mit weitgehend kammermusikalischer Struktur. Die dagegen hoch expressive Vertonung von Sándor Szokolay wurde 1964 uraufgeführt. Zwar war sie ein Jahr später bereits mit großem Erfolg in Wuppertal zu sehen, erlebte aber danach nur noch eine weitere Aufführung auf einer (ost-)deutschen Bühne, 1976 in Erfurt. So handelt es sich also bei Szokolays „Vérnász“ im Repertoire bei uns um eine echte Rarität, die nun als Gastspiel der Ungarischen Staatsoper in Karlsruhe zu sehen war. In Budapest war diese Produktion bereits vor sieben Jahren herausgekommen.

 

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Düstere Symbolik:
Der Tod (weiße Gestalt) vereinigt Braut und Bräutigam

 

Der Chefregisseur der ungarischen Nationaloper Balázs Kovalik hat das Werk um einige Genreszenen gekürzt und lässt es ohne Pause spielen, was den tragischen Sog der Handlung noch stärker betont. Die Bühne von Péter Horgas stellt eine kalte grau-schwarze Raumabstraktion dar in der Form einer Welle. Nach hinten öffnet die Bühne sich immer wieder wie zwei horizontale Guillotinemesser. Der Tod ist  allgegenwärtig: symbolisch in der Form des Messers oder als blutrote Farbe. Aber auch als allegorische Gestalt tritt er auf, verkörpert zugleich von der Sängerin der Mutter des Bräutigams und in der Personifizierung des Mondes als einem Mann im weißen Lackanzug. Damit trägt die Bühnensprache der Mehrschichtigkeit der dramatischen Vorlage geschickt Rechnung, die aus dramatisch realistischen, lyrischen und auch surrealen Elementen besteht. Eine wirkungsvolle Lichtregie verstärkt die Stimmung von Düsterkeit und Tragik, die über dem ganzen Geschehen liegt. Auch in der Personenregie gelingt es Kovalik den Eindruck von Ausweglosigkeit und zwanghafter Schicksalsverfangenheit zu vermitteln, der alle Personen dieser Handlung prägt. Immer wieder rennen sie gegen die Welle an, immer wieder scheitern sie beim Versuch zu entrinnen.

 

Die Kostüme sind durchgängig schwarz, nur die Braut trägt ein weißes Kleid, bis sie durch den Tod der beiden Männer zur doppelten Witwe wird und sich wie eine Mumie bis zur Bewegungslosigkeit in schwarzes Tuch einwickelt. Stellenweise hat die Regie die Gefühle der Protagonisten choreografisch in Tanz umgesetzt. Das Duell wird nicht als realer Kampf gezeigt, sondern als flamencohafter Konkurrenztanz. Die Szene des Mondes ist als die surreale Vision eines Blutrausches gezeigt.

 

Sándor Szokolay, 1931 geboren, fühlt sich hörbar der klassischen Moderne eines Bartók, Strawinsky oder Honegger verpflichtet. In der Musik zu „Vérnász“ finden sich vielfältige Ausdrucksebenen, die vom zart instrumentierten Liebesduett über hochdramatisch expressive Szenen (wie das Duell) bis hin zu Zitaten aus Folklore und sogar zum Sprechgesang reichen. Eingebunden in die eindrucksvolle Szenerie dieser Inszenierung konnte Szokolays Musik eine hohe Suggestivkraft entfalten, zumal die sängerischen Qualitäten eindrucksvoll waren. Vor allem die 4 Hauptfiguren Mutter ( Annamária Kovacz), Braut (Szilvia Rálik) , Leonardo (Attila Réti) und Bräutigam (Dániel Vadász) konnten gesanglich ebenso wie darstellerisch überzeugen. Als Mond hatte Gergely Boncsér einen starken Auftritt. Péter Oberfrank dirigierte die diffenrenzierte Partitur mit großem Gespür für die dramatische Wirkung der Musik.



 

Fazit


Mit diesem Gastspiel leisteten die Staatsoper Budapest und das Badische Staatstheater einen willkommenen und gelungenen Beitrag zur Blickerweiterung im Opernrepertoire.


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Produktionsteam

 

Musikalische Leitung

Péter Oberfrank

Regie
Balázs Kovalik

Bühne
Péter Horgas

Kostüme
Márta Jánoskuti

Choreografie
Gábor Horváth

Choreinstudierung
Máté Szabó Sipos

Regieassistenz
Andrea Kováts

Orchester der Ungarischen
Staatsoper Budapest

Chor der Ungarischen
Staatsoper Budapest


Solisten

Mutter / Tod
Annamária Kovácz

Bräutigam
Dániel Vadász

Nachbarin
Èva Balatoni

Leonardo
Attila Réti

Gattin
Anna Herczenik

Schwiegermutter
Jolán Sánta

Braut
Szilvia Rálik

Dienstmagd
Julia Vajda

Vater
Ferenc Valter

Brautführer
Gábor Farkas

1. Holzfäller
Róbert Reznyák

2. Holzfäller
Andás Hábetler

3. Holzfäller
Balász Hantos

Mond
Gergely Boncsér


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Badischen Staatstheater
Karlsruhe

(Homepage)



Da capo al Fine

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