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Musiktheater
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Alessandro

Libretto von Pietro Metastasio
Musik von Gian Francesco de Majo

Mannheimer Fassung von Günter Krämer
unter Verwendung der deutschen Libretto-Übersetzung
der Mannheimer Uraufführung von 1766
sowie Texten von Friederike Roth und
Musik von Yogendra und Ramesh Shotham

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 Std. (eine Pause)

Premiere am 31. Mai 2008
im Nationaltheater Mannheim
Besuchte Aufführung am 4. Juli 2008


Homepage

Nationaltheater Mannheim
(Homepage)
Alexander erobert Bollywood

Von Christoph Wurzel / Fotos von Hans Jörg Michel


Die Mannheimer Oper gehört als Teil des Dreispartenhauses „Nationaltheater“ zu den Bühnen im Land mit der größten Bandbreite im Repertoire. Auch im Angebot über die Spielzeit hinweg ist Mannheim kaum zu schlagen. In der vergangenen Saison 2007/2008 gab es insgesamt ein Dutzend Premieren, neun in der Oper plus drei in der „Jungen Oper“. Das wird sich auch in der kommenden Spielzeit so fortsetzen. Als Wiederaufnahmen bzw. Repertoirestücke werden in der Spielzeit 2008/09 nicht weniger als 26 Opern gezeigt, wobei sich der Bogen von der Frühklassik bis in die Gegenwart spannt.

Alexander erobert Indien
und die Opfer müssen Trauer tragen:
Iris Kupke, Katharina Göres,
Cornelia Ptassek und Marie-Belle Sandis

Zu alldem ist das Nationaltheater Mannheim in bruchloser Tradition eines der ältesten noch existierenden Theater Deutschlands und spielt 2008 in der 229. Spielzeit, freilich nicht mehr in dem 1777 errichten Bau, sondern nach dessen Zerstörung durch Bombenangriffe im 2. Weltkrieg in einem funktional nüchternen Haus von 1957. In den Anfangsjahren erlangte die Sprechbühne bekanntlich Berühmtheit durch die Uraufführung von Schillers „Räubern“ (1782). Auf musikalischer Seite reicht die Mannheimer Tradition allerdings noch weiter zurück – bis in die Zeiten der kurfürstlichen Hofoper, die zwischen 1742 und 1778 zu den bedeutendsten Bühnen ihrer Art in Europa zählte. In diesen legendären Zeiten des „Mannheimer Stils“ machte es die vom Kurfürsten Carl Theodor großzügig geförderte Hofkapelle möglich, die besten und prominentesten Komponisten der Zeit nach Mannheim zu holen und für die Hofoper komponieren zu lassen. Aus dem Fundus der damals entstandenen Werke hebt das Nationaltheater seit einigen Jahren verschollene Stücke wieder ans Tageslicht. Zum dritten Mal stand nun eine solche Opernausgrabung auf dem Spielplan: Gian Francesco de Majos „Alessandro“.

Vergrößerung

Der verdoppelte Alexander:
Lars Möller und Daniel Schüßler

Wer kennt heute noch diesen Komponisten? Infolge Krankheit war ihm nur ein kurzes Leben gegönnt. Geboren wurde er 1732 in Neapel und starb ebendort im Jahre 1770. In dieser schmalen Lebensspanne allerdings liegt das anstrengende Leben eines Reise-Komponisten, der in den verschiedenen Musikmetropolen Europas zwar von Erfolg zu Erfolg eilt, aber nie eine ordentliche feste Anstellung findet. So pendelt de Majo zwischen Neapel, verschiedenen italienischen Musikzentren, Wien, Madrid und wieder Neapel hin und her und wird auch zweimal nach Mannheim geholt: 1764 für eine „Ifigenia“–Oper und für „Alessandro nell' India“, um diese 1767 hier zum Namenstag des Kurfürsten aufzuführen.

Der Erfolg muss groß gewesen sein, aber wie es damals fast die Regel war, die Oper verschwand bald von der Bühne, das gesamte Notenmaterial fiel auseinander und es blieben in irgendwelchen Archiven nur die Arien und einige Ensembleteile erhalten. So machte man für die Wiederaufführung nach über 230 Jahren in Mannheim aus der Not ein Programm: Aus dem Material wurde eine Opernrevue gebastelt, denn wenn auch wichtige musikalische Teile fehlen, ein vollständiges Textbuch ist erhalten geblieben. Aus den üblichen Zutaten Liebe, Eifersucht, Verwechslung und Happy End in de Majos Opera seria wurde 2008 der Plot für eine Soap – Opera alla Bollywood.

Vergrößerung Indiens Traumfabrik:
Luches Huddleston jr, Hua Shan-Bär,
Marie-Belle Sandis, Victor Schefé

Viel gab es in der üppigen Ausstattung zu sehen. Im Rollensharing agierten die Protagonisten als Sänger und Schauspieler, die Arien im originalen Italienisch, der Spieltext im karikiert verfremdeten Deutsch des übersetzten Librettos der Uraufführungszeit. Mit Esprit und Witz, etwas Kitsch und viel Glamour wurde zwischen Boulevard und Oper hin- und hergeswitcht. Eingebaut wurden kurfürstliche Durchlaucht nebst Gattin ebenso wie ironische Lyrik über die Oper von Friederike Roth. Mal war man mitten in der Persiflage, mal hart am Rande der Tragödie, souverän hielt die Aufführung das Gleichgewicht eines unterhaltsamen, kurzweiligen Theaterabends.

Vergrößerung

Orchester tacet:
Daniel Schüßler, Traute Höss
und Lars Möller

In der turbulent inszenierten Geschichte drohte allerdings die herrliche Musik bisweilen ins Hintertreffen zu geraten. Das Orchester war auf der Hinterbühne postiert, während vorn das bunte Treiben über die Rampe ging. Tito Ceccherini trieb die Instrumentalisten temperamentvoll zu inspiriertem Spiel an. So wurden die Qualitäten des Komponisten de Majo glänzend präsentiert, die reichen melodischen Erfindungen, die farbenreiche Instrumentierung und ein schwungvoll entfesselter rhythmischer Sog. Ein Feuerwerk brillanter Arien krönte den Abend, voran Cornelia Ptassek mit den rasanten Koloraturen der klugen Königin Cleofide, die sie gestochen scharf funkeln ließ. Mit Bravour perlten Belle-Marie Sandis die Arien des eifersüchtigen Poro aus der Kehle. Auch Iris Kupke als verliebte Erissena, Katharina Göres als wutschnaubender Verschwörer Gandarte und Gundula Schneider (Timagene) kamen mit wirkungsvollen Arien hervorragend zum Zuge. Lars Möller entfalte in der Partie des Alessandro allerdings etwas weniger Temperament. Ergänzend zur barocken Farbe brachten zwei Musiker aus Indien an Sitar, Tabla und Kanjira das gehörige fernöstliche Flair mit ins Spiel.


FAZIT

Die Opera seria wurde ein wenig auf den Arm genommen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Tito Ceccherini

Inszenierung
Günter Krämer

Bühne
Jürgen Bäckmann

Kostüme
Falk Bauer



Bewegungschor des
Nationaltheaters Mannheim

Herrenchor des
Nationaltheaters Mannheim

Orchester des
Nationaltheaters Mannheim
Hammerklavier
Michael Cook


Solisten

Alessandro / Alexander
Lars Möller
Daniel Schüßler (Schauspieler)

Poro/ Porus,
König eines Teils von Indien,
Geliebter der Cleofide
Marie-Belle Sandis
Victor Schefè (Schauspieler)

Cleofide,
Königin eines anderen Teils von Indien,
Geliebte des Porus
Cornelia Ptassek
Traute Hoess (Schauspielerin)

Erissena,
Schwester des Porus
Iris Kupke

Gandartes
General der Armee des Porus
Katharina Göres

Timagenes,
Vertrauter des Alexander und
geheimer Feind desselben
Gundula Schneider

Sitar, Shrutibox, Dan Moi
Yogendra

Tabla, Hang, Konnakol, Kanjira
Ramesh Shotham



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Nationaltheater Mannheim
(Homepage)



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