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Musiktheater
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Don Carlos

Opera in vier Akten von Giuseppe Verdi
Libretto von Joseph Méry und Camille Du Locle
Italienische Textfassung von Achille de Lauzières und Angelo Zanardini


in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 30' (eine Pause)
Premiere im Opernhaus Halle am 24. Januar 2009


Opernhaus Halle

Verbotene Liebe

Von Joachim Lange / Fotos von Gert Kiermeyer


Vergrößerung Der König verbeugt sich vor dem Großinquisitor (Riccardo Ferrari und Jürgen Trekel)

In dieser neuen „Don Carlo“ – Produktion in Halle sind die Mächtigen nicht in einem goldenen Käfig der Macht gefangen, sondern vor allem in einem beklemmenden Spiegellabyrinth ihrer Ängste und Obsessionen. Verbotene Liebe allenthalben: Tödlich endet die des Thronfolgers zur Frau seines Vaters. Gefährlich ist die der Fürstin zum Prinzen. Groß die des Marquis Posa zur rebellierenden Provinz. Auf der Drehbühne sieht man Türen, Gänge, Spiegel und kaltes Licht. Überall.

Ist schon am Anfang nicht ganz klar, aus welcher Welt die Stimme Karls V. herüber dröhnt, so scheint sie am Ende eine pure Halluzination Don Carlos zu sein. Der bleibt allein mit dem Rücken an der Wand in jenem Kabinett zurück, an deren Wände er „Hilfe“ gesprayt und in der er am Ende wie ein Irrer nur noch im Kreis gelaufen war. Wenn der Großinquisitor und der König mit ihren Leuten auftauchen, dann erreichen sie ihn schon gar nicht mehr. Elisabeth, mit der er sich eben noch geradezu kindlich verspielt die lichte Zukunft Flanderns ausgemalt hatte, war einfach abgegangen, aus der Geschichte sozusagen ausgestiegen. Der Rest ist Wahnsinn.

Vergrößerung

Die Königin in Sorge (Romelia Lichtenstein als Elisabetta)

Oder bleibt es. Denn dieses Spanien hat kafkaeske Züge. Hier herrscht ein scheinheiliger Tugendterror. Hier machen die smarten Garden des Königs mit ihrem schwarzen Kreuz auf der Brust und ihren Masken, zumindest bei der „Arbeit“, kurzen Prozess. Sie versuchen dann das Blut von den Wänden wieder abzuwaschen, das sie selbst aus ihren Opfern herausgeschlagen haben. Doch auch die Handlanger dieses kafkaesken Tugendstaates treiben es selbst umso enthemmter, wenn sie sich unbeobachtet glauben. Bei der verhängnisvollen Begegnung zwischen Don Carlo und Fürstin Eboli, die sie irrtümlich für ein Stelldichein hält, läuft in diesem imaginären Garten der Lüste eine handfeste Orgie im Hintergrund.


Vergrößerung Geheimnisvolle Fürstin Fürstin Eboli (Ulrike Schneider)

Frank Hilbrich spitzt in seiner Lesart manches zu, bietet damit durchweg einen spannenden Thriller, übertreibt aber auch gelegentlich. Mit einer präfaschistischen Brutalität, die die Hofdame der Königin nicht nur nach Frankreich verbannt, sondern gleich in den Tod schickt. Oder wenn das große Duett zwischen dem König und Rodrigo mit einschüchternden Scheinwerfern beginnt. Oder auch wenn der meist im Pelzmantel herumlaufende Don Carlo als Ausdruck seiner Verzweiflung mit Vorliebe mit dem Kopf gegen die Wand rennt. Bei Philipps (mit solider Weite: Riccardo Ferrari) anfänglich ebenso wie dann bei dessen Trauer beim „Sie hat mich nie geliebt.“ Was schon pur anrührt, zeigt den König hier nicht nur in Unterhosen, sondern auch noch mit einem auf die Brust gesprayten Kreuz und dann obendrein auch noch mit den toten blutverschmierten Opfern in den Gängen. Andererseits bleibt ausgerechnet der Marquis Posa seltsam blass. Gerd Vogel verliert zwischen verspielt elegantem Beau und Höfling dabei den Weltverbesserer fast aus dem Auge und kann das auch nicht mit stimmlichem Charisma ausgleichen.

Vergrößerung

Der Infant am Boden (Bülent Külekci)

Bülent Külekci kommt als Prinz auf Touren, spielt aber mit großer Geste gleich noch den Verditenor mit. Tadellos und mit ihrer Pianokultur ebenso wie mit ihrer Leidenschaft gleichermaßen überzeugend dagegen die Elisabetta von Romelia Lichtenstein. Zum voll durchgestalteten und stimmlichen Ereignis der Produktion freilich wird die Fürstin Eboli von Ulrike Schneider. Sie macht schon das Schleierlied zu einem Kabinettstück über das Brodeln des unterdrückten Eros, bei dem nicht nur ihren Hofdamen heiß wird in ihren strengen Kleidern. Doch ihr zweiter großer Auftritt mit der Königin und ihr verzweifelter Entschluss zur aufrührerischen Tat ist der der atemberaubende Höhepunkt des Abends!. Imponierend ist Jürgen Trekels Inquisitor und auch sonst wurde mit Sorgfalt besetzt und gearbeitet.

Diese Ernsthaftigkeit und Sorgfalt geht zum einem guten Teil auf das Konto des neuen GMD der Staatskapelle Halle Karl-Heinz Steffens. Der ist seit Jahresanfang zugleich auch der künstlerische Leiter des Opernhauses, das unter dem Dach einer neu etablierten Kultur GmbH, die das Musiktheater mit dem Schauspiel und dem Kinder- und Jugend wieder vereint, auf einen Intendanten verzichtet. Nach einer Don Giovanni Neuproduktion ist der Verdi jetzt die zweite Opernproduktion als Chefsache im Graben. Das Premierenpublikum bejubelte (von einigen Bläsernervositäten abgesehen) auch eine inspirierte, auf die Bühne abgestimmte musiktheatralische Leistung des Orchester.


FAZIT

Der neue Don Carlo in Halle bietet Alles in Allem ein spannendes Stück Musiktheater auf hohem musikalischem Niveau.




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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Karl-Heinz Steffens

Inszenierung
Frank Hilbrich

Bühnenbild
Volker Thiele

Kostüme
Henrike Bromber

Choreinstudierung
Jens Petereit
(Extrachor: Tobias Horschke)



Chor und Extrachor
des Opernhauses Halle

Statisterie des Opernhauses Halle

Staatskapelle Halle


Solisten

Philipp
Riccardo Ferrari

Posa
Gerd Vogel

Don Carlos
Bülent Külekci

Ein Mönch (Karl V.)
Ki-Hyun Park

Elisabetta
Romelia Lichtenstein

Prinzessin Eboli
Ulrike Schneider

Großinquisitor
Jürgen Trekel

Tebaldo
Mona Deibele

Lerma
Wojtek Alicca

Ein Herold
Wojtek Alicca

Stimme vom Himmel
Mona Deibele /
Myrsini Margariti


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Opernhaus Halle
(Homepage)




Da capo al Fine

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