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Der Rosenkavalier

Komödie für Musik
Text von Hugo von Hofmannsthal
Musik von Richard Strauss

In deutscher Sprache mit ungarischen Übertiteln

Premiere in der Staatsoper Budapest am 20. März 2010
(rezensierte Aufführung: 4. April 2010)

Aufführungsdauer: ca. 4 h 30' (zwei Pausen)


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Staatsoper Budapest
(Homepage)
Budapest-Wiener Jugendstil

Von Stefan Schmöe / Fotos von Vera Éder

Der Ort der Handlung könne, das stehe ganz außer Zweifel, nur Wien sein, betont Regisseur Andrejs Žagars im Programmheft zum neuen Budapester Rosenkavalier, und trifft damit einen für Regisseure nicht ganz unproblematischen Punkt: Tatsächlich lebt das Stück vom Lokalkolorit, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil eben dieses Lokalkolorit zum großen Teil eine Erfindung des Librettistn Hugo von Hofmannsthal ist. Die artifizielle Sprache ist ebenso erfunden wie die vermeintlich traditionellen Rituale wie die überreichung der silbernen Rose. Hofmannsthal und Strauss haben eine Kunstwelt geschaffen, die nicht das reale Wien darstellt, aber nur vor dieser Schablone funktioniert. Das schränkt die Möglichkeiten der Regie ein (daran krankte zuletzt auch Stefan Herheims Stuttgarter Rosenkavalier, der trotz allen Theaterzaubers die Geschichte ein wenig aus den Augen verlor – unsere Rezension). In Budapest hat sich Žagars für eine vergleichsweise konventionelle Sichtweise entschieden, verlegt die Geschichte aus dem Rokoko-Kunst-Wien in die Entstehungszeit der Oper, aber Wien immerhin bleibt. Bei einer Koproduktion der Ungarischen und der Slowakischen Staatsoper und einem Werk, das sicher über Jahre im Repertoire verbleiben wird, sind die Grenzen für eine stärker experimentelle Regie wohl ohnehin eng gefasst.

Vergrößerung

Jugendstilsalon in leichter Schieflage: Überreichung der silbernen Rose

Raffiniert ist das Bühnenbild von Julia Müer: Ein Jugendstil-Salon für alle drei Akte, der mehr und mehr aus den Fugen gerät. Im ersten Akt noch ganz traditionell, befindet er sich im zweiten Aufzug als Haus Faninals schon in bedenklicher Schieflage, im dritten Akt ist er komplett auf die Seite gekippt. Das Kleid der Marschallin im Finale greift die Ornamentik der Deckenverglasung auf – da wird die Figur selbst zum Ornament (Kostüme: Kristine Pasternaka) ihrer Zeit. Solche Ansätze werden von der Regie allerdings nicht weiter aufgegriffen; die konzentriert sich darauf, die Geschichte psychologisch plausibel und mit genauer Personenzeichnung nachzuerzählen, ohne sie darüber hinaus auszudeuten. Das gelingt außerordentlich gut, weil die Sänger sehr gut ausgewählt sind: Eine junge Besetzung, die szenisch wie musikalisch glaubwürdig macht, was sich Strauss und Hofmannsthal vorgestellt haben.

Vergrößerung Octavian (hier: Victória Mester) und Sophie (hier: Júlia Hajnóczy)

Lars Woldt als jugendlicher, sehr kraftvoller Ochs hat zuletzt auch in Herheims Stuttgarter Inszenierung diese Partie gestaltet. Er macht mit seiner Präsenz deutlich, warum das Stück beinahe den Titel „Ochs Auf Lerchenau“ geheißen hätte. Die Stimme ist schlank und klar geführt, behauptet sich aber mühelos gegen den vollen Orchesterklang. Woldt hat viel Sinn für Komik, zeichnet die Figur fast slapstickhaft (manchmal dürfte das eine Spur sparsamer eingesetzt werden), ist dabei ein gar nicht unsympathischer Ochs. Eszter Sümegi singt und spielt eine attraktive, jung gebliebene Marschallin, die plausibel macht, warum ihr ein Siebzehnjähriger wie Octavian verfallen kann. Die lyrische Stimme blüht in der hohen Lage auf (das tiefe Register bleibt etwas blasser), die Partie ist sehr nuanciert gestaltet (ohne dass die Abgründe dahinter vollends ausgelotet wären). Sehr schön ist die Abstufung der drei Frauenpartien: Der jugendliche Octavian von Andrea Meláth hat ein leicht metallisches, dadurch „männliches“ Timbre, die mädchenhaft-zarte Sophie (Rita Rácz) steuert einen sehr leichten Sopran bei.

Vergrößerung

Vom Rosenkavalier geschlagen: Ochs (Lars Woldt), 2. Akt

Péter Kálmán singt einen akkuraten, im Klang etwas flachen Faninal. Mária Temesi ist eine Marianne mit großer, voller Stimme. Das Intrigantenpaar Valzacchi (Zsolt Derecski) und Annina (Jolán Sánta) ist akzeptabel besetzt, ganz hervorragend der italienische Sänger (Attila Fekete) mit prachtvoll strahlender Stimme.Die kleineren Partien dagegen sind sängerisch ein wenig unter Wert besetzt,allerdings durchweg gut gespielt – bleibt zu hoffen, dass diese szenische Genauigkeit, durch die sich die Inszenierung auszeichnet, auch im Repertoirebetrieb beibehalten werden kann. Die Budapester Staatsoper hat jede Rolle doppelt besetzt, wobei es offenbar gelungen ist – zumindest nach den Fotos zu urteilen – in Typus und äußerer Erscheinung jeweils sehr ähnliche Besetzungen zu finden.

Vergrößerung Langsam versteht er, dass die Sach' ein Ende hat: Ochs (Lars Woldt) zwischen Octavian (Viktória Mester, l.) und der Marschallin (Eszter Sümegi)

An diesem Abend dirigiert István Dénes (der dem deutschen Publikum aus seiner Zeit als Kapellmeister in Bremen und Generalmusikdirektor in Trier bekannt ist). Insgesamt leitet er den Abend umsichtig, lässt vieles recht frei laufen (das Orchester der Staatsoper ist offenbar bestens einstudiert), ein paar Wackler mit der Bühne sind bei diesem nicht eben leichten Stück verzeihlich. Hier und da wäre etwas mehr Flexibilität im Tempo wünschenswert, ein mehr der Gesangslinie und dem Text angepasstes Dirigat, und oft ist das Orchester recht laut und schränkt die Sänger dadurch in ihren Gestaltungsmöglichkeiten ein. Trotzdem ist das alles in allem solide und zielstrebig auf den rauschenden Schluss hin dirigiert.


FAZIT
Neu erfunden wird der Rosenkavalier hier nicht, aber eine konzentrierte, atmosphärisch dichte und stimmige Inszenierung ist Andreis Žagars allemal gelungen, die sich musikalisch auf sehr gutem Niveau bewegt.


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Produktionsteam


Musikalische Leitung
István Dénes

Inszenierung
Andrejs Žagars

Bühne
Julia Müer

Kostüme
Kristine Pasternaka

Licht
Kevin Wyn-Jones

Chor
Máté Szabó Sipos

Kinderchor
Gyöngyvér Gupcsó

Dramaturgie
Jochen Breiholz



Kinderchor, Chor und Orchester der
Staatsoper Budapest


Solisten

Die Feldmarschallin
Eszter Sümegi

Der Baron Ochs auf Lerchenau
Lars Woldt

Octavian
Andrea Meláth

Herr von Faninal
Péter Kálmán

Sophie
Rita Rácz

Jungfer Marianne Leitmetzerin
Mária Temesi

Valzacchi
Zsolt Derecskei

Annina
Jolán Sánta

Polizeikommissar
Sándor Egri

Der Haushofmeister
bei der Feldmarschallin
László Beöthy-Kiss

Der Haushofmeister bei Faninal
Sándor Kecskés

Ein Wirt
Péter Kiss

Ein Notar
Kázmér Sárkány

Ein Sänger
Attila Fekete

Eine Modistin
Irma Kovács

Drei adelige Weisen
Katalin Töreki
Katalin Réder
Szilvia Szönyi

Ein Hausknecht
Antal Bakó

Vier Lakaien der Marschallin
Gábor Csiki
Imre Ambrus
Géza Zsigmond
Péter Balázs

Vier Kellner
Dániel Roska
Gábor Molnár
Péter Illés
Zoltán G. Toth



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Staatsoper Budapest
(Homepage)



Da capo al Fine

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