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Premiere in der Staatsoper Hannover am 14. November
2009 18 Jahre nach
der letzten
„Rheingold“-Premiere startet die
Staatsoper Hannover eine Neuproduktion von Wagners „Ring des
Nibelungen“. Als
Regisseur konnte Barrie Kosky verpflichtet werden, der in Hannover mit
seiner
großartigen Inszenierung des „Peter Grimes“ in der vorletzten
Spielzeit eine
Visitenkarte abgegeben hat, die zu den größten Hoffnungen
auf seine „Ring“-Interpretation
berechtigt. Und auch wenn „Ring“-Inszenierungen in unseren Landen keine
Seltenheit sind, bedeuten sie doch immer wieder eine besondere
Herausforderung
für das Haus und eine große Spannung für das Publikum. Die erste Szene beginnt neckisch: Die
Rheintöchter singen
ihre ersten Töne durch einen Spalt im Vorhang, der, sich
öffnend, den Blick auf
eine Revuebühne der 20er Jahre freigibt. Girls betanzen in
aufwändiger
Choreographie eine Revuetreppe und lassen mit den fließenden und
zitternden
Bewegungen ihrer weißen Straußenfedern den Rhein
assoziieren, als deren
Darstellerinnen sie im Programmheft ausgewiesen sind. (Da drängt
sich der
Gedanke auf, ob dann im zweiten Bild ein Marika-Rökk-Verschnitt
als keifende
Fricka auftaucht). Alberich ist ein Variete-Clown, ein
Weißer, der sich als
Schwarzer geschminkt und Schläfenlocken angeklebt hat – eine
Kostümierung, die
in den zwanziger Jahren sehr beliebt war. Doch als er sich von den
Rheintöchtern verschmäht sieht, wischt er sich die Farbe aus
dem Gesicht, hofft
auf eine positive Wendung und zeigt sich doch nur als schmieriger Proll. Wotan
(Tobias Schabel), Freia (Arantxa Armentia), Einer der
eindrucksvollsten Momente im
letzten Bild ist der
Auftritt Erdas. Die Stimme kommt aus dem Off, die Erscheinung auf der
Bühne ist
eine sehr alte nackte Frau mit ausgemergeltem Körper und langen,
wirren weißen
Haaren, die unsicher und vorsichtig über den unwegsamen Felsen auf
Wotan
zugeht. Ein Bild das bewegt und erschüttert, berührt und
erschreckt, das eine
Grenze überschreitet, sie aber doch nicht verletzt. Eher
verzweifelnd flehend
als eindringlich mahnend beschwört die Urmutter den Dandy-Gott.
Dass die beiden
in den nächsten Tagen 9 Walküren zeugen werden, kann man sich
dagegen so gar
nicht vorstellen. Donner und Froh
servieren Champagner, Loge
lässt sich zu
einem Bauchtanz hinreißen und Freia stiftet zum Einzug eine Torte
in Burgform –
und damit nimmt Walhall hier zum ersten Mal sichtbare Gestalt an.
Besteht die
Füllung aus Äpfeln? Doch lässt es sich dann nicht
erklären warum Wotan und
Fricka figurbewusst die Schlemmerei dankend ablehnen und Loge am
Schluss ein
Stück isst (von dem er das meiste allerdings verkleckert).
Vielleicht ist mir
da bei der Fülle der Aktionen beim Zuschauen auch einfach etwas
entgangen. Die
Götter gehen ab - wohl in die Richtung in
der Walhall zu vermuten ist - und nachdem er dem toten Fasolt ein
Champagnerglas in die Hand gedrückt hat, verlässt auch Loge
tänzelnd die Bühne. Unzählige
Details ließen sich
noch erwähnen, erhellende und
verwirrende, begeisternde und ärgerliche. Vieles erkennt man
sicher auch erst
beim zweiten oder dritten Anschauen der Produktion. Nur noch einige
Beispiele:
die vielen Hüte, die Mime angefertigt hat, denen er aber doch
keinen
Tarnhelmzauber verleihen konnte, Alberichs ausdrucksstarke T-shirts,
sein fast
liebevolles – an Gollum aus dem „Herrn der Ringe“ erinnerndes –
Verhältnis zum
Ring. In Abendkleidung mit Champagner werden die „Ring“-Protagonisten
in
anderen Inszenierungen gern am Ende der „Götterdämmerung“
dargestellt. Doch bis
dahin ist es noch ein langer und weiter Weg. Man darf gespannt sein –
sehr
gespannt. Gesungen wird
in Hannover auf recht hohem
Niveau – gestaltet
auf noch höherem. Und da ist an erster Stelle Stefan Adam als
Alberich zu
nennen. Ein begnadeter Sängerdarsteller, der sowohl gesanglich als
auch
darstellerisch ein faszinierendes und beklemmendes Charakterbild des
Alberich
zeichnet. Auf der Grundlage seines satten und volltönenden Basses
verdeutlicht
er in unzähligen Stimmfärbungen und Ausdruckvarianten die
Vielschichtigkeit der
Gefühlsebenen durch sie sich der immer mehr verzweifelnde Nibelung
bewegt, mal
kraftvoll, mal brüchig, mal verzweifelt, dann wieder bitter,
wütend oder giftig. Als zweiter
Einspringer hinterlässt Torsten Hofmann als Mime
einen exzellenten Eindruck. Robert Künzli hat es nicht leicht die
großen
Fußstapfen seiner Vorgänger auszufüllen. Einerseits
hatte der Regisseur bei der
Charakterisierung des Loge nicht das allerglücklichste
Händchen und
andererseits bleibt Künzli dieser Partie auch stimmlich einiges
schuldig. Da fehlt
der schneidend helle Glanz, die intellektuelle Ironie, die Leichtigkeit
des
Gesangs mit der der Feuergott intrigierend tätig wird. Insgesamt ist mein Eindruck sehr
zwiespältig, Ich kann es
nicht wirklich schlucken, will es aber auch auf keinen Fall ausspeien.
Die
erste Szene liegt mir zu nah an einer (allerdings sehr guten) Parodie.
Aber auf
jeden Fall ist immer was los auf der Bühne, es wird keinen Moment
langweilig, es
bleibt immer spannendes und lebendiges Musiktheater mit genialen Ideen
– aber eben
auch mit fraglichen Momenten. Eine Richtung für die weiteren
„Ring“-Teile lässt sich aus
diesem „Rheingold“ nicht erkennen. Musikalische
Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Dramaturgie Statisterie der
Wotan Donner Froh Loge Alberich Mime Fasolt Fafner Fricka Freia Stimme
der
Erda
Woglinde Wellgunde Weitere
Informationen
Das
Rheingold
Vorabend zum
Bühnenfestspiel "Der Ring des Nibelungen"
Text und Musik von Richard Wagner
Aufführungsdauer:
ca. 2 Stunden 30 Minuten (keine Pause)

(Homepage)
Wotan in
Badehose
Von Bernd
Stopka / Fotos: Thomas M. Jauk
Rheinballett
mit dem Rheingold in der Mitte,
links am Rand Alberich (Stefan Adam)
Alberich (Stefan Adam)
Ganz besonderes Augenmerk legt der Regisseur auf Alberichs
Charakterisierung, der unbestritten die Hauptfigur im „Rheingold“ ist.
Nicht
umsonst nannte Wagner seine Tetralogie „Der Ring des
Nibelungen“. Kosky
beleuchtet explizit das Innenleben, die Ängste, Komplexe,
Sehnsüchte und
psychischen Störungen des benachteiligten Zwerges, der den
Weltuntergang ins
Rollen bringt.
Wotan (Tobias Schabel)
Fricka (Khatuna Mikaberidze), Donner
(Jin-Ho Yoo),
Froh (Young-Hoon Heo), Fasolt (Albert Pesendorfer),
Fafner (Young
Myoung Kwon), Loge (Robert Künzli)
Doch dann kippt sich der Regisseur Wasser in den Wein. Zu
Alberichs Verwandlung in (eigentlich) einen Riesenwurm taucht ein
Dutzend
Doubles im Clownkostüm des ersten Bildes auf und masturbiert mit
fast schon
brutalen Bewegungen. Alberichs Verwandlungsworte mögen
oberflächlich
Assoziationen wecken. „Riesenwurm….“ mag als phallische
Übertragung ja noch
funktionieren, aber „winde sich ringelnd“ - ?!?!
Auch über die Notwendigkeit Mime mit Kippa und
Schläfenlocken (wie auch Alberich im ersten Bild) auszustatten
lässt sich
streiten. Der Hinweis auf Wagners Antisemitismus und das
Einfließen desselben
in die Gestaltung der Figuren der Zwerge bringt uns auf dem Weg zur
Götterdämmerung keine neuen Erkenntnisse.
Wotan (Tobias Schabel), Erda
(Darstellerin:
Evelyn Gundlach), Fasolt (Albert Pesendorfer),
Fafner (Young Myoung Kwon), Loge (Robert Künzli),
Froh (Young-Hoon Heo) Donner (Jin-Ho Yoo),
raubt das Rheingold
Freia (Arantxa Armentia), Fasolt (Albert Pesendorfer),
Fafner (Young Myoung Kwon), Wotan (Tobias Schabel)
FAZIT
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Produktionsteam
Wolfgang
Bozic
Barrie
Kosky
Klaus
Grünberg
Klaus
Bruns
Otto Pichler
Klaus Grünberg,
Susanne Rheinhardt
Ulrich Lenz
Staatsoper Hannover
Niedersächsisches
Staatsorchester Hannover
Solisten
Tobias Schabel
(spielte in
der Premiere)
Renatus Mészár
(sang in der Premiere)
Jin-Ho Yoo
Young-Hoon Heo
Robert Künzli
Stefan
Adam
Torsten Hofmann
Albert
Pesendorfer
Young
Myoung Kwon
Khatuna Mikaberidze
Arantxa Armentia
Evelyn Gundlach
Okka von der Damerau
Nicole Chevalier
Julia Faylenbogen
Mareike Morr
Das Rheingold
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