|
Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
|
|
|
|
Ariadne im Hallenbad
Von Ursula Decker-Bönniger
/
Fotos von Pedro Malinowski
Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel benennen die Autoren Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss ihr mehrfach verändertes und schließlich 1916 an der Wiener Hofoper erfolgreich uraufgeführtes Gemeinschaftswerk Ariadne auf Naxos. Während im Vorspiel in witzig ironischem Konversationsstil grundsätzliche Fragen der Kunst, des Theaterbetriebs diskutiert werden, wird in der folgenden, heroischen Oper auch hier aufgelockert von kleinen buffonesken Einlagen - der Mythos der Ariadne, das Schicksal der verlassenen Frau beleuchtet als Spiel im Spiel laut Hofmannsthal.
Zerbinetta (Diana Petrova), Harlekin (Piotr Prochera) und die Naxos-Band
In der Neuinszenierung am Musiktheater im Revier haben die beiden Regisseurinnen Michaela Dicu und Winnie Karnofka sich erlaubt, auch den heroischen Meeresstrand mit einer Höhle der Insel Naxos in die Schwimmhalle eines Hallenbades zu verwandeln. Schon wieder ein um Aktualisierung bemühtes Regietheater, werden Sie sagen, aber der konsequent durchgespielte Einfall konterkariert geschickt den antikisierenden, pathetischen Ton, den Strauss und Hofmannsthal in der Oper anschlagen und zugleich ironisch kommentieren. Die Schwimmhalle ist detailgetreu z.B. mit Startblöcken, Rettungsringen, Duschkabinen, seitlichen Sauna- und Toilettentüren, Liegestühlen nebst einem Tischchen ausgestattet. Im 2.Teil wird die türkisblaue, kalte aber nicht triste Atmosphäre des leeren Beckens z.B. mit Badeentchen und Plastikdelphinen weiter aufgelockert. Auf letzteren schlafen die drei Nymphen, die sich witzig in anmutige Badenixen verwandelt haben. Statt Spiegel, Dosen und Puderquasten schleppen Harlekin, Scaramuccio, Brighella und Truffaldin Instrumentenkoffer, Kabeltrommel, Mikro und Ständer für den geplanten Auftritt einer Rockband Naxos.
Der Komponist (Anna Agathonos)
Abgesehen von der auszugsweisen Einblendung des Schlagers Griechischer Wein vor Beginn des instrumentalen Vorspiels präsentieren Dicu und Karnofka einen lebendig und abwechslungsreich inszenierten Streit zwischen Vertretern der leichten und ernsten, der sogenannten E- und U-Musik. Überzeugend vor allem die Personenzeichnung der schrill und reizvoll kostümierten Zerbinetta, die im koketten Spiel zu Koloraturen und Spitzentönen einem Bandmitglied auch mal Tritte in die Eier versetzt. Unterstützt werden die Darbietungen von dem souverän agierenden Rasmus Baumann, der einer mit Klavier, Harmonium und zwei Harfen erweiterten Kammerbesetzung der Neuen Philharmonie Westfalen durchsichtig-leichte, in vielseitigem Ausdruck und Klangfarben schillernde Töne entlockt. Schade, dass die akustischen Gegebenheiten im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier eher für Sprechtheater geeignet erscheinen. Die Musiker sitzen dichtgedrängt auf der Bühne, hinter den Solisten, wodurch man den Stimmklang sehr direkt wahrnimmt und was stellenweise zu unausgeglichener Klangbalance zwischen Sängern und Orchester führt.
Nymphenterzett und Ariadne
(von l.: Engjellushe Duka, Alfia Kamlova, Denitsa Pophristova, Majken Bjerno)
Sängerinnen und Sänger überzeugen vor allem im Vorspiel mit lebendiger Gestaltung, präziser Artikulation und Textverständlichkeit. Robert Chafin sprang sehr kurzfristig für den erkrankten Ricardo Tamura ein und übernahm die Partie des Tenors und Bacchus. Björn Waag ist ein biederer Musiklehrer in grauem Jankerl mit einer schlanken, klangvollen Baritonstimme. Uwe Schönbeck stellt ausdrucksstark den überheblichen Haushofmeister dar; Engjellushe Duka, Denitsa Pophristova und Alfia Kamalova ergänzen sich zu einem wunderbar homogen klingenden Nymphenterzett. Piotr Prochera ist ein leicht und beweglich klingender Harlekin, Anna Agathonos eine sehr expressive, in der Höhe leicht schrill klingende, dramatische Komponistin, bei der die das eigene Ethos darstellenden warmen, lyrischen Farbtöne wenig zum Vorschein kommen. Majken Bjerno überzeugt mit differenzierter Gestaltung und entlockt mit ihrer klangvoll schwingenden Stimme der Ariadne anrührende, todesseelige Phantasien. Diana Petrova glänzt als Zerbinetta, die nicht nur mühelos die Höhen erklimmt, sondern die schwierigen Koloraturen mit verführender Koketterie auszustatten weiß.
Eine engagierte, interessante Inszenierung, die den Buffocharakter der Oper herausstellt. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Solisten* Besetzung der rezensierten AufführungDer Haushofmeister Uwe Schönbeck
Ein Musiklehrer
Der Komponist
Anke Sieloff
Ein Perückenmacher
Ein Lakai
Tenor / Bacchus
* Robert Chafin
Primadonna / Ariadne
Richetta Manager
Najade
Dryade
Echo
Zerbinetta
Brighella
Scaramuccio
Harlekin
Piotr Prochera
Truffaldin
|
© 2009 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de