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Musiktheater
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Ariadne auf Naxos

Oper in einem Aufzuge nebst einem Vorspiel
von Hugo von Hofmannsthal
Musik von Richard Strauss


in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 35' (eine Pause)

Premiere im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier am 23. Oktober 2009 (rezensierte Aufführung: 30.10.2009)


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Musiktheater im Revier
(Homepage)

Ariadne im Hallenbad

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Pedro Malinowski


„Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel“ benennen die Autoren Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss ihr mehrfach verändertes und schließlich 1916 an der Wiener Hofoper erfolgreich uraufgeführtes Gemeinschaftswerk Ariadne auf Naxos. Während im Vorspiel in witzig ironischem Konversationsstil grundsätzliche Fragen der Kunst, des Theaterbetriebs diskutiert werden, wird in der folgenden, heroischen Oper – auch hier aufgelockert von kleinen buffonesken Einlagen - der Mythos der Ariadne, das Schicksal der verlassenen Frau beleuchtet – als „Spiel im Spiel“ laut Hofmannsthal.

Vergrößerung in neuem Fenster Zerbinetta (Diana Petrova), Harlekin (Piotr Prochera) und die Naxos-Band

In der Neuinszenierung am Musiktheater im Revier haben die beiden Regisseurinnen Michaela Dicu und Winnie Karnofka sich erlaubt, auch den „heroischen Meeresstrand mit einer Höhle“ der Insel Naxos in die Schwimmhalle eines Hallenbades zu verwandeln. Schon wieder ein um Aktualisierung bemühtes Regietheater, werden Sie sagen, aber der konsequent durchgespielte Einfall konterkariert geschickt den antikisierenden, pathetischen Ton, den Strauss und Hofmannsthal in der Oper anschlagen und zugleich ironisch kommentieren. Die Schwimmhalle ist detailgetreu z.B. mit Startblöcken, Rettungsringen, Duschkabinen, seitlichen Sauna- und Toilettentüren, Liegestühlen nebst einem Tischchen ausgestattet. Im 2.Teil wird die türkisblaue, kalte aber nicht triste Atmosphäre des leeren Beckens z.B. mit Badeentchen und Plastikdelphinen weiter aufgelockert. Auf letzteren schlafen die drei Nymphen, die sich witzig in anmutige Badenixen verwandelt haben. Statt Spiegel, Dosen und Puderquasten schleppen Harlekin, Scaramuccio, Brighella und Truffaldin Instrumentenkoffer, Kabeltrommel, Mikro und Ständer für den geplanten Auftritt einer Rockband Naxos.

Vergrößerung in neuem Fenster

Der Komponist (Anna Agathonos)

Abgesehen von der auszugsweisen Einblendung des Schlagers „Griechischer Wein“ vor Beginn des instrumentalen Vorspiels präsentieren Dicu und Karnofka einen lebendig und abwechslungsreich inszenierten Streit zwischen Vertretern der leichten und ernsten, der sogenannten E- und U-Musik. Überzeugend vor allem die Personenzeichnung der schrill und reizvoll kostümierten Zerbinetta, die im koketten Spiel zu Koloraturen und Spitzentönen einem Bandmitglied auch mal Tritte in die Eier versetzt. Unterstützt werden die Darbietungen von dem souverän agierenden Rasmus Baumann, der einer mit Klavier, Harmonium und zwei Harfen erweiterten Kammerbesetzung der Neuen Philharmonie Westfalen durchsichtig-leichte, in vielseitigem Ausdruck und Klangfarben schillernde Töne entlockt. Schade, dass die akustischen Gegebenheiten im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier eher für Sprechtheater geeignet erscheinen. Die Musiker sitzen dichtgedrängt auf der Bühne, hinter den Solisten, wodurch man den Stimmklang sehr direkt wahrnimmt und was stellenweise zu unausgeglichener Klangbalance zwischen Sängern und Orchester führt.

Vergrößerung in neuem Fenster Nymphenterzett und Ariadne (von l.: Engjellushe Duka, Alfia Kamlova, Denitsa Pophristova, Majken Bjerno)

Sängerinnen und Sänger überzeugen – vor allem im Vorspiel – mit lebendiger Gestaltung, präziser Artikulation und Textverständlichkeit. Robert Chafin sprang sehr kurzfristig für den erkrankten Ricardo Tamura ein und übernahm die Partie des Tenors und Bacchus. Björn Waag ist ein biederer Musiklehrer in grauem Jankerl mit einer schlanken, klangvollen Baritonstimme. Uwe Schönbeck stellt ausdrucksstark den überheblichen Haushofmeister dar; Engjellushe Duka, Denitsa Pophristova und Alfia Kamalova ergänzen sich zu einem wunderbar homogen klingenden Nymphenterzett.

Piotr Prochera ist ein leicht und beweglich klingender Harlekin, Anna Agathonos eine sehr expressive, in der Höhe leicht schrill klingende, dramatische Komponistin, bei der die das eigene Ethos darstellenden warmen, lyrischen Farbtöne wenig zum Vorschein kommen. Majken Bjerno überzeugt mit differenzierter Gestaltung und entlockt mit ihrer klangvoll schwingenden Stimme der Ariadne anrührende, todesseelige Phantasien. Diana Petrova glänzt als Zerbinetta, die nicht nur mühelos die Höhen erklimmt, sondern die schwierigen Koloraturen mit verführender Koketterie auszustatten weiß.


FAZIT

Eine engagierte, interessante Inszenierung, die den Buffocharakter der Oper herausstellt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Rasmus Baumann

Inszenierung
Michaela Dicu
Winnie Karnofka

Bühne
Vera Koch

Kostüme
Renée Listerdal

Licht
Helmut Justus

Dramaturgie
Juliane Schunke



Statisterie des
Musiktheater im Revier

Neue Philharmonie
Westfalen


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Der Haushofmeister
Uwe Schönbeck

Ein Musiklehrer
Björn Waag

Der Komponist
*Anna Agathonos /
Anke Sieloff

Ein Perückenmacher
Wolf-Rüdiger Klimm

Ein Lakai
Charles E.J. Moulton

Tenor / Bacchus
Ricardo Tamura /
* Robert Chafin

Primadonna / Ariadne
*Majken Bjerno /
Richetta Manager

Najade
Engjellushe Duka

Dryade
Denitsa Pophristova

Echo
Alfia Kamalova

Zerbinetta
Diana Petrova

Brighella
William Saetre

Scaramuccio
E. Mark Murphy

Harlekin
Hyun-Seung Oh /*
Piotr Prochera

Truffaldin
Dong-Won Seo



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