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Pendler-Oper
Von Stefan Schmöe / Fotos von Eduard Straub
Die Trojaner, 1. Akt
Finale Furioso hat Tobias Richter als Motto seiner letzten Intendantenjahres an der Deutschen Oper am Rhein ausgegeben, und als Schlusspunkt am allerletzten Tag dieser Intendanz stand noch einmal das wohl spektakulärste Projekt auf dem Spielplan: Die Trojaner von Hector Berlioz, verteilt auf beide Häuser des Zwei-Städte-Instituts (die ersten beiden Akte in Duisburg, die darauf folgenden drei in Düsseldorf) sowie als Satyrspiel-Sahnehäubchen darauf Offenbachs Schöne Helena wiederum in Duisburg. Am tieferen künstlerischen Sinn dieser Stück-Spaltung hatte schon OMM-Korrespondent Thomas Tillmann anlässlich der Premiere im Herbst 2005 gezweifelt (unser Bericht), und auch bei der Finissage bleibt der Eindruck, dass neben manchen dramaturgischen (oder auch organisatorischen) Aspekten hier kräftig der Eventkultur gehuldigt wird, wenn der Besucher mit dem Bus-Shuttle zwischen Duisburg und Düsseldorf hin und her gekarrt wird. Immerhin konnte auf diese Weise Chefdirigent John Fiore seinen Abschied in beiden Häusern und von beiden Orchestern an einem Tag begehen. Das Publikum allerdings schien nur begrenzt willig, dem Reisekonzept noch einmal zu folgen; jedenfalls blieben in beiden Häusern etliche Plätze leer.
Die Trojaner, 2. Akt: Kollektiver Selbstmord der trojanischen Frauen im Bunker, während oben die Griechen einmarschieren
Dabei hätte die ambitionierte Produktion durchaus noch einmal volle Häuser verdient. Thomas Tillmann hatte in diesem Magazin zu Recht darauf hingewiesen, dass Regisseur Christoph Loy die (auch für Berlioz) zentrale Idee, nämlich die Gründung Roms als allem anderen übergeordnetes höheres Ziel für Aeneas, fast völlig ausblendet. Man darf diesen Vorwurf nicht als falsch verstandene Werktreue auffassen, denn damit nimmt Loy der Oper das Visionäre, das nicht unerheblich zum Reiz des Werkes beiträgt. Statt dessen präsentiert er zwei tragische Frauenschicksale, die raffiniert mit Untergangsszenarien zweier Gesellschaftsordnungen verwoben sind: Kassandra sieht im ersten Teil die Zerstörung des repräsentativ-feudalen Staatswesens in Troja voraus, Dido reißt bei ihrer Selbstverbrennung den kaum noch wehrhaften Wohlfahrtsstaat Karthagos mit ins Verderben. Auch wenn das an manchen Stellen überinterpretiert erscheint und Loy im zweiten Teil dazu neigt, sich in Nebenhandlungen zu verzetteln, ist das eine in weiten Teilen bemerkenswerte und auch ergreifende Interpretation. Was nicht zuletzt an den beiden Sängerinnen der großen Partien liegt: Annette Seiltgen bringt zwar (anders als Evelyn Herlitzius im Premierenjahr) kaum das hochdramatische Material mit, das man sich für die Kassandra wünschen würde, singt aber ausdrucksstark und trotz der immensen Anstrengungen kultiviert. Jeanne Piland beeindruckt als Dido mit einer technisch perfekt geführten, warmen Stimme mit immer noch großer Leuchtkraft und einem wunderbar tragenden Piano. Gewisse Abstriche allerdings muss man bei beiden Sängerinnen in der ausgedünnten tiefen Lage machen. Trotzdem gelangen da zwei anrührende und bewegende Rollenportraits.
Die Trojaner, 5. Akt: Didos Tod (Jeanne Piland)
Weniger glücklich ist die Besetzung des Aeneas mit Steven Harrison, dessen raue, ja fast heisere Stimme ohnehin nicht jedermanns Sache ist, der mit der (zugegeben mörderischen) Partie aber auch kräftemäßig an seine Grenzen stößt. Aus einem insgesamt ordentlichen Ensemble ragt Norbert Ernst als Hylas heraus. Nach unkonzentriertem Beginn steigert sich der Chor zu einer imponierenden Leistung, wenn auch mitunter allzu dröhnend im Fortissimo. Solche mitunter arg plakative Knalleffekte sind (nicht zum ersten Mal) eine Schwäche von Dirigent John Fiore, dem aber vor allem bei den leisen Stellen hinreißende Klangeffekte gelingen die Düsseldorfer Symphoniker sind, was die klangliche Rafinesse betrifft, ihren (gleichwohl sehr ordentlichen) Kollegen von den Duisburger Philharmonikern da eine Spur voraus.
Die schöne Helena: Helena (Marta Márquez), Kalchas (Peter Nikolaus Kante)
Jacques Offenbach hat in seiner Schönen Helena nicht nur die Gesellschaft seiner Zeit, sondern auch die große Oper aufs Korn genommen. Das mag rechtfertigen, warum auf so viel Untergang in den Trojanern jetzt noch die Vorgeschichte des trojanischen Kriegs in Operettenform folgt (obwohl Loy doch gerade die Sphäre des Mythologischen bei Berlioz weginszeniert hat). Sei's drum, ihm ist hier eine sehr unterhaltsame Inszenierung von leichter Hand gelungen, die in diesem Kontext mit Recht auf Tiefgang verzichten kann. Ein paar Seitenhiebe auf das Showbusiness gibt's, ansonsten vergleichsweise konventionellen Operettenhumor, allerdings handwerklich wirklich gut gemacht. Das Publikum sitzt auf der Bühne inmitten des Bühnenbildes aus den ersten beiden Trojaner-Akten und nahe am Geschehen, das mit hoher Präzision abläuft. Christian Rieger hat die Musik für ein stark reduziertes Kammermusik-Ensemble arrangiert, und das Ensemble (u.a. Marta Márquez als Helena, Fabrice Farina als Paris, Alexander Ionitza als Menelaos, Ludwig Grabmeier als Agamemnon, Antje Krabbe als Orest und Peter Nikolaus Kante als Kalchas) glänzt mit viel Spielfreude und einem musikalischen Tonfall, der Offenbachs spritziger Partitur bestens gerecht wird (unser Bericht von der Premiere 2005). Ville Enckelmann leitet vom Klavier aus das bestens aufgelegte Ensemble aus Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker.
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Produktionsteam Les Troyens
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Dramaturgie
Licht
Chor
Regiemitarbeit
Choreografische
SolistenKassandraAnnette Seiltgen
Choroebus
Aeneas
Ascanius,
Pantheus
Priamus
Hekuba
Helenus
Polyxene
Andromache
Hektors Schatten
Ein trojanischer Führer
Ein griechischer
Dido
Anna
Narbal
Iopas
Hylas
Zwei trojanische Soldaten
Priamus' Schatten
Choroebus' Schatten
Kassandras Schatten
Hektors' Schatten
Produktionsteam La belle Hélène
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Licht
SolistenParisFabrice Farina
Menelaos
Agamemnon
Orest
Kalchas
Achill
Ajax I
Ajax II
Helena
Bacchis,
Leoena
Parthoenis
Philocome
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