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Musiktheater
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La Cage aux Folles
(Ein Käfig voller Narren)


Musical in zwei Akten
Musik und Gesangstexte von Jerry Herman
Buch von Harvey Fierstein
nach dem Stück La cage aux folles von Jean Poiret
Deutsch von Erika Gesell und Christian Severin
eingerichtet für diese Inszenierung von Peter Hailer und Wolfgang Willaschek


in deutscher Sprache, Songs teilweise in englischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Premiere am 22. November 2008
im Großen Haus des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen


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Musiktheater im Revier
(Homepage)

Mitreißende Travestie-Show mit integriertem Rührstück

Von Stefan Schmöe / Fotos von Pedro Malinowski


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Die Show beginnt

„Der Mensch ist als Narr geboren“, heißt es am Ende von Verdis Falstaff, und dabei beruft der altersweise Komponist sich auf Theater-Großmeister William Shakespeare. Insofern steht Jean Poirets 1973 uraufgeführte Boulevard-Komödie La Cage aux folles (Ein Käfig voller ´Narren) in ehrenwerter Tradition. Innerhalb der Handlung ist La Cage aux folles der Name einer Travestie-Show, aber Narren sind die Tänzer und Sänger nicht nur auf der Bühne, sondern auch im „richtigen“ Leben dahinter. Und weil jeder ein Narr ist, möge man diese schrägen Vögel bitte in ihrer Eigen-Art ernst nehmen: „I am, what I am“ heißt die große und nicht unpathetische Botschaft in Jerry Hermans Vertonung für den Broadway von 1983.

Vergrößerung in neuem Fenster Beziehungsprobleme: Georges (Joachim G. Maaß, l.) und Albin (William Saetre)

Ein Musical konsequent im Schwulen- und Transvestitenmilieu, das hatte vor 20 Jahren noch eine andere Brisanz als heute, wo das vergleichsweise zögerliche Outing von „I am, what I am“ bis hin auf dem politischem Parkett zu einem selbstbewussten „ich bin schwul, und das ist gut so“ geworden ist. Ein Mann in Frauenkleidern auf der Bühne ruft auch nicht mehr automatisch schallendes Gelächter hervor. Das genau ist das Problem der Gelsenkirchener Neuinszenierung von Peter Hailer: So ganz genau ist nicht klar, wann gelacht werden soll und wann nicht. Ist das nun frivol-subversive Unterhaltung oder politisch korrekte Botschaft? Da müssen Albin, Transvestit und als „Zaza“ Star der Show, und Georges, bekennender „normaler Homosexueller“ und Eigentümer der „Cage aux Folles“, für ein paar Stunden ihr gemeinsames Leben als schwules Pärchen verleugnen, weil Georges' Sohn Jean Michel (Ergebnis der einzigen Mini-Affäre, die Georges je mit einer Frau hatte) die Tochter eines Politikers heiraten möchte, der einen politischen Feldzug gegen alles Homosexuelle führt. Natürlich geht das schief (und natürlich gibt es ein happy end). Das könnte sehr komisch sein (und in manchen Szenen ist es das auch in dieser Aufführung) – aber letztendlich wird in Gelsenkirchen daraus ein sentimentales Rührstück.

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Vergeblicher Versuch, die Spießeridylle vorzutäuschen: Links Familie Dindon, rechts Georges und Sohn Jean Michel. Es bedient Butler Jacob.

Die heikle Stelle ist die Partie des Albin, der als Transvestit die Frauen- und Mutterrolle übernommen hat, darin aber zunächst nicht akzeptiert (später aber rehabilitiert) wird. Trotz des engagierten Spiels und ordentlichen Gesangs von William Saetre gerät die Figur arg weinerlich, findet in der Regie von Peter Hailer nicht die schwierige Balance zwischen Komik und Tragik. Da dürfte die Regie ruhig um einiges frecher sein, die Figur mit mehr erkennbarer Selbstironie dargestellt werden. Einfacher hat es da Joachim G. Maaß als Georges, der seinen Part als Conferencier konventionell, aber solide meistert. Sehr blass bleiben die anderen Akteure, sei es das unscheinbare Liebespärchen Jean Michel (Piotr Prochera im Christus-Look) und Anne (Elisabeth Karner mit hübscher Figur, aber ohne Personenregie), oder Annes Mutter Marie (Sabina Detmer mit Fistelstimme) – allein der sächselnde Vater Edouard (Wolf-Rüdiger Klimm) gewinnt etwas mehr Profil. So bleibt die Geschichte doch reichlich dünn und klischeebehaftet. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Dialoge elektronisch verstärkt aus den Lautsprechern plärren, was einiges an Unmittelbarkeit nimmt. Brillant ist der kurze Auftritt von Richetta Manager als Barbesitzerin Jacqueline, die mit eindrucksvoller Stimme Gloria Gaynors Superhit „I will survive“ singt, obwohl der gar nicht in dieses Stück gehört (aber irgendwie passt, schließlich hat Gloria Gaynor auch mit „I am, what I am“ Erfolg gehabt, obwohl das wiederum der Song eines homosexuellen Mannes ist).

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Der Star der Show: Albin alias Zaza (William Saetre)

Zum Glück spielt das Ganze nicht ohne Grund im Show-Business, denn das liefert den Vorwand für allerlei Tanzeinlagen – und die Show stimmt in dieser Aufführung. Da ist zum einen das bravourös aufspielende Orchester: Die Neue Philharmonie Westfalen trifft unter der Leitung von Bernhard Stengel den Broadway-Tonfall hervorragend. Und wenn nicht gerade die etwas trägen Dialoge gesprochen werden, dann stimmt auch das Tempo auf der Bühne perfekt, mit einer rasanten Choreographie (James de Groot und Paul Krabbe) und flotten Umbauten ohne Stillstand. Das Bühnebild von Dirk Becker wechselt binnen Sekunden den Blickwinkel – gerade noch sieht man als Publikum auf die Showbühne, und im nächsten Moment ist man der Betrachter hinten auf der Bühne. Virtuos wird die mondäne Wohnung von Georges und Albin hereingerollt, und überhaupt gelingen die Verwandlungen durchweg reibungslos wie filmische Überblendungen. Da braucht sich das Musiktheater im Revier nicht hinter den kommerziellen Musicals zu verstecken.

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Wieder eine Show vorbei im Cage aux Folles

Einen starken Eindruck hinterlassen die tanzenden „Cagelles“, die Show-Stars der „Cage aux Folles“: Patrick Stauf als „Hannah aus Hamburg“ mit Peitsche und viel Leder, Renee, „der Mann mit der Frauenstimme“ (so wird der Künstler im Programmheft genannt) als höhensichere Koloratursängerin Chantal, Mathias Schiemann als schwergewichtige Flamenco-Tänzerin Mercedes und Martin Hirner alias Lola Horn (hier nennt das Programmheft den „richtigen“ und den Künstlernamen) als Liza Pirelli. Und auch bei den sieben Tänzern der Angelique, Nicole, Nikki, Odette, Lo Singh, Clo-Clo und Monique bleiben keine Wünsche offen. Wenn dann am Ende der reichlich operettenhafte Konflikt irgendwie aufgelöst wird und sich alle ganz lieb haben, kann das begeisterte Publikum fröhlich mitklatschen. Standing Ovations.


FAZIT

Starke Revue, die beim Schauspiel etwas durchhängt: La Cage aux Folles erfüllt viele, aber nicht alle Wünsche.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Bernhard Stengel

Inszenierung
Peter Hailer

Bühne
Dirk Becker

Kostüme
Andreas Meyer

Choreographie
James de Groot
Paul Kribbe

Chor
Christian Jeub

Dramaturgie
Wolfgang Willaschek



Statisterie des
Musiktheater im Revier

Herren des Ballett Schindowski

Chor des
Musiktheater im Revier

Neue Philharmonie
Westfalen


Solisten

*Besetzung der Premiere

Albin / Zaza
William Saetre Georges
Joachim G. Maaß

Jacob
Aljoscha Zinflou

Jean-Michel
Piotr Prochera

Francis, Inspizient
Norman Wasmuth

Jacqueline
* Richetta Manager /
Birgit Brusselmans

Anne
Elisabeth Karner

Madame Renaud
Patricia Pallmer

Monsieur Renaud
Jerzy Kwika

Madame Dindon
Sabina Detmer

Edouard Dindon
Wolf-Rüdiger Klimm

Ein Angler
Georg Hansen /
* Charles E.J. Moulton

Les Cagelles:

Chantal
Renee, der Mann
mit der Frauenstimme

Hannah aus Hamburg
Patrick Stauf

Mercedes
Mathias Schiemann

Liza Pirelli
Martin Hirner (Lola Horn)

Lo Singh
Takashi Kondo

Odette
Evgeny Gorbachev

Angelique
Jakub Michal Spocinsky

Nicole
Bogdan Khvoynitskiy

Clo-Clo
Yun Liao

Monique
Kostyantyn Grynyuk





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