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Senta fällt aus dem Rahmen Dieser Holländer geht in Basel eigentlich nicht an Land, sondern fällt im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Rahmen. Aus einem Riesenbilderrahmen nämlich, der in der üppig holzvertäfelten Bibliothek im Hause Daland hängt. Hier schleicht sich die Leseratte Senta auch schon mal des Nachts herein und holt sich die gewaltige Schwarte aus dem Regal, in der sie immer wieder die Geschichte des fliegenden Holländers nachliest und in die sie sich dann auch prompt hineinträumt. Da wird nämlich der Ölschinken mit dem an der Klippe aufpeitschenden Meer mit einem mal lebendig. Da tauchen das Segel und der Kahn von Daland und seinen Leuten auf. Und dann schiebt sich auch noch der Bug des gespenstischen Holländerkahns aus dem Rahmen ins Zimmer. Bei seinem ja noch von Res Bosshart einst in Meiningen verschuldeten Operndebüt hatte der film- und videoversierte Philipp Stölzl mit einem Freischütz das gesamte Publikum fasziniert, in dem er beim Kugelgießen einen geisterhaften Segler über die Leinwand jagen ließ. Damals wirkte das noch wie ein angekündigter Landgang des sagenhaften Seefahrers in Thüringen. Weil Stölzl das Projekt aber nach dem unfreundlichen Rausschmiss Bossharts zurückzog, hat er nun seine mittlerweile vierte Oper in Basel inszeniert. Und zwar so, dass dieser Holländer anderthalb Akte lang wie eine ironiefreie, mitunter unfreiwillig komische, optische Rücknahme jeder Ambition zugunsten von romantisch historisierender Opulenz wirkt. Alles, was eine aufgeregt schimpfende Gemeinde am jüngsten Leipziger Holländer von Michael von zur Mühlen nämlich zu vermissen meinte, findet sich hier. Ein richtiges Seestück (in Öl). Eine Geschichte aus der Balladenabteilung einer eingestaubten Bibliothek. Ein finster faszinierender, obendrein noch schwarzer Holländer, der wie aus dem Seeräubermärchen mit einem Schiff in die Jungmädchenträume segelt. Und eine Senta, die so fest daran glaubt, dass sie zwischen Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden kann. Wenn dann Frau Mary und ihre Mädels wie eine Dienstmädchentruppe parkettschrubbend angeträllert kommen, dann fragt man sich sogar, ob der Regisseur sein Publikum nicht auf den Arm nehmen will. Doch dann taucht Vater Daland plötzlich mit einem Seemann an seiner Seite auf, der keinerlei Ähnlichkeit mit einem aufregenden Traumbild hat, sondern der aussieht wie ein alter Pfeffersack an den Daland seine Tochter längst verschachert hat! Da wird die Traumgeschichte vom geheimnisumwobenen Seefahrer für Senta plötzlich zur puren Überlebensstrategie. Und für den Abend zu einem Wendepunkt! Während dieser alte Holländer nämlich paffend am lodernden Kamin im Sessel sitzt, verdoppelt sich die Bibliothek im Bilderrahmen. Dort sieht man jetzt die junge Senta mit ihrem (singenden) Holländer-Idol. Vorn, in ihrer Wirklichkeit aber, singt und bewegt sich Senta ganz allein. Und als der Chor der Seeleute als johlende Hochzeitsgesellschaft, die vor lauter Verzweiflung betrunkene Braut verhöhnt, schlägt sie nicht nur ihren - wie ein braver Buchhalter um sie besorgten - Erik nieder. Sie erschlägt mit voller Kraft den ihr vom Vater zugedachten Ehemann mit der Flasche und bringt sich dann in einem Akt verzweifelt gewaltsamer Rebellion selbst um, indem sie sich mit einer Glasscherbe gleich mehrfach die Adern aufschneidet. Wie eine militante Schwester Tony Buddenbrooks sozusagen. Insgesamt verblüfft die Konsequenz, mit der Stölzl die Geschichte aus der Perspektive Sentas hier erzählt. Die Worte, mit denen sie etwa Eriks Rettungsversuch abwehrt und in denen von ihrer Pflicht die Rede ist, gewinnen so eine ganz andere Dimension. Und die rechtfertigt den gewaltigen Aufwand an historisierender Bilderopulenz am Ende dann doch. Musikalisch hat Friedemann Layer das Orchestersteuer beherzt in der Hand, kann aber nicht jede Klippe auch sicher umschiffen. Auch der Chor blieb diesmal unter seinen Möglichkeiten. Bei den Sängern überzeugten Liang Lis stimmgewaltiger Daland und Alfred Walkers markanter Holländer da schon eher. Während Thomas Piffka seinem Erik mit etwas zu viel Power losdonnern ließ und Rita Ahonens Mary noch etwas hätte zulegen können, ragte Kirsi Tiihonens etwas reif wirkende Senta, vor allem mit ihrer Höhe aus dem Ensemble heraus.
Das Publikum konnte sich in Basel aussuchen, ob es wegen der romantischen Opulenz oder wegen des doppelten Bodens applaudierte. Oder wegen beidem.
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Produktionsteam* Besetzung der rezensierten Aufführung
Musikalische Leitung
Inszenierung
Co-Inszenierung
Bühne
Kostüme
Chorleitung
SolistenDalandLiang Li
Senta
Erik
Mary
Der Steuermann Dalands
Der Holländer
Die junge Senta
Bräutigam
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