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Die verkaufte Braut

Komische Oper in drei Akten
Text von Karel Sabina
Deutsch von Kurt Honolka
Musik von Bedrich Smetana


in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)


Premiere im Theater Hagen am 12. April 2008

Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)
Ein Bauernoperettenschwank

Von Stefan Schmöe / Fotos von Stefan Kühle (© Theater Hagen)

Gleich dreimal stehen in dieser Spielzeit Neuinszenierungen der Verkauften Braut in der Rhein-Ruhr-Region auf den Spielplänen: Dortmund hatte mit einer uninspiriert sachlichen Regie (Christine Mielitz) begonnen, Krefeld hatte mit einer hintergründig intelligenten Inszenierung (François de Carpentries) nachgelegt. Die dritte Braut gibt es jetzt in Hagen zu sehen, in Szene gesetzt von Uwe Hergenröder: Als boulevardeske Bauernposse.

Das Misstrauen gegenüber dem vermeintlich „Volkstümlichen“ der Oper hat die beiden anderen genannten Produktionen geprägt, und auch Hergenröder schließt sich da an. Nur wählt er einen anderen Weg: Er überzeichnet das Dorfleben zur grellen Karikatur. In bunte Trachten gesteckt und mit allzu roten Bäckchen versehen fassen die Dörfler sich an den Händen und tanzen um eine rote Hütte, die auf der intensiv genutzten Drehbühne den Platz für wirkungsvolle Chorauftritte versperrt, Polka und Furiant mit penetrant lautem Jauchzen, hinter dem das Orchester kaum noch zu vernehmen ist: Uwe Hergenröder öffnet weit die Türen zum Komödienstadl (wobei die Pointen, die der Regisseur setzt, am Premierenabend weitgehend wirkungslos verpuffen). Den ernsten Kern der Oper, die ja haarscharf an der Tragödie vorbeischrabbt (wie man in de Carpentries' Krefelder Inszenierung eindrucksvoll vorgeführt bekommt), nimmt er nicht zur Kenntnis.

Vergrößerung in neuem Fenster Liebesduett auf dem Dach: Marie (Dagmar Hesse) und Hans (Dominik Wortig)

Ausstatter Ulrich Schulz zwängt die Marie in das zu knappe Kleidchen einer pubertierenden Göre mit langen Zöpfen. Sängerin Dagmar Hesse hat in Hagen oft genug bewiesen, dass sie eine großartige und auch sehr attraktive Darstellerin ist – wenn ihr von Regie und Kostüm nicht so übel mitgespielt wird. Diese Rollenauslegung nimmt man ihr nun wirklich nicht ab, denn einerseits ist sie unübersehbar kein infantiler Teenager mehr, andererseits passt die große Stimme (sie hat in Hagen ja auch Partien wie Tosca und die Rosenkavalier-Marschallin gesungen) überhaupt nicht zu einer solchen Auslegung. Sie wirkt wie gelähmt, spielt uninspiriert (oder liegt das an der allzu pauschalen Personenregie?) und ist auch gesanglich nicht ganz stilsicher: Manchmal unentschlossen zwischen liedhafter und dramatischer Gestaltung ist die Intonation in der hohen Lage prekär. Natürlich ist das immer noch eine gute Marie, nach der so manches Theater (z.B. das in Dortmund) neidisch werden könnte, aber ganz das hohe Niveau wie etwa in der genannten Tosca (unsere Rezension) erreicht sie an diesem Abend nicht.

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Humor auf engstem Raum: Krusina (Frank Dolphin Wong, l.), Marie (Dagmar Hesse), Kecal (Rolf A. Schneider) und Ludmilla (Kristine Larissa Funkhauser)

„Liebelei bei jungen Leuten, das hat gar nichts zu bedeuten“ singt Heiratsvermittler Kecal – und selten hatte er so Recht wie hier: Weil Hergenröder alle Figuren ins Lächerliche zieht, gibt es auch keinen Konflikt. Ob nun Marie und Hans zusammenkommen oder nicht, ist der tieftraurigen Musik zum Trotz unerheblich in diesem Schwank. Hans ist äußerlich ein recht derber Handwerker, an dem die Personenregie vorbeigegangen zu sein scheint. Dominik Wortig singt mit seinem lyrischen, durchaus üppigen und strahlenden Tenor sehr schön, dürfte aber ruhig mehr auf sein tragfähiges Piano vertrauen. Manchmal hat man den Eindruck, dass er die Rolle als Probelauf für das jugendlich-dramatische Fach auffasst, wobei er die Stimme in den sehr hohen Passagen „heldisch“ forciert und der Ton eng wird. Seine Stärken liegen im fülligen Klang und warmem Timbre mit einer bruchlos sich anschließenden Höhe, solange diese nicht überstrapaziert wird. Da hat das Theater Hagen einmal mehr ein glänzendes Liebespaar aufzubieten, nur eben leider ohne die passende Liebesgeschichte.

Vergrößerung in neuem Fenster Bierseligkeit in Reih' und Glied: Chor, hinten Hans (Dominik Wortig) und Kecal (Rolf A. Schneider)

Am ehesten noch funktioniert der Schwank, wenn der Heiratsvermittler Kecal auftritt. Rolf A. Schneider gibt ihn mit großem spielerischen wie sängerischem Engagement als bürokratischen Buchhalter mit Aktentasche und Funktionärsbrille, den 60er- oder 70er-Jahren entsprungen. Seine raue, kernige Stimme passt gut zur Rolle und besitzt Durchschlagskraft und Präsenz. Die Inszenierung hat hier einen Hang zur Klamotte, etwa wenn Kecal in der stilisierten Nachkriegswohnung (mit Stehlampe und Familienfoto) von Kruschina und Ludmilla den Verheiratungsvertrag durchspricht, und die drei, wenn Marie hinzu kommt sogar vier, sich auf dem viel zu kleinen Sofa um die Plätze balgen. Überzeichnet ist die Figur des stotternden Wenzel, den Marie heiraten soll – Richard van Gemert singt mit markantem Spieltenor und bewusst weinerlichem Gestus, wie es die Auslegung als Volltrottel verlangt.

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Kindereien: Wenzel (Richard van Gemert) und Marie (Dagmar Hesse)

Ziemlich blass bleiben die Sänger der kleineren Partien. Das betrifft insbesondere das wunderbare, hier aber ziemlich inhomogene Sextett im dritten Akt („Überleg's dir, Marie“), bei dem Frank Dolphing Wong (in anderen Passagen ein präsenter Krusina), Kristina Larissa Funkhauser (eine uneinheitliche Ludmilla), Marilyn Bennett (ungewöhnlich blass als Háta) und Nikolai Miassojedov (als Micha mehr sprechend als singend) stimmlich überhaupt nicht zueinander finden. Der von Uwe Münch und Roland Vieweg einstudierte Chor und Extrachor singt aufmerksam und präzise, aber reichlich undifferenziert laut. Was man dem gesamten Ensemble allerdings anrechnen muss ist die gute Textverständlichkeit.

Mit den Sängern, die Choristen eingeschlossen, hat Dirigent Antony Hermus offenbar ziemlich wenig (oder wenig erfolgreich) gearbeitet – was angesichts der sehr ordentlichen und nuancierten Orchesterleistung verwundert. Furios musiziert ist die Ouvertüre, rhythmisch federnd und zupackend. Danach nimmt Hermus das Orchester sehr stark zurück, beschränkt sich ganz auf die Rolle des Begleiters – das machen das Philharmonische Orchester Hagen sehr schön und kultiviert, dürfte aber ruhig mehr Akzente setzen. Fast könnte man meinen, Hermus wolle sich mit einer feinen, subtilen musikalischen Interpretation vom tumben Bühnengeschehen distanzieren. Damit kommt er dem Anspruch des Werkes jedenfalls viel näher als die oberflächliche Regie.


FAZIT

Hier wird die Braut an die Klamotte verkauft – der Spaß des Premierenpublikums hielt sich in engen Grenzen. Das wirft leider, einem stimmgewaltigen Liebespaar und einem sensiblen Dirigenten (und gutem Orchester) zum Trotz, lange Schatten auf die Musik.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Antony Hermus

Inszenierung
Uwe Hergenröder

Ausstattung
Ulrich Schulz

Kostüme
Christiane Luz

Choreinstudierung
Uwe Münch
Roland Vieweg

Dramaturgie
Maria Hilchenbach

Opernchor und Extrachor
des Theater Hagen

Philharmonisches
Orchester Hagen


Solisten

* Besetzung der Premiere


Krusina
Frank Dolphin Wong

Ludmilla
Kristine Larissa Funkhauser

Marie
Dagmar Hesse

Tobias Micha
Nikolaj MIassojedov

Háta
Marilyn Bennett

Wenzel
* Richard van Gemert /
Jeffery Krueger

Hans
Dominik Wortig

Kecal
Rolf A. Schneider

Zirkusdirektor
Jürgen Dittebrand /
* Johannes Preißiger

Esmeralda
Tanja Schun

Indianer
* Dirk Achille /
Wolfgang Niggel


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Hagen (Homepage)




Da capo al Fine

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