Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



La Traviata

Melodramma in drei Akten
Text von Francesco Maria Piave
nach dem Drama "La dame aux camélias" von Alexandre Dumas d. J.
Musik von Giuseppe Verdi


Aufführungsdauer: ca. 2h 40' (zwei Pausen)


Premiere im Theater Hagen am 16. Januar 2010

Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)
Eine Violetta von großem Format

Von Stefan Schmöe / Fotos von Stefan Kühle (© Theater Hagen)

Das nennt man wohl gutes Timing: Kaum hat ein Fernsehsender Verdis La Traviata zur „schönsten Oper aller Zeiten“ ausgerufen, kann das Theater Hagen mit einer Neuinszenierung aufwarten. Wobei Verdis Meisterwerk solche Publicity natürlich nicht nötig hätte, zumal ein solches Publikumsvoting durchaus zweischneidig sein kann: Der Hype um die Salzburger Traviata mit dem „Traumpaar“ Netrebko / Villazon dürfte keinen ganz kleinen Anteil an der Publikumskür gehabt haben, damit aber gleichzeitig die Messlatte auch für die Stadttheater ziemlich hoch hängen.

Vergrößerung in neuem Fenster Großes Opernglück: Violetta (Stefania Dovhan) und Alfredo (Dominik Wortig)

Das kleine Theater Hagen hat natürlich keine Anna Netrebko – aber es hat Stefania Dovhan. Wenn sich das Publikum ohne lange zu zögern geschlossen aus den Sitzen erhebt, sobald eine Sängerin vor den Vorhang tritt, spricht das für sich – so geschehen am Ende dieser Premiere. Dabei stand die junge Sängerin trotz starker Leistungen bisher eher im Schatten von Primadonna Dagmar Hesse, auch wenn sie in der vorigen Saison eine beachtliche Gilda gesungen hat (unsere Rezension). Und jetzt die heikle Violetta? Vom ersten Ton an beherrscht Stefania Dovhan das Geschehen, singt mit einer zupackenden Intensität, dass sofort klar ist: Hier geht's um alles. Die Stimme ist luxuriös leuchtend, voll und durchaus groß, klangvoll auch noch in der tiefen Lage. Nicht ganz unproblematisch sind die Spitzentöne, bei denen die Stimme im Piano eng wird und die mitunter etwas tief intoniert sind – da merkte man der Sängerin in dieser Premiere (noch) den Respekt vor dieser wahrlich nicht einfachen Partie an. Das „Addio del passato“ im dritten Akt kann man sich entrückter vorstellen, interpretatorisch ist sicher noch nicht alles ganz ausgereift. Aber dennoch: Was für ein Rollendebüt! Und dazu ist die Sängerin auch noch eine sehr attraktive Bühnenerscheinung.

Vergrößerung in neuem Fenster

Vater-Sohn-Konflikt: Giorgio Germont (Frank Dolphin Wong, vorne links) und Alfredo (Dominik Wortig)

Mit Dominik Wortig steht ihr ein stimmlich mehr als akzeptabler, szenisch leider ziemlich ungelenker Alfredo zur Seite. Zwar könnte die schöne lyrische Stimme für diese Partie ein strahlenderes Timbre besitzen und auch draufgängerischer gesungen sein, aber von einigen wenigen Momenten abgesehen bleibt der Klang auch in der Höhe sicher und „rund“. Keine allzu glückliche Besetzung dagegen ist Frank Dolphin Wong als Giorgio Germont; die schlanke und jugendliche Stimme besitzt bei aller Präsenz fast nichts von der väterlichen Autorität, die diese Rolle braucht – auch wenn sie passabel gesungen ist. (Trotzdem spricht es einmal für die Hagener Ensemblekultur, dass alle drei Hauptpartien aus dem hauseigenen Ensemble heraus besetzt werden können.) Die kleineren Partien bleiben ziemlich unauffällig.

Das Philharmonische Orchester Hagen unter der Leitung von Florian Ludwig überzeugt vor allem in den leisen, von den Streichern getragenen Passagen. Der Dirigent sucht offenbar die Kontraste, grenzt die intime, verhaltene Sphäre gegen die turbulenten Festmusiken ab – die dabei in der ohnehin ziemlich knalligen Akustik des Hauses arg lärmend geraten. Die Tempi sind flott, manchmal eine Spur zu gehetzt. Ordentlich singen Chor und Extrachor, wobei die Feinabstimmung mit dem Orchester nicht immer perfekt ist.

Vergrößerung in neuem Fenster Tragisches Finale: Violetta (Stefania Dovhan)

Die Inszenierung von Gregor Horres gibt sich angenehm zurückhaltend. Das Geschehen spielt sich in einer Art in die Schräge verdrehtem Schuhkasten ab, dessen Wände spätbürgerliche Architektur andeuten (Ausstattung: Jan Bammes). Im zweiten Akt dazwischen stehen etliche abgeholzte Baumstümpfe. So spielt das Bühnenbild geschickt mit dem Wechsel von innen und außen, ist aber auf das Nötigste reduziert. Die Kostüme sind elegant modern, spielen aber auch mit vornehmen Ballkleidern auf die Zeit der großen Bälle an. Man kann bei dieser Inszenierung, durchaus von „Ausstattungsoper“ sprechen, weil sie einen ästhetisch ansprechenden Rahmen für die Musik abgibt, den Bogen von der Entstehungszeit bis in die Gegenwart schlägt und die Geschichte nacherzählt, ohne große eigene Akzente zu setzen. Die Schräglage des Spielraums schafft eine Distanz, und auch durch den Verzicht auf große Gesten wird allzu große Sentimentalität verhindert. Durch diesen sachlichen Rahmen bleibt den Sängern viel Raum, den eben vor allem Stefania Dovhan zu füllen weiß. Das ist für die Traviata mit ihrer schwierigen Geschichte kein schlechter Ansatz - wobei die pauschale und konventionelle Personenregie ruhig um einiges pointierter sein dürfte.


FAZIT

Ein großer Opernabend mit einer grandiosen Stefania Dovhan.



Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Florian Ludwig

Inszenierung
Gregor Horres

Ausstattung
Jan Bammes

Licht
Ulrich Schneider

Choreinstudierung
Wolfgang Müller-Salow

Dramaturgie
Birgitta Franzen


Chorund Extrachor
des Theater Hagen

Philharmonisches
Orchester Hagen


Solisten

* Besetzung der
rezensierten Aufführung


Violetta Valéry
Stefania Dovhan

Alfredo Germont
Dominik Wortig

Giorgio Germont
Raymond Ayers /
* Frank Dolphin Wong

Flora
Kristine Larissa Funkhauser

Annina
Marilyn Bennett

Gastone
Richard van Gemert

Barone Douphol
Horst Fiehl

Marchese
Rolf A. Schneider

Dottore Grenvil
Orlando Mason

Giuseppe
Bernd Stahlschmidt-Drescher

Diener Floras
Peter Neuhaus

Bote
Wolfgang Niggel


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Hagen (Homepage)




Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2010 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -