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Ariane et Barbe-Bleue
(Ariane und Blaubart)

Märchen in drei Akten
Text von Maurice Maeterlinck
Musik von Paul Dukas


In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden (eine Pause)

Premiere an der Oper Frankfurt am 10. Februar 2008

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Oper Frankfurt
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Angst vor der Freiheit

Von Konstanze Führlbeck / Fotos von Wolfgang Runkel

Dirk Beckers weiträumige Bühne ist eine hermetisch geschlossene Welt, in kalten, hellen Blautönen gehalten. Hier treffen die Archetypen von Mann und Frau aufeinander in Sandra Leupolds Inszenierung von Paul Dukas' Ariane et Barbe-Bleue an der Oper Frankfurt. In seiner selbst geschaffenen Einsamkeit gefangen, scheitert Blaubart (Dietrich Volle) bei der Kontaktaufnahme zu Ariane (Katarina Karnéus), der ihre Amme (Julia Juon) vergeblich die immanente Gefahr darlegt, die ihr Wunsch nach Nähe und Vereinigung birgt. Auf der resoluten Suche nach Blaubarts Geheimnis entdeckt Ariane seine früheren Frauen, ihre Vorgängerinnen: In einer durchsichtigen Wand hängen sie, paralysiert, in transparenten Ranken, in sie verschränkt, selbst ein Teil der Mauer geworden.

Szenenfoto Rätselbild: Entdecken Sie Blaubart? Richtig, in der Wand, untere Reihe, zweiter von links (Dietrich Volle). Im weißen Kleid Ariane (Katarina Karnéus), rechts La Nourrice (Julia Juon)

Die unberührbare Starre dieser Frauen, die nie wirkliche Leidenschaften gelebt haben, und ihr ängstliches Warten auf irgendetwas - auf eine Freiheit, die sie überfordert - inszeniert Sandra Leupold durch unnatürliche, hölzern-verspannte Haltungen. Diese Frauen können mit der von einem prophetischen Sendungsbewusstsein als Befreierin getriebenen Ariane ebenso wenig anfangen wie Blaubart, weil sie vor der Konfrontation mit sich selbst, mit ihrer eigenen Persönlichkeit in panischer Erstarrtheit zurückschrecken. Auch die in Gestalt der aufständischen Bauern einbrechende Außenwelt rüttelt sie nicht aus ihrer Selbstbefangenheit auf, tangiert sie überhaupt nicht.

Szenenfoto

So sieht er von Nahem aus: Barbe-Bleue (Dietrich Volle); rechts sitzt Ariane (Katarina Karnéus)

Die Stärke von Sandra Leupolds Konzept liegt in seiner Stringenz: Eine bewusst reduzierte Personenführung, sparsame symbolische Gesten und fast schon zeitlupenähnliche Bewegungen veranschaulichen die Beziehungslosigkeit und die erstorbenen Wünsche und Gefühle der Menschen in diesem großen, undurchlässigen Raum ebenso nachdrücklich wie die Musik von Paul Dukas: Motivisch um sich kreisende modale Archaismen kontrastieren mit einem tonmalerisch aufblühenden symphonischen Orchestersatz, dessen Farbenreichtum das Orchester unter dem differenzierten Dirigat Paolo Carignanis mitreißend zur Geltung bringt. Die Sänger gestalten ihre Rollen stimmlich wie darstellerisch überzeugend: Katarina Karnéus' Ariane bricht selbstbewusst in ihr neues Leben als Frau auf, ihr warmes Stimmtimbre harmoniert mit den Klangfarben der Partitur. Dietrich Volle interpretiert die seltsame Farblosigkeit Blaubarts in subtilen, leisen Nuancen. Julia Juon (Amme), Stella Grigorian (Sélysette), Barbara Zechmeister (Mélisande), Britta Stallmeister (Ygraine) und Nina Schubert (Bellangère) runden ein stimmiges Ensemble ab.


FAZIT
Eine sehens- und hörenswerte Aufführung, die die schwierige Aufgabe der Inszenierung eines statischen Werkes mit weitgehend innerer Handlung ansprechend löst und eine seltene Chance, ein Musiktheaterstück außerhalb des Repertoires auf hohem musikalischem Niveau live kennen lernen zu können.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Paolo Carignani

Regie
Sandra Leupold

Bühnenbild
Dirk Becker

Kostüme
Mareike Uhlig

Video
Peer Engelbracht

Licht
Olaf Winter

Chor
Allesandro Zuppardo

Dramaturgie
Zsolt Horpácsy




Chor der Oper Frankfurt

Museumsorchester Frankfurt


Solisten

Ariane
Katarina Karnéus

Barbe-Bleue
Dietrich Volle

La Nourrice
Julia Juon

Sélysette
Stella Grigorian

Mélisande
Barbara Zechmeister

Ygraine
Britta Stallmeister

Bellangère
Nina Schubert

Alter Bauer
Franz Mayer

Zweiter Bauer
Constantin Neiconi

Dritter Bauer
Zoltán Winkler



Weitere Informationen


Oper Frankfurt
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