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Musiktheater
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Die Walküre
Erster Tag des Bühnenfestspiels
„Der Ring des Nibelungen“
von Richard Wagner

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Aufführungsdauer: ca. 5 Stunden (zwei Pausen)

Premiere am 19. Oktober 2008
Besuchte (5.) Vorstellung: 9. November 2008

Logo: Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper
(Homepage)

Das Wotan-Stück

Von Christoph Wurzel / Fotos von Monika Rittershaus

Die Kritiken der Premiere waren zumeist wenig schmeichelhaft. Vor allem auf der musikalischen Seite wurden Unsicherheiten und Unfertigkeiten attestiert. Und siehe da - ein Opernhaus kann lernen! Es wurde offensichtlich noch geprobt und gefeilt - und die Philharmoniker unter Simone Young legten (in der besuchten 5. Aufführung) eine gereifte, glänzende „Walküre“ hin, präzise im Kleinteiligen, zugleich mit weitem Schwung und in einem großen dramatischen Atem. Einzig in der Liebesszene im 1. Akt („Winterstürme“) knickte die musikalische Spannung ein wenig ein. Besonders packend aber waren die Zwischenspiele. Der Walkürenritt gelang federnd, fast swingend. Beeindruckend der Schluss mit dem Feuerzauber. Viel wurde also wieder gut gemacht nach den kräftigen Buhs zur Premiere. Simone Youngs Wagner-Zugriff erwies sich über weite Strecken als wahrhaft atemberaubend.

Aber auch die Inszenierung soll hier gegen ihre Kritiker verteidigt werden. Mit einigem Understatement hatte Claus Guth im Vorfeld jeden Anspruch auf eine Konzeptinszenierung aus einem Guss von sich gewiesen, der Chéreausche Ring sei ohnehin der bisher Letztgültige. Seinen Inszenierungsansatz bezeichnete er als fragmentarisch. Man wird erst nach Abschluss der Tetralogie sehen können, wie dies zu beurteilen ist. Die „Walküre“ als einzelner Teil daraus aber ist in überaus stimmige und überzeugende Bilder übersetzt worden. Abgesehen von einigen wenigen Entbehrlichkeiten (etwa pantomimische Verdoppelungen der Zwillingsgeschwister als Kinder oder die Sargträger bei der Todesverkündigung) hat Claus Guth eine überaus klare und erhellende Bildsprache gefunden. Die prägnante Personenregie führt das szenische Geschehen aus dem Blickwinkel einer focussierten Kommunikation beeindruckend auf seinen psychologischen Kern zurück. Was etwa in den Dialogen Wotan- Fricka oder Brünnhilde – Wotan an unausgesprochenen Signalen zwischen den Figuren hin- und her geht, ist genauestens ausgefeilt.

Foto kommt später Akteure in Wotans „Truman-Show“: Mikhail Petrenko (Hunding),
Stuart Skelton (Siegmund), Yvonne Naef (Sieglinde)

Es ist Wotans Welt, in der die gesamte Handlung spielt und es sind Wotans Geschöpfe, die als nur scheinbar selbstbestimmt Handelnde auftreten. Am Anfang knipst Wotan das Geschehen mit einem Fingerschnipp an und am Bühnenrand leuchtet die Studiolampe rot auf: das Experiment geht auf Sendung. Als derart determinierte Wesen bewegen sich Sieglinde, Siegmund und Hunding auf einer kleinen, weißen Fläche, ihrem Lebens-Spielfeld, wie aufgezogene Puppen in eingeschränkter Gestik. Die Bühne ist so sparsam möbliert, wie die Aktionen begrenzt sind. Wie in einem mechanischen Theater bewegen sich die Wände und Türen. Nur an wenigen Stellen scheinen die Figuren eigenes Leben zu entfalten wie beim Wiedererkennen der Geschwister oder im Moment des Verliebens. Stuart Skelton ist ein stimmlich strahlender Siegmund. Er verfügt über die selten gewordene Gabe des fein gebundenen Wagnergesangs, ohne das heldische Element nicht auch zum Leuchten bringen zu können. Yvonne Naef als Sieglinde kann besonders durch gesangliche Innigkeit überzeugen. Mikhail Petrenko stellt einen ausnehmend jugendlichen Hunding dar. Seine Stimme kann durchdringen, es fehlt ihr aber ein wenig die Schwärze und Härte für die Bosheit dieser Figur.

Im 2. Akt sieht man dann Wotans Weltentwurf als große Scheibe an der Wand seines Büros hängen: Hundings Hütte scharf an einem Abgrund, dahinter etwas Wald, der Rest ist noch mit einer Plane abgedeckt; Raum für Phantasie und spätere Enthüllungen. Hier stehen auch die verkleinert konkreten Modelle von Wotans Machtplänen mit den dazu gehörigen Figuren darinnen. Fricka wird aus Protest gegen Wotans Kreaturen später Siegmunds Figurine zwischen ihren Fingern zerquetschen. Ihrem selbstbewussten Eigensinn ist der kalte Zynismus Wotans kaum gewachsen. Falk Struckmann spielt dessen tragischen Spagat zwischen Machtanspruch und Scheitern mit großer Präsenz höchst eindrücklich heraus. Auch stimmlich ist er die beherrschende Gestalt dieses Abends, ein großer Sängerdarsteller mit enorm wandlungsfähiger Stimme und mächtiger Ausstrahlung. Ihm ist es zu danken, dass die „Walküre“ auch wesentlich ein Wotan-Stück geworden ist. Jeanne Piland spielt seine Gattin eindrücklich und konsequent als seinen Gegenpol, stimmlich dringt sie allerdings an zu vielen Stellen nicht durch und lässt sich vom Orchester überdecken.

Foto kommt später

Der Weltentwurf und sein scheiternder Schöpfer:
Falk Struckmann (Wotan) und Jeanne Piland (Fricka)

Als dann Brünnhilde auftritt, wandelt sich Wotan zum liebenden Vater. Ihrem Dialog hat der Regisseur viel Aufmerksamkeit gewidmet und er entwickelt sich als seelischer Austausch zwischen Vater und Tochter, der sich im Schlussbild dann zu höchster Intensität steigert, wie sie ergreifender kaum sein kann. Als Brünnhilde entwickelt Deborah Polaski nicht allein ein packendes darstellerisches Portrait dieser Rolle, sondern kann auch, trotz leichten Druckes in extremen Höhen, die Stimme so flexibel einsetzen, dass diese Rollengestaltung auch gesanglich starke Ausdruckskraft und Beseeltheit gewinnt. Die Todesverkündigung gestaltet sie zu einem musikalischen Höhepunkt des Abends.

Foto kommt später Hospitalisiert im Bunker: die Walküren sowie
Deborah Polaski (Brünnhilde) und Yvonne Naef (Sieglinde)

Der dritte Akt spielt in einem heruntergekommenen Gebäude, in dessen unzugänglichem Tiefgeschoss die Walküren anscheinend wie Gefangene gehalten werden. Wild toben sie beim Walkürenritt umher, vor dem erscheinenden Wotan stieben sie in Panik auseinander. Diese Szene ist meisterhaft choreografiert und die acht Sängerinnen geben ein Musterbeispiel für exakten Ensemblegesang ab.
Anrührend dann, wie Brünnhilde sich in diesem kargen Ambiente zur Ruhe bettet, Wotan liebevoll ihre Schuhe zusammenstellt und von der geliebten Tochter Abschied nimmt. Der Feuerzauber allerdings entfaltet nur musikalisch seine magische Wirkung, optisch fällt das Flackern der Flämmchen am Bühnenboden doch ein wenig zu klein aus.
Das schmälert aber den insgesamt großen Eindruck dieser Szene nicht.


FAZIT

Mit nur wenigen Abstrichen mit Fug und Recht ein beeindruckender Wagner-Abend!



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Simone Young

Inszenierung
Claus Guth

Bühnenbild und Kostüme
Christian Schmidt

Licht
Michael Bauer

Dramaturgie
Hella Bartnig



Hamburger Philharmoniker


Solisten

Wotan
Falk Struckmann

Fricka
Jeanne Piland

Siegmund
Stuart Skelton

Sieglinde
Yvonne Naef

Hunding
Mikhail Petrenko

Brünnhilde
Deborah Polaski
(für die erkrankte Lisa Gasteen)

Helmwige
Miriam Gordon-Steward

Gerhilde
Hellen Kwon

Ortlinde
Gabriele Rossmanith

Waltraute
Maria-Cristina Damian

Siegrune
Katja Pieweck

Rossweiße
Renate Spingler

Grimgerde
Ann-Beth Solvang

Schwertleite
Deborah Humble


Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Hamburgischen Staatsoper
(Homepage)





Da capo al Fine

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