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Musiktheater
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Carmen

Oper in drei Akten
Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
nach der Novelle von Prosper Mérimée
Musik von Georges Bizet

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln und gesprochenen deutschen Dialogen in der Fassung von Tatjana Gürbaca

Aufführungsdauer: ca. 3 h (eine Pause)

Premiere am 10. Mai 2009 im Opernhaus Leipzig


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Oper Leipzig
(Homepage)
Frau Carmen im Plattenbau

Von Joachim Lange / Fotos von Andreas Birkigt


Es ist ein seltsamer Autobahn-Grenzübergang: mit nur einer Spur für PKW, aber drei für Busse - und zwei für LKW. Davor gibt es einen Spielplatz mit Rutsche. Der hat aber in Tatjana Gürbacas neuer Leipziger Carmen nichts niedliches, sondern ist ein Umschlagplatz für Kinderhandel. Vermutlich irgendwo im europäischen Osten. Doch allein deswegen wurde dieses Bühnenbild von Klaus Grünberg selbst noch in der zweiten Vorstellung aber wohl nicht mit Buhrufen quittiert. Eher schon, weil die in Berlin geborene und dort auch (u.a. von Peter Konwitschny) ausgebildete Regisseurin Bizets unverwüstlichen, ach so spanischen Eifersuchts-Thriller aus dem Jahre 1875 ästhetisch vom einen an das andere Ende Europas und inhaltlich irgendwie in die Gegenwart verlegt hat.


Vergrößerung in neuem Fenster Auf dem Spielplatz

Wie in der ursprünglichen Version gibt es in Leipzig gesprochene, von Gürbaca aber neu geschriebene Texte zwischen dem französischen Gesang. Weil sie von den Sängern jeweils in Standmikrophone gesprochen werden, versteht man sie zwar ebenso gut wie ihre aktualisierende Absicht. Doch schaffen sie auch eine aufgebrochene Atmosphäre, die der Suggestionskraft des musikalischen Feuerwerks aus dem Graben und der gesungenen Hits immer wieder in die Quere kommt. Überhaupt hat die Regie zwar durchaus bewegende Momente, findet aber keinen eigenen, wirklich überzeugenden ästhetischen Sound für ihre Geschichte. Es gibt hier einfach zu viele „Achtung: Nachdenken!“-Hinweise auf dem Weg bis zum finalen Mord.


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Die erste Begegnung von Carmen und dem von seinen Kameraden schikanierten José findet in der Kaserne statt, die die Frauen wegen einer Sammelaktion für Straßenkinder besuchen. Feldbetten und ein Panzerbild im Hintergrund, die Truppe halb im Unterhemd und eine Carmen in Hotpants, die zur Habanera die Jungs allesamt zu ihren Füßen zum Scheuerlappen greifen lässt. In der Spelunke von Lillas Pastia gibt's dann eine kleine Bühne mit blinkenden Sternen und ein paar Pseudo-Rotlichttanznummern. Wenn José den Leutnant ersticht und die Freiheit des Schmugglerlebens gepriesen wird, ist das für ihn wie ein Alptraum. Plötzlich haben alle lange Pinocchio-Lügenasen und auch der gerade Erstochene lacht ihm provozierend ins Gesicht.


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So einleuchtend das noch sein mag, verliert sich die Deutung an der Grenze, wo der Kinderschmuggel unter ziemlichem Massengetümmel, in dem José dann auch noch Micaela (mit inniger Klarheit: Aninhoa Garmendia) ersticht, abgewickelt wird. Im letzten Akt schließlich sieht man eine züchtige Frau Carmen in einer Plattenbauwohnung, beim Stricken und einer Tasse Kaffee, während ihr Mann die Zeitung liest, bevor er sich sein frisch gereinigtes Torerokostüm schnappt. So unplausibel ist freilich kaum einer seiner Vorgänger im Amt je in den Kampf gezogen. In der Schlussszene landet das große Eifersuchtsdrama par excellence schließlich als stinknormale Vorstadtdrama–Vorlage für eine Meldung im Vermischten. Der eifersüchtige, verlassene Mann mit leichtem Psychoschaden ersticht seine Ex und behält sie noch eine Weile im Arm….

Musikalisch ist diese Carmen weitaus überzeugender. Antonello Allemandi fängt mit einem rekordverdächtigen Tempo an, findet dann aber mit dem Gewandhausorchester zu einer packenden Spannung, vermag alle Hits aus dem szenischen Halbdunkel zumindest ins rechte musikalische Licht zu setzen. Ekatarina Semenchuk ist eine dunkel leuchtende, im Ganzen kraftvoll respektable Carmen. Der José von Jean-Pierre Furlan besticht mit einer mustergültigen Strahlkraft, die sich vor allem im kultivierten Forte frei entfaltet. Das kann sich als Besetzungsalternative zum langjährigen Startenor Neil Shicoff, den sich die Oper Leipzig für fünf Aufführungen leistet, durchaus hören lassen. Der etwas fahle Escamillo von Toumas Pursio wurde ausgeglichen durch Anett Fritsch, die die Carmenfreundin Frasquita zum Hingucker und Hinhörer aufwertete. Und nicht zuletzt vom übrigen Ensemble und vom Chor.


FAZIT

Musikalisch ist diese Produktion hörenswert. Die Inszenierung jedoch steht sich durch ihre Überambitoniertheit oft selbst im Weg.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Antonello Allemandi

Regie
Tatjana Gürbaca

Bühne und Licht
Klaus Grünberg

Bühne und Kostüme
Silke Willrett

Choreinstudierung
Sören Eckhoff

Einstudierung Kinderchor
Sophie Bauer



Chor und Kinderchor
der Oper Leipzig

Gewandhausorchester Leipzig



Solisten

Carmen
Ekaterina Semenchuk

Don José
Jean-Pierre Furlan

Escamillo
Tuomas Pursio

Michaela
Ainhoa Garmendia

Frasquita
Anett Fritsch

Mercédès
Claudia Huckle

Remendado
Dan Karlström

Dancairo
Jürgen Kurth

Zuniga
Roman Astakhov

Morales
Andreas David

Lillas Pasti
Thomas Dehler



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Oper Leipzig
(Homepage)



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