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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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von Giovan
Claudio Pasquini Musik von
Giuseppe Porsile Deutsche Erstaufführung In italienischer Sprache mit
deutschen Übertiteln Aufführungsdauer:
ca
3 Stunden
Am Anfang
suchen sechs
Personen einen Hauptdarsteller. Auf der Bühne angeln sie sich den
Putzmann, der
gerade die Hinterlassenschaften einer Veranstaltung zusammenfegt. Durch
die
Foyers und den Zuschauerraum sind diese sechs Leute pfeifend,
trötend,
trommelnd und Konfetti werfend im Karnevalskostüm auf die
Bühne des
Schwetzinger Theaters eingezogen. Den Putzmann stecken sie unversehens
in ein
Kostüm, verpassen ihm eine Pappkrone – und das Personal der
kommenden Oper ist
komplett. Das Spiel kann beginnen. Ouvertüre - und los! So geist-
wie
beziehungsreich beginnt im Schwetzinger Rokokotheater eine Oper, die
seit ihrer
Uraufführung wohl niemals mehr Bühnenlicht erblickt hat.
Komponiert hat sie der
„Kaiserliche und Katholische“ Hofkapellmeister Giuseppe Porsile für die Faschingssaison 1726 am Wiener
Hof.
Ihr Thema: Aufstieg und (Ver-)Fall eines illegitimen Herrschers, des
Sklavenführers
Spartacus, der nach erfolgreicher Rebellion die Stadt Capua beherrscht,
an
seiner eigenen Hybris aber scheitert und ob seiner moralischen
Verderbtheit und
seiner Untaten schmählich im Wahnsinn endet. Eigentlich
kein Stoff für
eine opera seria nach dem Geschmack des 18. Jahrhunderts, aber als
Karnevalsstück doch auch wiederum tauglich, denn hier wird die
Welt verdreht
gezeigt, das Unterste wird zu oberst gekehrt, der Sklavenführer
wird Herrscher
in römischen Landen. Und darum wird eben als Spiel im Spiel ein
Mann der Arbeit
zum Protagonisten der Operntruppe. Doch in der Oper wird am Schluss
alles
wieder zurückgedreht und die heile Welt und die alte Ordnung
werden wieder
hergestellt – nach dem Motto: Also geht zugrunde, wer sich Macht
anmaßt. Der Neapolitaner Porsile
(geboren 1680) hat auf dieses affirmative Libretto eine kernige Musik
geschrieben, die neben höchst virtuosen Arien auch eine
wirkungsvolle
Wahnsinnszene enthält, deren melodischer und harmonischer Verlauf
sich im
Nichts verläuft. Immerhin ist die Titelpartie einem der damals
berühmtesten
Tenöre in die Kehle geschrieben, Francesco Borosini, den
Händel mit den
Hauptrollen in gleich zwei seiner Opern bedachte. Und die noch
berühmtere
Faustina Bordoni sang bei der Uraufführung des Spartaco
die Rolle von dessen Tochter Gianispe. Mehrfachidentitäten: Maraile Lichdi (links) als
Rodope, die Frau des Spartacus und Ulrike Meinhof sowie Annika Sophie
Ritlewski als Vetturia, die uneigentliche Geliebte des Spartacus
Gerade diese beiden Namen
mag man nicht unbedingt in einer Barockoper erwarten. Schon gar nicht,
dass die
Darstellerin auch noch Texte dieser beiden widerständigen Damen
zitiert. Dies
gehört aber zu den weiteren Ebenen, die der junge Regisseur
Michael von zur
Mühlen in das Stück eingezogen hat. Denn neben der
karnevalesk-buffonesken
innerhalb der seriösen hat er zu der fiktiven antiken und der
rezeptionsgeschichtlich absolutistischen noch zum Kontrast eine weitere
Bedeutungschicht
der Oper freigelegt, die sich mit der Frage beschäftigt, was vom
revolutionären
Impetus des historischen Spartacus ebenso wie von Rosa Luxemburg, der
Aktionistin des Spartakusbundes der Jahre 1918/19 oder von der
RAF-Ideologin
Ulrike Meinhof als konkretes Erbe geblieben ist. Dabei bleibt die
Antwort
durchaus offen: Ist es wie zur Zeit der absolutistischen
Majestäten, dass die
revolutionären Ideen verlacht und diskreditiert werden sollen oder
ist es ein
trotziges Aufbegehren gegen eine erfolgreiche Gegenrevolution? Diese
Regietheateridee erscheint hier durchaus passend, wenngleich sie bei
der
Premiere nicht jedermann gefiel, zumal sie durch weitere Anspielungen
(mit
einem Textauszug aus Heiner Müllers „Auftrag“ über eine
gescheiterte Revolte
auf Jamaika um 1790, dargestellt von 3 Clowns, von herabflatternden
Flugblätter
mit der Forderung nach „der ganzen Bäckerei, statt nur einem
Stück Kuchen“ und
dazu noch per Video eingespielten Filmklamotten) ziemlich
überstrapaziert wird. Das Buhkonzert
am Schluss sprach dazu deutliche Worte. Die zwischen Komik und Tragik
changierende Opernhandlung jedoch hat der junge Regisseur handwerklich
glänzend
im Lot gehalten, seien es die witzig choreografierten
Matratzenübungen
Gianispes, die sich zwischen zwei Verehren nicht so recht entscheiden
kann oder
die hybride Selbststilisierung des Spartacus zum bronzenen
Arbeiterdenkmal mit
erhobener Faust. Hier bewies von zur Mühlen seinen Ideenreichtum
für starke
Theaterbilder. FAZIT
Das
Heidelberger Theater hat Mut bewiesen: mit der Auswahl dieser
unbekannten
Opernfarce und einem durchaus provokanten Regiekonzept. Dass dieses zur
Stellungnahme herausfordert, ist nicht das Schlechteste. Und mit der
historischen Aufführungspraxis kann das Orchester sich fraglos
sehen lassen.
Oper, die zu denken gibt und zugleich Vergnügen bereitet! Musikalische Leitung Inszenierung Ausstattung Video Stefan
Butzmühlen Licht Dramaturgie Solisten Spartacus, Emilio
Pons Vetturia, Annika
Sophie Ritlewski Licinius, Yosemeh
Adjei Gianispe, Camilla
de Falleiro Popilius, Franz
Vitzthum Rodope, Maraile
Lichdi Trasone, Sebastian
Geyer Clowns Judith Achner Elisabeth Schlicksupp Richard Hoppart Daniel
Baczyk Philharmonisches
Orchester
Spartaco
Dramma per musica in 3 Akten

Theater
Heidelberg
Winter
in
Schwetzingen
Rokokotheater des Schlosses
Revolution hin und zurück
Von Christoph Wurzel
/
Fotos von Markus Kaesler
Finale Restauration: Hinten tafeln die wieder
eingesetzten Herrschaften beim Bankett; vorne wird der besiegte
Usurpator mit einem Stück Kuchen abgespeist (Yosemeh Adjei als
Licinius und Emilio Pons als Spartacus)
Hat’s gleich mit mehreren:
Des Spartacus Töchterchen Gianispe (hier mit Clown):
Camilla de Falleiro
Bereits im
dritten Jahr ist
Michael Form der musikalische Opernleiter des Heidelberger
Winter-Festivals mit
Alter Musik. Wie bei den beiden vorjährigen Vivaldi-Produktionen,
so hat er
auch in diesem Jahr mit dem Heidelberger Orchester intensiv am
historisch
informierten Aufführungsstil gefeilt und das Ergebnis ist
beeindruckend. Das
kleine Ensemble spielt zupackend, lebendig artikuliert und plastisch im
Klang,
dazu technisch hoch virtuos. Die Barockschule hat schönste Wirkung
gezeigt.
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Produktionsteam
Michael
Form
Michael
von
zur Mühlen
Ben
Baur
Bernd Feuchtner
Anführer der
Gladiatoren
und Herrscher von Capua,
verliebt in Vetturia
römische Dame,
Gefangene
des Spartacus,
Geliebte des Licinius
Sohn des Marcus
Licinius Crassus
unter dem Namen Lucius
Tochter des Spartacus
Ritter aus Capua,
Freund des Licinius und
Liebhaber der Gianispe
Bäuerin, Frau des
Spartacus;
auch: Rosa Luxemburg
und Ulrike Meinhof
Diener des Spartacus
und sein Vertrauter
der Stadt Heidelberg
Weitere
Informationen
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Theater
Heidelberg
(Homepage)
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E-Mail: oper@omm.de
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