Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Lohengrin

Romantische Oper in drei Aufzügen Text und Musik von Richard Wagner


In deutscher Sprache mit Übertiteln

Veranstaltungsdauer: ca. 5 Std. (zwei 45 minütigen Pausen)

Premiere an der Staatsoper Unter den Linden am 4. April 2009


Homepage

Staatsoper Berlin
(Homepage)
Mein lieber Bär….

Von Joachim Lange / Fotos: Karl Forster

Als Wagner-Regisseur hat sich Stefan Herheim (38) gleich ganz vorne angestellt. Es war schon selbstbewusst, ja geradezu kühn, sich nach einem „Rheingold“ (in Riga) ohne weitere Umwege an das Bühnenweihfestspiel des Meisters heranzumachen. Und dann auch noch in der Nachfolge von Christoph Schlingensiefs ästhetischem Umsturzversuch 2008 einen grandiosen Erfolg zu landen! Der Norweger hatte das Stück und seine Rezeptionsgeschichte in einem grandiosen Bildertheater mit der Geschichte der Familie Wagner und der Deutschlands verbunden. Damit hat sich der Grals-Experte natürlich auch für seinen „Lohengrin“ die Messlatte selbst ziemlich hoch gelegt. Hinter derart hohen Erwartungen konnte er im Grunde nur zurückbleiben, als er jetzt, gemeinsam mit Daniel Barenboim, in Berlin im wahrsten Sinne des Wortes die Puppen tanzen ließ. Und das nicht nur, weil sich ein im Vorfeld vernehmbares Knirschen im Getriebe der Lindenoper am Ende auch auf der Bühne in etlichen Unebenheiten wiederfand. Von einer musikalisch und szenisch glänzenden Wagnergala blieb diese Eröffnungspremiere der traditionellen österlichen Barenboimschen Opernfesttage an der Lindenoper jedenfalls deutlich entfernt.

Vergrößerung in
neuem Fenster

Nun hat es ja gerade „Lohengrin“ mit seiner silbrig strahlenden Aura, dem ominösen Frageverbot, seinen opportunistischen Chören, dem martialischen Waffenrasseln und der vagen Perspektive am Ende durchaus in sich. Stefan Herheim sucht die Annäherung durch eine Distanz im Spielerischen und er nutzt dabei seine Affinität zum Puppentheater. Im Vorspiel sieht man, wie eine Marionette im Habitus des Komponisten die Inspiration zur Musik und den Federkiel für das Notenpapier sozusagen vom obersten Spielführer zugereicht bekommt, wie er dann zu diesen Tönen findet, sich daran berauscht, um schließlich selbst in einem riesigen Gralskelch zu entschwinden. Der senkt sich langsam wie ein Ufo als eine Art geraffte Brecht-Gardine von oben auf den Eichenstumpf mit der Wagner-Puppe herab. Am Ende nimmt Wagner dann, jetzt selbst als der große Strippenzieher, seinen silbern eingerüsteten Wunderritter mit einer gewaltigen Fahrt gen Schnürboden wieder aus dem Spiel. Um ihn dann dem Chor als Parsifal-Marionette vor die Füße knallen und das restliche Bühnenbild einstürzen zu lassen. Als Schlusspointe bleibt dann ein Schild mit der berühmten Aufforderung des Meisters „Kinder, schafft Neues!“

Vergrößerung in
neuem Fenster

Das Spielerische und die Distanz der vorführenden Reflexion stellt Herheim am Anfang des ersten Aktes auch dadurch aus, dass er die Brabanter von ehedem, die vor dem König ihre Probleme ausbreiten, als Berliner von heute zeigt, die mit Transparenten vor einem als Berliner Bär kostümierten Heerrufer ihre Kommentare zur Opernsituation abgeben. Schilder mit „Deutsche“, „Komische“, „Staats“, und „Oper“ werden kombiniert und auch der berühmtestes Ausspruch des Regierenden Bürgermeisters „Das ist auch gut so“ nicht ausgespart. Mit dieser Art von anspielendem Humor, bleibt Herheim vor allem deshalb unter seinem Niveau, weil er folgenlos verpufft. Abgesehen davon wäre zu klären, wer in diesem Spiel dann der König (oder die Königin) wäre.

Vergrößerung in
neuem Fenster

Eigentlich wollte Herheim aber wohl zeigen, dass ein Plot, der mit einem deus ex machina spielt, der nur in Aktion tritt, wenn sein Inkognito gewahrt bleibt, zwar purer Mummenschanz ist, aber wirkungsvoll sein kann, wenn er nur richtig unter die Massen gebracht wird. Der ganze zweite Akt wird so zu einem Jahrmarktstheater mit Bretterbühne, vor Pappkulissen und voller Witzfiguren. Das sah streckenweise sehr nach spätem Konwitschny aus. Es funktioniert vor allem dann, wenn das Demagogische, das den Geheimnisvollen umgibt, schlaglichtartig verdeutlicht wird. Ortrud und Telramund widerstehen anfangs dieser Selbstaufgabe der Brabanter, die sich alsbald dem Wunderzauber in holzgemaserten Nackttrikots quasi ausliefern. Dass ausgerechnet die anfangs scharf beobachtende und verstehende Ortrud dann aber im Quasi-Wahnsinn endet, gehört zu den ungelösten Fragen dieser in mancher Hinsicht anregenden Deutung.

Vergrößerung in
neuem Fenster

Auch musikalisch war dieser „Lohengrin“ von der Faszination der entrückten Klänge entfernt. Barenboim bevorzugte mehr den dramatischen Furor und ließ es mitunter ziemlich krachen. Das kontrastierte nicht so sehr mit Dorothea Röschmann, die als Elsa weniger die glockenklare Reinheit blinden Glaubens zelebrierte, als den von Anfang an brodelnden Zweifel hören ließ, oder der mitunter flammenden Ortrud von Michaela Schuster. Anders bei Klaus Florian Vogt, der nicht nur als silbergerüsteter Lohengrin ein sozusagen außerirdisches Kontinuum im szenischen Gewusel blieb, sondern auch mit seiner hell strahlenden Stimme. Während Gerd Grochowski und Arttu Karaja dem Telramund und dem Heerrufer zu viel schuldig blieben, war Kwanchoul Youn ein verlässlicher König.

FAZIT

Der Regisseur Stefan Herheim ist in Berlin mit seinem Lohengrin szenisch unter den Erwartungen geblieben, die er selbst mit seinem Bayreuther „Parsifal" geweckt hat und auch Daniel Barenboim und die Solisten bleiben dem ganz großen Wagnerfest, trotzt schöner Momente, einiges schuldig.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Daniel Barenboim

Inszenierung
Stefan Herheim

Bühnenbild
Heike Scheele

Kostüme
Gesine Völm

Video
fettFilm (Möller/Hinrichs)

Chorleiter
Eberhard Friedrich


Chor der Staatsoper
Unter den Linden

Staatskapelle Berlin


Solisten

Heinrich der Vogler
Kwangchul Youn

Lohengrin
Klaus Florian Vogt

Elsa von Brabant
Dorothea Röschmann

Friedrich von Telramund
Gerd Grochowski

Ortrud
Michaela Schuster

Der Heerrufer des Königs
Arttu Kataja

Brabantische Edle
Andreas Bornemann
Sefan Livland
Jens-Eric Schulze
Thomas Neubauer

Vier Edelknaben
Anne Halzl
Regina Motz
Ilona Ehlert
Maria-Elisabeth Weiler

Acht Edeldamen
Anne Halzl
Regina Motz
Ilona Ehlert
Maria-Elisabeth Weiler
Rosana Barrena
Konstanze Löwe
Karin Rohde
Ursula Kraemer



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Staatsoper Unter den Linden Berlin
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2009 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -