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Musikalischer Glanz im szenischen Halbschatten
Von Joachim Lange
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Fotos vonm Maggio Musicale Fiorentino Was in Mailand im Dezember die Inaugurazione, also die Saisoneröffnung der Scala ist, das ist in Florenz der Maggio Musicale. So ungefähr jedenfalls. Zwar auch mit Tamtam, Schauspiel- und sonstiger Prominenz, inklusive Gardesoldaten am roten Teppich. Ob das so bleibt, wird sich zeigen, schon die Folgevorstellungen nach der hier besprochenen Premiere wurden bestreikt und zwar als Reaktion auf einen gesetzlichen Vorstoß der Regierung, der den verbliebenden 14 Opernhäusern in Italien das Wasser abzugraben droht und die Theaterlandschaft, so wie sie ist, drastisch verändern wird. Doch auch bislang war der Maggio Musicale eher ein regionales Ereignis, das nicht an das nationale Großspektakel in Mailand heranreicht. Schon weil die traditionsreiche Scala bislang eine Sonderstellung hatte. In Florenz versuchte gleichwohl der musikalische spiritus rector Zubin Mehta hier an den etwas verblichenen, früheren Glanz des mittlerweile schon zum 73. Mal stattfindenden Musiksommers anzuknüpfen, indem er voll auf Wagner und Strauss setzt. So hat er in den letzten Jahren, in Koproduktion mit Valencia, einen in seiner Bilderübermacht zwar kontroversen, aber musikalisch unstrittigen Ring gestemmt. Und auch die Opern von Richard Strauss gehören in Florenz nicht etwa zu den exotischen Ausnahmen, sondern sogar zu den Programm-Favoriten. Was im Lande Verdis und des Belcanto ja durchaus nicht selbstverständlich ist. Die aktuelle Frau ohne Schatten jedenfalls ist immerhin schon die 15. Strauss-Produktion nach dem Krieg.
Die Kaiserin und die Amme
Wirklich überzeugende Interpreten für die anspruchsvollen Partien zu finden, scheint auch hier ein Problem zu sein. So kommt man hier jedenfalls an das hervorragende Standardniveau eines Opernhauses wie Frankfurt nur ansatzweise heran. Albert Dohmen etwa investiert zwar viel Erfahrung, aber auch einige Mühe in seinen eher schemenhaft bleibenden Barak, während Elena Pankratova eine streckenweise durchschlagende, im Ganzen aber unausgeglichene Färbersfrau liefert und Lioba Braun die Amme zwar mit einer übertreibenden Bühnenhexen-Gestik profilierte, aber stimmlich eher diffus bleibt. Als Kaiserin überzeugte Adrianne Pieczonka da schon eher, während Torsten Kerl mit seinem fokussiert eingesetzten Tenor als Kaiser nicht nur die schmetternde Emphase, sondern auch die eher nachsinnenden Passagen erstaunlich souverän bewältigt.
Daheim beim Färber und seiner Frau
Das lag vor allem am eigentlichen Star des Abends. Zubin Mehta verleiht nämlich am Pult des transparent und sicher aufspielenden Orchesters des Maggio Musicale Fioretino dieser märchenhaften Menschenoper ihr eigentliches Profil. Er verzichtete auf jede Bedeutungshuberei, setzt stattdessen unverhohlen auf die Schönheit der Musik und erreicht mit samtweichen Streichern und wunderbar dosierten Bläsern eine fast schon heitere und abgeklärte Klangnoblesse. Er fand mit seinem Sinn fürs erzählende Detail und den großen Bogen der Botschaft zu jener Suggestionskraft, die die Szene in ihrer illustrierenden Bebilderung im Grunde durchweg umgeht.
Die höheren Mächte sind am Werk
Regisseur und Ausstatter Yannis Kokkos setzt nämlich zunächst auf eine märchenhafte Scherenschnitt-Ästhetik. Wobei das Videowabern im Hintergrund zwischen Farbspielen und kosmischen Assoziationen nur eine atmosphärische Illustration der Kaiserwelt bleibt und der stilisierte Armeleute-Realismus die Welt von Barak und seiner Frau nur andeutet. In Sichtweite der psychologisierenden Schichten von Hofmannsthals und Strauss' parabelhafter Geschichte gerät er dabei nicht. Immerhin verschwindet der metaphorische Schatten der Kaiserin erst durch einen von unten leuchtenden Weg zur Rampe und das meistens herrschende Halbdunkel tatsächlich, um dann übergroß aufzutauchen. Am Ende, wenn die allzu konventionelle und rampenorientierte Personenregie in einem symmetrischen Tableau kulminiert, soll das wohl auf die fortan glückliche Zukunft der beiden Paare verweisen.
Das Trugbild des schönen Jünglings
Diese Oper, in ihrer anspielungsreichen Komplexität auf eine beglückend klangleichte Art wirklich ernst zu nehmen, das blieb dem zu Recht gefeierten Zubin Mehta vorbehalten, dem sein Orchester und Ensemble ein Happy Birthday- Ständchen hinzufügte. Dass der Szene jede echte Ambition fehlte, störte in Florenz offenbar niemanden.
Diese Frau ohne Schatten war vor allem ein Ereignis, das im Graben stattfand und von dort aus faszinierte. Immerhin hatte zumindest das Premierenpublikum das Glück, der gerade beginnenden Streikwelle zuvor zu kommen. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung und Ausstattung
Video
Choreografie
Chor
Dramaturgie
Solisten
Der Kaiser
Die Kaiserin
Die Amme
Der Geisterbote
Ein Hüter der Schwelle des Tempels
Die Erscheinung eines Jünglings
Die Stimme des Falken
Eine Stimme von oben
Barak
Seine Frau
Der Einäugige
Der Einarmige
Der Bucklige
Drei Dienerinnen
Fünf Kinderstimmen
Stimmen der Ungeborenen
Wächter der Stadt
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