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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Stilunsicherheiten
Von Thomas Tillmann "Auf Qualität und Atmosphäre kommt es an!" Diese Forderung erhebt in der üppigen Broschüre zum neuen internationalen KLANGVOKAL Musikfestival Dortmund Jörg Stüdemann, Dezernent für Kultur, Sport und Freizeit der Stadt Dortmund. Unter dem Thema "Macht!" hatte man in der Zeit vom 28. Mai bis zum 16. Juni unter anderem auch zwei konzertante Opernaufführungen angesetzt. Die Qualität des ersten Abends, an dem man sich Anna Bolena widmete, ließ indes arg zu wünschen übrig, allem Geschrei eines Teils des Publikums und den dieser Tage geradezu inflationär eingesetzten standing ovations zum Trotz. Donizettis tragedia lirica ist kein Werk für ein Sinfonieorchester, das sich aus Studierenden der Hochschulen in Detmold, Düsseldorf, Essen und Köln zusammensetzt, die sich im Rahmen des Masterstudiengangs Orchesterspiel am Orchesterzentrum / NRW in Dortmund auf eine Karriere als Orchestermusiker vorbereiten - gerade für dieses Repertoire braucht man eine gewisse Erfahrung, stilistische Kenntnisse, Wissen um Feinheiten. Die jungen Musiker aber hatten die meiste Zeit schon mit der rein technischen Bewältigung der Vorgaben Donizettis Probleme, sie klebten an den Noten und hatten häufig gar keinen Blick für Maurizio Barbacini, der ja durchaus seine Meriten hat und alles tat, um das Schlimmste zu vermeiden und der Sopranistin die Sache nicht unnötig schwer zu machen. Selbstverständlich müssen Nachwuchsmusiker gefördert und gefordert werden, dazu gehören auch öffentliche Auftritte, keine Frage, aber wenn man Karten für bis zu 69 Euro verkauft, dann muss ein bestimmter Standard gewährleistet sein, und das war er an diesem Abend, an dem man kaum einen Takt ohne eklatante Spielfehler zu hören bekam, keineswegs (was sich mancher vielleicht gedacht hatte, was die vielen freien Plätze erklären würde), vielleicht auch auf Grund allzu geringer Probenzeiten, denn die zum Teil ja wirklich hochkarätigen Solistinnen und Solisten werden kaum vor acht Wochen in Dortmund eingetroffen sein. Mariella Devia etwa hat eine beeindruckende, lange Karriere im Belcantofach, zweifellos, die sich aber langsam doch dem Ende zuneigen dürfte. Natürlich bewunderte man die vielen Pianoeffekte und die durchdachte, geschmackvolle Phrasierung, natürlich singt sie einige (fragile) Spitzentöne über dem System und versteht als Muttersprachlerin Romanis Text zu präsentieren, aber gerade für diese Königinnenrolle braucht man neben Ausdrucksvaleurs und Persönlichkeit eben auch oder vielleicht sogar in erster Linie eine dramatische Sopranstimme, die an entscheidenden Stellen nicht nur bedeutungsvoll elegisch säuselt, sondern Durchschlagskraft entwickelt und die Ensembles dominiert (und da muss man nicht einmal an solche Interpretinnen wie die Hochdramatische Caroline Whisnant in Mannheim denken). In der besuchten Aufführung war der Konflikt zwischen der aktuellen Königin und Heinrichs neuer Geliebter zudem ein Generationskonflikt, denn die Spanierin Silvia Tro Santafé steht am Beginn einer bemerkenswerten Karriere und singt eben nicht kalkuliert und mit klugem Wissen um die Einteilung eines langen Abends, sondern frisch und unverstellt mit schlanker, metallischer, hell-vibrierender, höhensicherer Mezzostimme, die mich ein wenig an die der jungen Agnes Baltsa, damit aber auch an die Gefahren eines so exzessiven, intensiven Singens erinnerte. Und auch wenn mancher Effekt und das Zelebrieren der Spitzentöne ein wenig eitel wirkte und man sich in stilistischer Hinsicht noch mehr Feinschliff wünschte (etwa in den Kadenzen), hatte man seine Freude an ihrem Mitwirken, gerade auch im Kontrast zu dem kalkulierten, vorsichtigen und sehr dezenten Singen der Primadonna. Noch besser allerdings gefiel mir der saftig-pralle, schier überrumpelnde Alt von Ewa Wolak - eine so satte, gesunde Stimme hört man wahrlich nicht alle Tage, dazu noch eine, die ziemlich beweglich ist und bei der die Register nicht unschön auseinanderklaffen, sondern hervorragend verbunden sind. Nur wirklich knabenhaft wirkt das alles natürlich nicht. Deutlicher schwächer präsentierten sich die Männer: Bálint Szabó hat zwar die rechte virile, draufgängerische Ausstrahlung für den ungerechten Despoten, aber seinem Singen fehlte es an Stil und Eleganz, abgesehen von einzelnen Pianotönen polterte er sich reichlich grobschlächtig durch die Partie. Noch mehr Probleme hatte ich mit Robert Nagy, der als Percy mit seinem nicht zu kleinen Tenor und nicht unerheblichem Druck zwar einige aufregend fulminante, plakative Spitzentöne ins Konzerthaus schmetterte, in vielen anderen Momenten aber quälend unter dem Ton blieb. Shadi Torbey assistierte mit sehr eigenem Timbre als Rochefort, von Thomas Blondelle hörte man wenig als Hervey, aber das, was man hörte, machte auch wenig Lust auf mehr, während die jungen, unverbrauchten und sehr präzisen Stimmen des Chores der Musikakademie Minsk eine Freude waren. FAZITEin Belcantoabend, der letztlich nicht überzeugen konnte, trotz sängerischer Highlights. Man darf gespannt sein, ob der WDR diese Aufführung wirklich sendet, vielleicht wäre eine Ausstrahlung der Aufnahme von 1967 mit Teresa Zylis-Gara, Vera Little, Wolfgang Anheisser, Karl Ridderbusch und Alberto Erede am Pult da doch die bessere Alternative, trotz der damals noch üblichen Ausführung in deutscher Sprache und einem Ensemble, das in diesem Repertoire nicht gerade zuhause war. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Choreinstudierung
Solisten
Enrico VIII.
Anna Bolena
Giovanna
Lord Rochefort
Lord Riccardo Percy
Smeton
Sir Hervey
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