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Musiktheater
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Cavalleria rusticana

Melodram in einem Aufzug
Dichtung von Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci
Musik von Pietro Mascagni

Pagliacci
Drama in zwei Akten und einem Prolog
Dichtung vom Komponisten
Musik von Ruggero Leoncavallo



Aufführungsdauer: ca 3h (eine Pause)

Gala-Aufführung am 25. November 2007

(Premiere im Opernhaus Köln am 26. Oktober 2002)

Logo: Oper Köln

Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)

Hoher Besuch

Von Thomas Tillmann / Fotos von Klaus Lefebvre

Die nicht eben erfolgsverwöhnte Kölner Intendanz setzt auch in ihrer letzten Spielzeit auf große Namen und hat José Cura nicht nur Inszenierung und Ausstattung des neuen Maskenball im nächsten Jahr angeboten, sondern auch einige Repertoirevorstellungen des berühmten Verismo-Doppelabends (einem Genre, dem der argentinische Tenor sich bereits 1999 bei einem seiner Recitals nicht nur als Canio-, Tonio- und Turridu-Interpret, sondern auch noch als Dirigent gewidmet hat!); das freut die Fans und schont den Reisekostenetat, denn da kann man ja tagsüber schon einmal Details der Verdi-Produktion erörtern.


Vergrößerung in neuem Fenster Santuzza (Dalia Schaechter) bezichtigt Turridu (José Cura) der Untreue mit Lola. An solchen Geschichten ist in Aldens Sizilien natürlich das ganze Dorf interessiert (Chor der Oper Köln).

Aber immerhin enttäuschte der berühmte Gast nicht, sondern fesselte durch seine immense Bühnenpräsenz und seinen urwüchsigen Sexappeal, die Leidenschaftlichkeit und Natürlichkeit seines Spiels und die Unmittelbarkeit seines Singens - selten habe ich vor allem Zuschauerinnen so direkt und heftig auf einen Sänger reagieren sehen. Das dunkel-bronzene Timbre hat sich in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert, dringt kraftvoll-entschlossen und breit ans Ohr und muss Menschen irritieren, die dieses Repertoire nur von leichten Studiostimmen à la Bocelli gesungen kennen (mich verstörten dagegen eher die überflüssigen Schluchzer und Mätzchen beim Verbeugen, die er nicht nötig hätte). Cura gelingt es nicht zuletzt, den Notentext so überzeugend-selbstverständlich wiederzugeben, dass er wie gerade von ihm erfunden wirkt und er damit die beiden Figuren zu wirklichem Leben erweckt (dass er sich beim berühmten "Vesti la giubba" einige rhythmische Freiheiten gestattet, fiel da weniger ins Gewicht), sowohl das verwegene, triebgesteuerte Mannsbild, dem man böse sein möchte und es nicht kann, auch wenn man nicht seine Mutter ist, als auch den in die Jahre gekommenen, frustrierten Komödianten.


Vergrößerung in neuem Fenster Turridu (José Cura) warnt Santuzza (Dalia Schaechter), ihm weiter nachzustellen - sein Interesse gilt im Moment viel mehr Lola, der Frau Alfios, was Santuzza natürlich nicht verborgen geblieben ist.

Niemand wird mir unterstellen, eine besondere Schwäche für die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen zu haben: An Dalia Schaechter habe ich weitaus mehr negative als positive Erinnerungen, ich denke etwa an ihre skandalöse Preziosilla und ihre prekäre Ortrud. Die leidgeprüfte Außenseiterin und Intrigantin Santuzza liegt ihr mehr, da passt auch der üppig-ausladende Ton in Mittellage und Tiefe, da stören die flackernden, mit unverhohlener Kraft der Stimme abgetrotzten hohen Töne weniger als in manch anderer Partie. Die drastisch-plakativen schauspielerischen Mittel indes fesseln manchen Zuschauer mehr als mich. Auch Ausrine Stundyte hielt ich bisher, um ehrlich zu sein, für überschätzt und im zu schweren Fach singend, aber für die Nedda brachte sie nicht nur die attraktive Physis und darstellerische Facetten mit, sondern auch großen Gestaltungswillen, ein apart-eigenwilliges, dunkles Timbre und vokale Fertigkeiten, die bereits ihre Ballatella zum Ereignis machten, auch wenn man sich ab und an ein wenig mehr Volumen in der tieferen Lage gewünscht hätte.

Bruno Caproni ist seit vielen Jahren eine feste Größe als Kavaliersbariton und macht ja auch etwa an der New Yorker Met Karriere; war sein Alfio bei aller Bewunderung für die Unangestrengtheit seines Singens noch etwas blaß und unbeweglich (und der Auftritt rhythmisch sehr nervös), so zeigte er als Tonio alle Facetten seines Könnens und erwies sich auch als packender, komische wie tragische Momente bemerkenswert auslotender Darsteller und Textvermittler, und seine Spitzentöne am Ende des Prologs waren ohnehin eine Klasse für sich.


Vergrößerung in neuem Fenster Beängstigende Stille im Hause Canio: Tonio/Taddeo (Bruno Caproni, links) und Peppe/Arlecchino (Andrés Felipe Orozco Martinez) beobachten voller Entsetzen, wie sich die Spannungen zwischen Nedda/Colombina (Ausrine Stundyte) und Canio/Pagliacco (José Cura) mehr und mehr steigern.

Wirklich gute Arbeit leisteten auch Leandro Fischetti als hier stark aufgewerteter, stets präsenter Silvio mit enormem Bewegungs- und Darstellungspensum, aber auch sehr attraktivem, nicht zu kleinen Tenor sowie Fachkollege Andrés Felipe Orozco Martinez vom Opernstudio als Peppe bzw. Arlecchino mit flexiblem Organ und hoher Pianokultur. Andrea Andonian war eine würdevolle, verhärmte Mamma Lucia mit weitgehend intakten stimmlichen Mitteln, Eva Vogel mit aufreizender Optik und metallisch-herbem Mezzo eine verführerische Lola, und auch die Chöre hatten offenbar genug Proben, um sich auf beide Werke vorzubereiten und auch die nicht geringen schauspielerischen Aufgaben problemlos zu bewältigen. Balász Kocsár, GMD der Stadt Debrecen, animierte das Gürzenich-Orchester bei seinem Hausdebüt zu glutvollem, aber stets kontrolliertem und nie reißerischem Spiel mit vielen schönen Details und unerwarteten Feinheiten und entlockte dem Kollektiv nicht nur in den berühmten Intermezzi wunderbar ausgewogene, atmosphärische, ja mitunter sogar betörende Töne, die man sonst häufig ebenso vermisst wie die Sensibilität in der Sängerbegleitung, die der Ungar an den Tag legte.

Über Christopher Aldens mitunter eigenwillige, besonders beim zweiten Teil aber sehr bühnenwirksame, temporeich-spannende, überraschende und vielschichtige Inszenierung und besonders über Paul Steinbergs eindrucksvolle Bühnenräume für beide Werke hat sich meine Kollegin damals anlässlich der Premiere hinreichend geäußert, Buki Shiffs elegante Kostüme für Pagliacci und das sehr inspirierte Licht von Avi-Yona Bueno verdienen ebenso Erwähnung wie der enervierende Umstand, dass die Übertitel an diesem Abend permanent zu spät kamen und so für niemanden eine Hilfe, sondern nichts als ein Ärgernis waren.


FAZIT

José Cura als Turridu und Canio zu erleben, lohnt sich, aber auch ohne Star freut man sich, dass diese bemerkenswerte Produktion wieder in den Spielplan der Kölner Oper zurückgekehrt ist.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Balázs Kocsár

Inszenierung
Christopher Alden

Bühne
Paul Steinberg

Kostüme
Buki Shiff

Licht
Avi-Yona Bueno (Bambi)

Chor
Andrew Ollivant

Dramaturgie
Christoph Schwandt


Chor, Extrachor und Statisterie
der Oper Köln

Gürzenich-Orchester Köln


Solisten

Santuzza
Dalia Schaechter

Turridu
José Cura

Lucia
Andrea Andonian

Alfio
Bruno Caproni

Lola
Eva Vogel

Nedda, in der Komödie
Colombina

Ausrine Stundyte

Canio, in der Komödie
Pagliaccio

José Cura

Tonio, in der Komödie
Taddeo

Bruno Caproni

Peppe, in der Komödie
Arlecchino

Andrés Felipe Orozco Martinez

Silvio
Leandro Fischetti

Zwei Bauern
Christopher Westerkamp
Henryk Bajer


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)





Da capo al Fine

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