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Nana

Oper in vier Akten (7 Bildern)
Text von Max Brod nach Émile Zola
Musik von Manfred Gurlitt


in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Premiere im Theater Erfurt am 25. April 2010


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Theater Erfurt
(Homepage)

Der Fall (von) Nana

Von Joachim Lange / Fotos von L. Edelhoff


Es sollte wohl so eine Mischung aus Traviata und Lulu werden. Doch den Ausflug auf die Opernbühne, den Manfred Gurlitt (1890-1972) Émile Zolas Nana in Max Brods Textversion verordnet hat, der ist weder eine ans Herz gehende Neuauflage der noblen Kurtisane Verdis, noch ein Schauerstück der Moderne, bei dem der männermordende Vamp als Projektionsfläche männlicher Machtobsessionen zum Spiegel einer kranken Gesellschaft wird. Dabei kommt in Gurlitts Vierakter Nana sogar der Zusammenhang von dekadent bourgeoiser Verschwendungssucht in den Pariser Salons und dem Schweiß der Hüttenarbeiter im Elsass zur Sprache.


Foto kommt später Da will man nur weg - Nana vor ihrer Karriere

Und doch durchwehen Musik und Geschichte die Aura des matten Abglanzes. Schon mit seinem Wozzeck hatte Gurlitt 1926 mehr als Künstlerpech. Kurz nach Alban Bergs Wurf war er einfach chancenlos. Die Uraufführung seiner Nana hatten die Nazis 1933 verhindert. Als sie dann verspätet 1958 in Dortmund stattfand, wirkte die Musik erst recht überholt. Sie klingt ziemlich gefällig, illustrierend, eher operettenhaft im Opernhabitus, nur ohne den entsprechenden Schmiss.


Foto kommt später

Nana der Star

Das erinnert im besten Falle an den rezitativischen Tonfall von Strauss' Ariadne. Man muss ziemlich lange durchhalten bis zum Auftritt des Priesters, der seinen Bruder aus den Fängen Nanas (eher aber aus seiner Wahnvorstellung von dieser Frau) befreien will und mit origineller Verve losdonnert. Im Ganzen können aber weder das Erfurter Orchester, unter Enrico Calesso, noch die Protagonisten, die sich allesamt für das Stück ins Zeug legen, diese Musik nicht wirklich retten. Hinzu kommt, dass Michael Schulz mit dieser Inszenierung meilenweit vom hintergründigen Theaterwitz seines Weimarer Nibelungenringes entfernt bleibt.


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Wenn die Gläubiger kommen ...

Er lässt zwar Menschen emsig über die Bühne laufen, um die modernen Zeiten zu imaginieren; er macht das dauerpräsente Bett auf Dirk Beckers Bühne zum zentralen Möbel, lässt dann aber bei jeder Gelegenheit grapschen und kopulieren. Schulz enthält zudem der attraktiven und stimmstarken Ilia Papandreou in der Rolle der Nana jene Vielschichtigkeit vor, die ihre behauptete Faszination beglaubigen würde. Sie bleibt letztlich immer das Kind aus der Gosse, das mit dem Aufstieg im Showgeschäft ebenso wenig klarkommt wie mit dem kleinen Glück, das ihr der Leutnant Hugon (Richard Carlucci) auf dessen Landsitz oder der reichen Graf Muffat (Peter Schöne) in der Stadt bieten.


Foto kommt später

Wer diese Frau liebt, lebt gefährlich: Nana und ihr Liebhaber

Am Ende stirbt sie an den Blattern. Schulz versucht durch die herumirrende alte Pomaré der Geschichte eine Fallhöhe hinzufügen, die Nana beständig ihre Zukunft vor Augen führt. Doch trotz Rosemarie Deibels Präsenz rettet auch dieser Kunstgriff die grell betuliche Szene des mit fast drei Stunden überlangen Abends nicht.


FAZIT

Auch wenn es in diesem Fall eine auf die Dauer eher verzichtbare Ausgrabung ist, spricht das nicht gegen die Erfurter Dramaturgie, die in jeder Spielzeit ein unbekanntes Stück riskiert und obendrein mit ihrer regelmäßigen Uraufführung auch noch mit einer Regelmäßigkeit Neuland erkundet, die in der deutschen Opernlandschaft ihresgleichen sucht. Dass dabei auch mal etwas nicht so überzeugt gehört dazu. Es bleibt in jedem Falle ein interessantes Zeitdokument. Und das ist ja auch schon was. Außerdem findet ja vielleicht auch dieser etwas operettige Opernversuch seine Freunde.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Enrico Calesso

Inszenierung
Michael Schulz

Bühne
Dirk Becker

Kostüme
Reneé Listerdal

Chorleitung
Andreas Ketelhut

Dramaturgie
Berthold Warnecke


Chor des Theater Erfurt

Philharmonisches Orchester Erfurt


Solisten


Nana
Ilia Papandreou

Graf Muffat de Bensville
Peter Schöne

Leutnant Philippe Hugon
Richard Carlucci

Gustave, sein Bruder
Vazgen Ghazaryan

Bordenave, Theaterdirektor
Máté Sólyom-Nagy

Fontan, Operettenkomiker/Vulkan
Juri Batukov

Zoe, Kammermädchen
Julia Neumann

Marquis von Chouard
Dario Süß

Madam Tricon/Pomaré
Katharina Walz

Francis/Zeus
Erik Fenton

Autor/Kohlenhändler
Ralph Heiligtag

1. Journalist/1. Herr
Reinhard Becker

2. Journalist/2. Herr
Christoph Dyck

3. Journalist/Exotischer Fürst
Ji-Su Park

Blanche
Franziska Krötenheerdt

Clarisse
Susanne Langbein

Simonne
Stephanie Johnson

Der Junge
Mark Mönchgesang

Krankenschwester/Pomare
Rosemarie Deibel

1. Schauspielerin
Corina Krücken

Polizeioffizier
Jan Rouwen Hendriks



Weitere
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Theater Erfurt
(Homepage)



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