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Musiktheater
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Manon

Opéra comique in fünf Akten
Text von Henri Meilhac und Philippe E. F. Gille
Musik von Jules Massenet


in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h (eine Pause)

Koproduktion mit dem Theater Hagen

Übernahme-Premiere im Großen Haus der Städtischen Bühnen
am 3. Mai 2008


Logo: Städtische Bühnen Münster

Städtische Bühnen Münster
(Homepage)
Plakative Bilder, raffinierte Musik

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Michael Hörnschemeyer


"Wenn Harmonien wie menschliche Arme sind" und die Melodien „wie Nacken, die von diesen Armen umschlungen werden." (Claude Debussy)

Ein spärlich möblierter Raum, dessen Stahlwände eher an ein Gefängnis als an eine Liebeshöhle erinnern. In schlicht weißem Nachthemd liegt Manon auf dem Bett, spielt mit ihren Zehen und streckt die Füße grazil von sich, ohne von ihrem schreibenden Geliebten bemerkt zu werden. Dieser will seinen Vater bitten, sie heiraten zu dürfen..... Ohne Satin und Spitze ist die Ausgangssituation im zweiten Akt der Inszenierung des Intendanten Wolfgang Quetes, die als Gemeinschaftsproduktion vor zwei Jahren in Hagen (unsere Rezension) und jetzt als Abschlusspremiere dieser Spielzeit in Münster zu sehen ist. Obwohl die Musik ins Sentimentale gleitet, sprühen auf der Bühne keine romantisch-erotischen Liebesfunken wie zwischen Villazón und Netrebko, hier reagiert die schöne, sinnesfreudige Manon wie in dem 1731 erschienenen Roman des Abbé Prévost eher kühl, kokett ablenkend auf das ehrenhafte Heirats-Ansinnen ihres adeligen Geliebten, wohl wissend, vorausahnend, dass sie ihn verlieren werde, wenn sein Vater durch den Brief vom Fluchtort des Sohnes erfährt.

Vergrößerung in neuem Fenster Juhan Tralla (Des Grieux), Julia Neumann (Manon)

Die plakativen Bilder, die Quetes den nicht enden wollenden „Schauern, Erregungen, Liebesausbrüchen“ in der Musik gegenüberstellt, wirken wie starre, distanzierte Genre-Schlaglichter, die selbst in der nach heutigen Kriterien Tabu brechenden Verführungsszene des dritten Aktes keine Gefühle beim Publikum aufkommen lassen. Stattdessen werden den historisierenden Aktbezeichnungen in Münster Zwischentexte in deutscher Sprache an die Seite gestellt. Sie fassen die Prévost - Handlung zusammen, ohne jedoch den Mitleid erregenden Bekenntnischarakter des Sprachstils bei Prévost aufzugreifen. Ergänzt wird das kontrastreiche Konstrukt aus einem Stilgemisch von symbolträchtiger Stahlwand, moderner Lichtregie und Kostümen des 19. Jahrhunderts.

Vergrößerung in neuem Fenster

Jaroslaw Sielicki (Lescaut), Judith Gennrich (Rosette), Elena Hajfiz (Javotte), Chor

Wenn auch im Bild idyllische Vergnügungssucht, Leidenschaft und tragische Liebe scheinbar wertfrei nebeneinander stehen, die musikalische Interpretation von Julia Neumann als Manon ist lebendig und anrührend. Ob in warmer, aufsteigender Legato-Linie oder in kokett verspieltem Abwärtslauf , ihre sängerisch und schauspielerisch facettenreiche Interpretation vor allem der zarten, sensiblen, lebenslustigen Manon („Je suis encore toute étourdie“) hätte keiner Puppe als Accessoire bedurft. Das tenoriale, manchmal etwas angestrengte Timbre von Juhan Tralla erinnert trotz einiger Schluchzer eher an den jugendlichen Helden eines spanischen Abenteuerromans als an einen empfindsamen Verführer. Überzeugend ist auch der kraftvolle, voluminöse Bariton von Jaroslaw Sielicki als draufgängerischer Cousin Lescaut sowie die spritzige Darbietung von Annette Johansson, Judith Gennrich und Elena Hajfiz als Dirnen des Pariser Luxuslebens.

Vergrößerung in neuem Fenster Juhan Tralla (Des Grieux), Julia Neumann (Manon)

Eine in Tempo, Dynamik und Artikulation differenzierte, in Anschaulichkeit und Plastizität überzeugende Interpretation der facettenreichen Klangwelt Massenets bietet das Orchester der Städtischen Bühnen unter der Leitung Hendrik Vestmanns. Ob in sentimentalem, melodischem Schmalz oder neckischen Tänzchen, ob in realistischer Zeichnung der bunten, lauten Betriebsamkeit einer ankommenden Postkutsche oder in der Verdeutlichung theatraler Effekte, geradezu genussvoll lässt er die ständig wechselnden Ausdruckscharaktere im Orchester aufblühen. Laut Debussy warfen die Zeitgenossen Massenet vor, zuviel Sympathie für Mascagni zu haben und Wagner zu wenig zu vergöttern. Massenet, der Manon für die bürgerliche „opéra comique“ komponierte, antwortete darauf, er könne nicht verstehen, warum es besser sein solle, „alten, weltbürgerlichen Wagnerinnen zu gefallen als jungen parfümierten Frauen, selbst wenn sie nicht besonders gut Klavier spielen“.


FAZIT

Wenn der Inszenierung auch das geheimnisvoll Sentimentale einer leidenschaftlichen Liebe fehlt, die Musik hat's!


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Hendrik Vestmann

Regie
Wolfgang Quetes

Ausstattung
Manfred Kaderk

Choreographie
Tomasz Zwozniak

Choreinstudierung
Donka Miteva

Dramaturgie
Ralph Blase


Chor der Städtischen
Bühnen Münster

Statisterie der Städtischen
Bühnen Münster

Sinfonieorchester
der Stadt Münster


Solisten

* Besetzung der Premiere

Manon
* Julia Neumann /
Carmen Acosta

Chevalier Des Grieux
Juhan Tralla

Pousette
Annette Johansson

Javotte
Elena Hajfiz

Rosette
Judith Gennrich

Comte des Grieux
* Plamen Hidjov /
Andrey Valiguras

Lescaut
Jaroslaw Sielicki

Guillot de Morfontaine
Andrea Shin

de Brétigny
Donald Rutherford

Dienerin
Christiana Holzinger

Wirt
Frank Göbel

Gardisten
Christian-Kai Sander /
Zbigniew Mizdrak /
Eduard Cremers

Pförtner
Matthias Klesy

Sergeant
Lars Hübel




Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Städtische Bühnen Münster
(Homepage)



Da capo al Fine

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