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Les Troyens (Die Trojaner)
Oper in fünf Akten
Libretto nach Vergil vom Komponisten
Musik von Hector Berlioz

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer:
1. Teil "Die Einnahme von Troja" (Akte I und II) ca. 1h 30' (keine Pause)
2. Teil "Die Trojaner in Karthago" (Akte III bis V) ca. 3h 15' (zwei Pausen)

Repertoireaufführung am 7. Juli 2009
im Theater Duisburg (Akte I und II) und Opernhaus Düsseldorf (Akte III - V)
(Premiere: 29. Oktober 2005)

La belle Hélène (Die schöne Helena)
Text von Henri Meilhac und L. Halévy
Deutsche Dialogfassung
von Christof Loy und Peter Heilker
basierend auf der Übersetzung von Simon Werle
Musik von Jacques Offenbach
Musikalische Bearbeitung von Christian Rieger


In deutscher und französischer Sprache, teilweise mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h (keine Pause)

Repertoireaufführung im Theater Duisburg am 7. Juli 2009
(Premiere: 29. Oktober 2005)


Homepage

Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)
Pendler-Oper

Von Stefan Schmöe / Fotos von Eduard Straub


Vergrößerung Die Trojaner, 1. Akt

Finale Furioso hat Tobias Richter als Motto seiner letzten Intendantenjahres an der Deutschen Oper am Rhein ausgegeben, und als Schlusspunkt am allerletzten Tag dieser Intendanz stand noch einmal das wohl spektakulärste Projekt auf dem Spielplan: Die Trojaner von Hector Berlioz, verteilt auf beide Häuser des Zwei-Städte-Instituts (die ersten beiden Akte in Duisburg, die darauf folgenden drei in Düsseldorf) sowie als Satyrspiel-Sahnehäubchen darauf Offenbachs Schöne Helena wiederum in Duisburg. Am tieferen künstlerischen Sinn dieser Stück-Spaltung hatte schon OMM-Korrespondent Thomas Tillmann anlässlich der Premiere im Herbst 2005 gezweifelt (unser Bericht), und auch bei der Finissage bleibt der Eindruck, dass neben manchen dramaturgischen (oder auch organisatorischen) Aspekten hier kräftig der Eventkultur gehuldigt wird, wenn der Besucher mit dem Bus-Shuttle zwischen Duisburg und Düsseldorf hin und her gekarrt wird. Immerhin konnte auf diese Weise Chefdirigent John Fiore seinen Abschied in beiden Häusern und von beiden Orchestern an einem Tag begehen. Das Publikum allerdings schien nur begrenzt willig, dem Reisekonzept noch einmal zu folgen; jedenfalls blieben in beiden Häusern etliche Plätze leer.

Vergrößerung

Die Trojaner, 2. Akt: Kollektiver Selbstmord der trojanischen Frauen im Bunker, während oben die Griechen einmarschieren

Dabei hätte die ambitionierte Produktion durchaus noch einmal volle Häuser verdient. Thomas Tillmann hatte in diesem Magazin zu Recht darauf hingewiesen, dass Regisseur Christoph Loy die (auch für Berlioz) zentrale Idee, nämlich die Gründung Roms als allem anderen übergeordnetes „höheres Ziel“ für Aeneas, fast völlig ausblendet. Man darf diesen Vorwurf nicht als falsch verstandene Werktreue auffassen, denn damit nimmt Loy der Oper das Visionäre, das nicht unerheblich zum Reiz des Werkes beiträgt. Statt dessen präsentiert er zwei tragische Frauenschicksale, die raffiniert mit Untergangsszenarien zweier Gesellschaftsordnungen verwoben sind: Kassandra sieht im ersten Teil die Zerstörung des repräsentativ-feudalen Staatswesens in Troja voraus, Dido reißt bei ihrer Selbstverbrennung den kaum noch wehrhaften Wohlfahrtsstaat Karthagos mit ins Verderben. Auch wenn das an manchen Stellen überinterpretiert erscheint und Loy im zweiten Teil dazu neigt, sich in Nebenhandlungen zu verzetteln, ist das eine in weiten Teilen bemerkenswerte und auch ergreifende Interpretation. Was nicht zuletzt an den beiden Sängerinnen der großen Partien liegt: Annette Seiltgen bringt zwar (anders als Evelyn Herlitzius im Premierenjahr) kaum das hochdramatische Material mit, das man sich für die Kassandra wünschen würde, singt aber ausdrucksstark und trotz der immensen Anstrengungen kultiviert. Jeanne Piland beeindruckt als Dido mit einer technisch perfekt geführten, warmen Stimme mit immer noch großer Leuchtkraft und einem wunderbar tragenden Piano. Gewisse Abstriche allerdings muss man bei beiden Sängerinnen in der ausgedünnten tiefen Lage machen. Trotzdem gelangen da zwei anrührende und bewegende Rollenportraits.

Vergrößerung Die Trojaner, 5. Akt: Didos Tod (Jeanne Piland)

Weniger glücklich ist die Besetzung des Aeneas mit Steven Harrison, dessen raue, ja fast heisere Stimme ohnehin nicht jedermanns Sache ist, der mit der (zugegeben mörderischen) Partie aber auch kräftemäßig an seine Grenzen stößt. Aus einem insgesamt ordentlichen Ensemble ragt Norbert Ernst als Hylas heraus. Nach unkonzentriertem Beginn steigert sich der Chor zu einer imponierenden Leistung, wenn auch mitunter allzu dröhnend im Fortissimo. Solche mitunter arg plakative Knalleffekte sind (nicht zum ersten Mal) eine Schwäche von Dirigent John Fiore, dem aber vor allem bei den leisen Stellen hinreißende Klangeffekte gelingen – die Düsseldorfer Symphoniker sind, was die klangliche Rafinesse betrifft, ihren (gleichwohl sehr ordentlichen) Kollegen von den Duisburger Philharmonikern da eine Spur voraus.

Vergrößerung

Die schöne Helena: Helena (Marta Márquez), Kalchas (Peter Nikolaus Kante)

Jacques Offenbach hat in seiner Schönen Helena nicht nur die Gesellschaft seiner Zeit, sondern auch die große Oper aufs Korn genommen. Das mag rechtfertigen, warum auf so viel Untergang in den Trojanern jetzt noch die Vorgeschichte des trojanischen Kriegs in Operettenform folgt (obwohl Loy doch gerade die Sphäre des Mythologischen bei Berlioz weginszeniert hat). Sei's drum, ihm ist hier eine sehr unterhaltsame Inszenierung von leichter Hand gelungen, die in diesem Kontext mit Recht auf Tiefgang verzichten kann. Ein paar Seitenhiebe auf das Showbusiness gibt's, ansonsten vergleichsweise konventionellen Operettenhumor, allerdings handwerklich wirklich gut gemacht. Das Publikum sitzt auf der Bühne inmitten des Bühnenbildes aus den ersten beiden Trojaner-Akten und nahe am Geschehen, das mit hoher Präzision abläuft. Christian Rieger hat die Musik für ein stark reduziertes Kammermusik-Ensemble arrangiert, und das Ensemble (u.a. Marta Márquez als Helena, Fabrice Farina als Paris, Alexander Ionitza als Menelaos, Ludwig Grabmeier als Agamemnon, Antje Krabbe als Orest und Peter Nikolaus Kante als Kalchas) glänzt mit viel Spielfreude und einem musikalischen Tonfall, der Offenbachs spritziger Partitur bestens gerecht wird (unser Bericht von der Premiere 2005). Ville Enckelmann leitet vom Klavier aus das bestens aufgelegte Ensemble aus Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker.


FAZIT
Trotz mancher berechtigter Einwände gegen das etwas umständliche Projekt, die Trojaner auf zwei Städte zu verteilen und mit Offenbach zu würzen, bleiben viele gelungene Momente in Erinnerung.


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Produktionsteam Les Troyens

Musikalische Leitung
John Fiore

Inszenierung
Christof Loy

Bühne
Herbert Murauer

Kostüme
Michaela Barth

Dramaturgie
Peter Heilker

Licht
Volker Weinhart

Chor
Gerhard Michalski/
Christoph Kurig

Regiemitarbeit
Benedikt von Peter

Choreografische
Mitarbeit
Istvan Herczog



Statisterie, Chor und Extrachor der
Deutschen Oper am Rhein

Die Duisburger
Philharmoniker (Akte I-II)

Die Düsseldorfer
Symphoniker (Akte III-V)


Solisten

Kassandra
Annette Seiltgen

Choroebus
Bruno Balmelli

Aeneas
Steven Harrison

Ascanius,
Stephanie Woodling

Pantheus
Günes Gürle

Priamus
Michail Milanov

Hekuba
Nassrin Azarmi

Helenus
Markus Müller

Polyxene
Victoria Demkina

Andromache
Monique Janotta

Hektors Schatten
Sami Luttinen

Ein trojanischer Führer
Franz-Martin Preihs

Ein griechischer
Heerführer
Daniel Djambazian

Dido
Jeanne Piland

Anna
Katarzyna Kuncio

Narbal
Thorsten Grümbel

Iopas
Mirko Roschkowski

Hylas
Norbert Ernst

Zwei trojanische Soldaten
Rolf Bromann
John In Eichen

Priamus' Schatten
Michail Milanov

Choroebus' Schatten
Romualdas Urbonas

Kassandras Schatten
Manuela Kunze

Hektors' Schatten
Thomas Ulrich Lässig

Produktionsteam La belle Hélène

Musikalische Leitung
Ville Enckelmann

Inszenierung
Christof Loy

Bühne
Barbara Pral
in einem Raum von
Herbert Murauer

Kostüme
Birgit Wentsch

Licht
Volker Weinhart



Mitglieder der
Duisburger Philharmoniker


Solisten

Paris
Fabrice Farina

Menelaos
Alexandru Ionitza

Agamemnon
Ludwig Grabmeier

Orest
Anke Krabbe

Kalchas
Peter Nikolaus Kante

Achill
Bruce Rankin

Ajax I
Martin Koch

Ajax II
Tobias Hänschke

Helena
Marta Marquez

Bacchis,
Gwendolyn Killebrew

Leoena
Elisabeth Selle

Parthoenis
Véronique Parize

Philocome
Tim D. Morand







Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)



Da capo al Fine

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