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Das Wotan-StückVon Christoph Wurzel / Fotos von Monika RittershausDie Kritiken der Premiere waren zumeist wenig schmeichelhaft. Vor allem auf der musikalischen Seite wurden Unsicherheiten und Unfertigkeiten attestiert. Und siehe da - ein Opernhaus kann lernen! Es wurde offensichtlich noch geprobt und gefeilt - und die Philharmoniker unter Simone Young legten (in der besuchten 5. Aufführung) eine gereifte, glänzende Walküre hin, präzise im Kleinteiligen, zugleich mit weitem Schwung und in einem großen dramatischen Atem. Einzig in der Liebesszene im 1. Akt (Winterstürme) knickte die musikalische Spannung ein wenig ein. Besonders packend aber waren die Zwischenspiele. Der Walkürenritt gelang federnd, fast swingend. Beeindruckend der Schluss mit dem Feuerzauber. Viel wurde also wieder gut gemacht nach den kräftigen Buhs zur Premiere. Simone Youngs Wagner-Zugriff erwies sich über weite Strecken als wahrhaft atemberaubend. Aber auch die Inszenierung soll hier gegen ihre Kritiker verteidigt werden. Mit einigem Understatement hatte Claus Guth im Vorfeld jeden Anspruch auf eine Konzeptinszenierung aus einem Guss von sich gewiesen, der Chéreausche Ring sei ohnehin der bisher Letztgültige. Seinen Inszenierungsansatz bezeichnete er als fragmentarisch. Man wird erst nach Abschluss der Tetralogie sehen können, wie dies zu beurteilen ist. Die Walküre als einzelner Teil daraus aber ist in überaus stimmige und überzeugende Bilder übersetzt worden. Abgesehen von einigen wenigen Entbehrlichkeiten (etwa pantomimische Verdoppelungen der Zwillingsgeschwister als Kinder oder die Sargträger bei der Todesverkündigung) hat Claus Guth eine überaus klare und erhellende Bildsprache gefunden. Die prägnante Personenregie führt das szenische Geschehen aus dem Blickwinkel einer focussierten Kommunikation beeindruckend auf seinen psychologischen Kern zurück. Was etwa in den Dialogen Wotan- Fricka oder Brünnhilde Wotan an unausgesprochenen Signalen zwischen den Figuren hin- und her geht, ist genauestens ausgefeilt.
Akteure in Wotans Truman-Show: Mikhail Petrenko (Hunding), Stuart Skelton (Siegmund), Yvonne Naef (Sieglinde) Es ist Wotans Welt, in der die gesamte Handlung spielt und es sind Wotans Geschöpfe, die als nur scheinbar selbstbestimmt Handelnde auftreten. Am Anfang knipst Wotan das Geschehen mit einem Fingerschnipp an und am Bühnenrand leuchtet die Studiolampe rot auf: das Experiment geht auf Sendung. Als derart determinierte Wesen bewegen sich Sieglinde, Siegmund und Hunding auf einer kleinen, weißen Fläche, ihrem Lebens-Spielfeld, wie aufgezogene Puppen in eingeschränkter Gestik. Die Bühne ist so sparsam möbliert, wie die Aktionen begrenzt sind. Wie in einem mechanischen Theater bewegen sich die Wände und Türen. Nur an wenigen Stellen scheinen die Figuren eigenes Leben zu entfalten wie beim Wiedererkennen der Geschwister oder im Moment des Verliebens. Stuart Skelton ist ein stimmlich strahlender Siegmund. Er verfügt über die selten gewordene Gabe des fein gebundenen Wagnergesangs, ohne das heldische Element nicht auch zum Leuchten bringen zu können. Yvonne Naef als Sieglinde kann besonders durch gesangliche Innigkeit überzeugen. Mikhail Petrenko stellt einen ausnehmend jugendlichen Hunding dar. Seine Stimme kann durchdringen, es fehlt ihr aber ein wenig die Schwärze und Härte für die Bosheit dieser Figur. Im 2. Akt sieht man dann Wotans Weltentwurf als große Scheibe an der Wand seines Büros hängen: Hundings Hütte scharf an einem Abgrund, dahinter etwas Wald, der Rest ist noch mit einer Plane abgedeckt; Raum für Phantasie und spätere Enthüllungen. Hier stehen auch die verkleinert konkreten Modelle von Wotans Machtplänen mit den dazu gehörigen Figuren darinnen. Fricka wird aus Protest gegen Wotans Kreaturen später Siegmunds Figurine zwischen ihren Fingern zerquetschen. Ihrem selbstbewussten Eigensinn ist der kalte Zynismus Wotans kaum gewachsen. Falk Struckmann spielt dessen tragischen Spagat zwischen Machtanspruch und Scheitern mit großer Präsenz höchst eindrücklich heraus. Auch stimmlich ist er die beherrschende Gestalt dieses Abends, ein großer Sängerdarsteller mit enorm wandlungsfähiger Stimme und mächtiger Ausstrahlung. Ihm ist es zu danken, dass die Walküre auch wesentlich ein Wotan-Stück geworden ist. Jeanne Piland spielt seine Gattin eindrücklich und konsequent als seinen Gegenpol, stimmlich dringt sie allerdings an zu vielen Stellen nicht durch und lässt sich vom Orchester überdecken.
Der Weltentwurf und sein scheiternder Schöpfer: Als dann Brünnhilde auftritt, wandelt sich Wotan zum liebenden Vater. Ihrem Dialog hat der Regisseur viel Aufmerksamkeit gewidmet und er entwickelt sich als seelischer Austausch zwischen Vater und Tochter, der sich im Schlussbild dann zu höchster Intensität steigert, wie sie ergreifender kaum sein kann. Als Brünnhilde entwickelt Deborah Polaski nicht allein ein packendes darstellerisches Portrait dieser Rolle, sondern kann auch, trotz leichten Druckes in extremen Höhen, die Stimme so flexibel einsetzen, dass diese Rollengestaltung auch gesanglich starke Ausdruckskraft und Beseeltheit gewinnt. Die Todesverkündigung gestaltet sie zu einem musikalischen Höhepunkt des Abends.
Hospitalisiert im Bunker: die Walküren sowie Deborah Polaski (Brünnhilde) und Yvonne Naef (Sieglinde)
Der dritte Akt spielt in einem heruntergekommenen Gebäude, in dessen unzugänglichem Tiefgeschoss die Walküren anscheinend wie Gefangene gehalten werden. Wild toben sie beim Walkürenritt umher, vor dem erscheinenden Wotan stieben sie in Panik auseinander. Diese Szene ist meisterhaft choreografiert und die acht Sängerinnen geben ein Musterbeispiel für exakten Ensemblegesang ab.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild und Kostüme
Licht
Dramaturgie
Solisten
Wotan
Fricka
Siegmund
Sieglinde
Hunding
Brünnhilde
(für die erkrankte Lisa Gasteen)
Helmwige
Gerhilde
Ortlinde
Waltraute
Siegrune
Rossweiße
Grimgerde
Schwertleite
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- Fine -