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Love and Other Demons
Oper in zwei Akten (2007)
Libretto von Kornél Hamvai
nach Gabriel García Márquez' Roman „Del amor y otros demonios“
(„Von der Liebe und anderen Dämonen“)
Musik von Peter Eötvös

in englischer, spanischer, lateinischer Sprache sowie dem nigerianischen Yoruba mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h (keine Pause)

Deutsche Erstaufführung im Theater Chemnitz am am 31. Januar 2009


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Theater Chemnitz
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Magische Begegnungen

Von Joachim Lange / Fotos von Dieter Wuschanski

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Vater und Tochter in südamerikanische Atmosphäre

Der ungarische Dirigent und Komponist Peter Eötvös (65) hat ein Händchen für Literaturopern. Schon mit seinen Drei Schwestern nach Tschechow hat er sich vor zehn Jahren fast so etwas wie einen Stammplatz im Repertoire gesichert. Auch mit Le Balcon nach Genet (2002) und Angels in America (2004) nach dem AIDS-Schauspiel von Tony Kushner vermochte er als Komponist mit ausgeprägtem Sinn für die Bühne zu reüssieren. Dass seine im letzten Jahr in Lyon aufgeführte, fernöstlich inspirierten Lady Sarashina eher ein zurückgenommenes, poetisches Innehalten als eine Abkehr von seiner Bühnenaffinität war, belegt seine jüngste im Auftrag des Festivals in Glyndebourne geschriebene und 2008 dort uraufgeführte Oper Love and Other Demons.

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Der Pater und die "Besessene"

Was er dabei Gabriel Garcia Márquez' gleichnamigem Roman, den Kornél Hamvai zum Libretto verdichtet hat, an südamerikanischer Atmosphäre, raffinierter Dämonie und dramatischem Handwerk bei der Personencharakterisierung musikalisch hinzugefügt hat, wurde jetzt, bei der deutschen Erstaufführung in Chemnitz nicht etwa konterkariert oder gebrochen, sondern auf eine faszinierende Weise adäquat übersetzt. Diese Schichtung von magischen Dimensionen der unterschiedlichsten Art behinderte sich in Chemnitz vor allem deshalb nicht gegenseitig, weil die Qualität, in der sie über die Bühne ging, so mustergültig geriet. Und zwar in jeder Hinsicht.

Noch bevor Regisseur Dietrich Hilsdorf seinen bewährten magischen Realismus in einer packend, körperbetonten Personenführung entfaltet, kann man sich schon dem kongenialen, simultanen Einheits-Bühnenraum von Dieter Richter nicht entziehen. Die Straße auf dem Gazevorhang führt in die Weite der Plantagenwelt Kolumbiens, eine Veranda evoziert herrschaftliche Lebensweise. Die karge Fassade gegenüber ist nicht nur der Ort, in dem die Sklaven wohnen, sondern auch die vorchristlichen einheimischen Dämonen. Dahinter wird es dann sakraler.

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Der Bischof treibt den Teufel aus

Eine lange Tafel und große Bücherschränke sind der Ort für den Bischof, die Priester und Nonnen. Dahinter schließt sich ein morbid verfallener Kirchenraum an, in dessen hinterem Bereich die Robert-Schumann-Philharmonie platziert ist. Deren Chef Frank Beermann entfaltet von dort aus mit sensibler Präzision alles, was Eötvös zwischen Naturklängen, fremden Lauten bis in eine veritable Teufelsaustreibung als Höhepunkt aufgeboten hat. Der sozusagen weltliterarischen Weite der Vorlage entspricht die Melange aus Englisch, Spanisch, Latein und dem nigerianischen Yoruba als Sprache der Sklaven für das Personal der Oper. Als die gerade mal zwölfjährige Sierva Maria von einem Hund gebissen wird, reagiert ihre Umwelt mit panischer Furcht vor Besessenheit. Die Kirche zieht alle Register, wobei sich – und das ist der zugegebenermaßen etwas schlichte und schnurstracks anvisierte Kern der Geschichte – der beauftragte Priester prompt in das übersprudelnd lebendige Mädchen verliebt.

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Die Sklaven haben ihre eigenen Götter

Deren atemberaubenden Koloraturen bewältigt Julia Bauer ebenso bestechend sicher wie Andreas Kindschuh die aufflammende Liebe des Paters Delaura. Nachdem auch noch die Äbtissin der vermeintlichen Besessenheit verfällt, die bei dem Mädchen bekämpft werden soll, übernimmt Renatus Mészár als unnachsichtig losdonnernder Bischof im Format eines Großinquisitors schließlich persönlich die Teufelsaustreibung. Das gesamte Ensemble ist mit größter Sorgfalt besetzt und nutzt die dem Stück eingeborene geradezu belcantistische Dominanz der Stimmen weidlich.


FAZIT

Es müssen keineswegs immer die großen Häuser sein, die dem Neuen auf der Bühne zum Leben verhelfen. In einem so gut geführten Haus wie Chemnitz sind nicht nur Ausgrabungen (wie jüngst sogar Pfitzners „Rose vom Liebesgarten“) gut aufgehoben, sondern auch Deutsche Erstaufführungen neuer Werke, wie dem von Eötvös. Die Oper in Köln wird im nächsten Jahr nachziehen.




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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Frank Beermann

Inszenierung
Dietrich Hilsdorf

Bühne
Dieter Richter

Kostüme
Renate Schmitzer

Choreinstudierung
Mary Adelyn Kauffman


Chor und Kinderchor
der Oper Chemnitz

Robert-Schumann-
Philharmonie Chemnitz



Solisten

Sierva Maria
Julia Bauer

Ygnacio
Hugo Mallet

Dominga
Tiina Penttinen

Abrenuncio
André Riemer 

Don Toribio
Renatus Mészár

Pater Delaura
Andreas Kindschuh

Josefa Miranda
Monika Straube 

Martina Laborde
Susanne Gasch

Dona Olalla
Susanne Thielemann




Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Chemnitz
(Homepage)



Da capo al Fine

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