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Eine Violetta von großem Format
Von Stefan Schmöe
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Fotos von Stefan Kühle (© Theater Hagen)
Das nennt man wohl gutes Timing: Kaum hat ein Fernsehsender Verdis La Traviata zur schönsten Oper aller Zeiten ausgerufen, kann das Theater Hagen mit einer Neuinszenierung aufwarten. Wobei Verdis Meisterwerk solche Publicity natürlich nicht nötig hätte, zumal ein solches Publikumsvoting durchaus zweischneidig sein kann: Der Hype um die Salzburger Traviata mit dem Traumpaar Netrebko / Villazon dürfte keinen ganz kleinen Anteil an der Publikumskür gehabt haben, damit aber gleichzeitig die Messlatte auch für die Stadttheater ziemlich hoch hängen.
Großes Opernglück: Violetta (Stefania Dovhan) und Alfredo (Dominik Wortig)
Das kleine Theater Hagen hat natürlich keine Anna Netrebko aber es hat Stefania Dovhan. Wenn sich das Publikum ohne lange zu zögern geschlossen aus den Sitzen erhebt, sobald eine Sängerin vor den Vorhang tritt, spricht das für sich so geschehen am Ende dieser Premiere. Dabei stand die junge Sängerin trotz starker Leistungen bisher eher im Schatten von Primadonna Dagmar Hesse, auch wenn sie in der vorigen Saison eine beachtliche Gilda gesungen hat (unsere Rezension). Und jetzt die heikle Violetta? Vom ersten Ton an beherrscht Stefania Dovhan das Geschehen, singt mit einer zupackenden Intensität, dass sofort klar ist: Hier geht's um alles. Die Stimme ist luxuriös leuchtend, voll und durchaus groß, klangvoll auch noch in der tiefen Lage. Nicht ganz unproblematisch sind die Spitzentöne, bei denen die Stimme im Piano eng wird und die mitunter etwas tief intoniert sind da merkte man der Sängerin in dieser Premiere (noch) den Respekt vor dieser wahrlich nicht einfachen Partie an. Das Addio del passato im dritten Akt kann man sich entrückter vorstellen, interpretatorisch ist sicher noch nicht alles ganz ausgereift. Aber dennoch: Was für ein Rollendebüt! Und dazu ist die Sängerin auch noch eine sehr attraktive Bühnenerscheinung.
Vater-Sohn-Konflikt: Giorgio Germont (Frank Dolphin Wong, vorne links) und Alfredo (Dominik Wortig)
Mit Dominik Wortig steht ihr ein stimmlich mehr als akzeptabler, szenisch leider ziemlich ungelenker Alfredo zur Seite. Zwar könnte die schöne lyrische Stimme für diese Partie ein strahlenderes Timbre besitzen und auch draufgängerischer gesungen sein, aber von einigen wenigen Momenten abgesehen bleibt der Klang auch in der Höhe sicher und rund. Keine allzu glückliche Besetzung dagegen ist Frank Dolphin Wong als Giorgio Germont; die schlanke und jugendliche Stimme besitzt bei aller Präsenz fast nichts von der väterlichen Autorität, die diese Rolle braucht auch wenn sie passabel gesungen ist. (Trotzdem spricht es einmal für die Hagener Ensemblekultur, dass alle drei Hauptpartien aus dem hauseigenen Ensemble heraus besetzt werden können.) Die kleineren Partien bleiben ziemlich unauffällig. Das Philharmonische Orchester Hagen unter der Leitung von Florian Ludwig überzeugt vor allem in den leisen, von den Streichern getragenen Passagen. Der Dirigent sucht offenbar die Kontraste, grenzt die intime, verhaltene Sphäre gegen die turbulenten Festmusiken ab die dabei in der ohnehin ziemlich knalligen Akustik des Hauses arg lärmend geraten. Die Tempi sind flott, manchmal eine Spur zu gehetzt. Ordentlich singen Chor und Extrachor, wobei die Feinabstimmung mit dem Orchester nicht immer perfekt ist.
Tragisches Finale: Violetta (Stefania Dovhan)
Die Inszenierung von Gregor Horres gibt sich angenehm zurückhaltend. Das Geschehen spielt sich in einer Art in die Schräge verdrehtem Schuhkasten ab, dessen Wände spätbürgerliche Architektur andeuten (Ausstattung: Jan Bammes). Im zweiten Akt dazwischen stehen etliche abgeholzte Baumstümpfe. So spielt das Bühnenbild geschickt mit dem Wechsel von innen und außen, ist aber auf das Nötigste reduziert. Die Kostüme sind elegant modern, spielen aber auch mit vornehmen Ballkleidern auf die Zeit der großen Bälle an. Man kann bei dieser Inszenierung, durchaus von Ausstattungsoper sprechen, weil sie einen ästhetisch ansprechenden Rahmen für die Musik abgibt, den Bogen von der Entstehungszeit bis in die Gegenwart schlägt und die Geschichte nacherzählt, ohne große eigene Akzente zu setzen. Die Schräglage des Spielraums schafft eine Distanz, und auch durch den Verzicht auf große Gesten wird allzu große Sentimentalität verhindert. Durch diesen sachlichen Rahmen bleibt den Sängern viel Raum, den eben vor allem Stefania Dovhan zu füllen weiß. Das ist für die Traviata mit ihrer schwierigen Geschichte kein schlechter Ansatz - wobei die pauschale und konventionelle Personenregie ruhig um einiges pointierter sein dürfte.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Ausstattung
Licht
Choreinstudierung
Dramaturgie
Solisten* Besetzung derrezensierten Aufführung
Violetta Valéry
Alfredo Germont
Giorgio Germont
Flora
Annina
Gastone
Barone Douphol
Marchese
Dottore Grenvil
Giuseppe
Diener Floras
Bote
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