Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



La Traviata

Melodramma in drei Akten
Text von Francesco Maria Piave
nach dem Drama La Dame aux camélias von Alexandre Dumas d. J.
Musik von Giuseppe Verdi

in italienischer Sprache
Aufführungsdauer: ca. 3h 30' (zwei Pausen)

Repertoireaufführung im Stadttheater Duisburg am 8.1.2008

Premiere am 18. September 1998 im Opernhaus Düsseldorf
Koproduktion mit der Opéra National / Théâtre Royal de la Monnaire, Brüssel


Homepage

Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)
Zauber der leisen Töne

Von Stefan Schmöe / Fotos von Eduard Straub

Seit 1998 steht die Traviata in der Ausstattung und Inszenierung von Ursel und Karl-Ernst Herrmann auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein. In großen, „sprechenden“ Bildern wird die Geschichte im Ansatz konventionell, aber durchaus eindrucksvoll nacherzählt, und die durchdachten Auf- und Abtritte tritte sorgen dafür, dass trotz großen Ausstattungstheaters, das hier zweifellos geboten wird, die Personenregie nicht hausbacken wirkt, selbst wenn die Sängerbesetzung wechselt und das gestische Repertoire auf ein paar Standardbewegungen reduziert ist. Insofern ist die Produktion ein Musterbeispiel für funktionierenden Repertoirebetrieb.

Foto kommt später

Violetta (Nataliya Kovalova)

Für die laufende Aufführungsserie im Stadttheater Duisburg steht mit Nataliya Kovalova eine Sängerin aus dem hauseigenen Ensemble im Mittelpunkt, die am Rhein nicht zu Unrecht als Star akklamiert wird. Die Ukrainerin besitzt einen samtig-dunkel timbrierten, warmen und raumfüllenden Sopran, der insbesondere mit substanzvollem Piano und Pianissimo beeindruckt. Problematisch ist allerdings die hohe Lage, in der die Töne oft schwerfällig einschwingen und dadurch unsauber und unkontrolliert klingen. In anderen Produktionen hat die Sängerin gezeigt, dass sie auch zur dramatischen Attacke fähig ist. In der Partie der Violetta allerdings konzentriert sie ihre Energie fast vollständig auf die lyrischen Momente des zweiten und vierten Bildes. Im ersten und dritten Bild - die dadurch erheblich an Spannung einbüßen - wirkt sie merkwürdig neutral, als käme es nicht so genau darauf an, was hier gesungen wird. Dramatische Akzente fehlen fast gänzlich. Überhaupt geht die Rollengestaltung vollständig in Wohlklang auf, Vorbild dafür ist offensichtlich die perfekt schöne, aber ebenfalls undramatische Interpretation Anna Netrebkos (deren Cover-Besetzung bei den Salzburger Festspielen 2005 Nataliya Kovalova gewesen ist). Das hat den Reiz, dass vieles in der Tat wunderschön klingt – um den Preis, dass mehr Wunschkonzert als Musiktheater geboten wird.

Foto kommt später Violetta (Nataliya Kovalova) und Alfredo (Sergej Khomov)

Der Alfredo ist mit Sergej Khomov (der bereits bei der Premiere 1998 gesungen hat) sehr leichtgewichtig besetzt. Khomov besitzt eine lyrische und bewegliche Tenorstimme, höhensicher und elegant geführt – das wäre, so der Eindruck an diesem Abend, großartig für einen Operettentenor (und das ist hier keinesfalls abwertend gemeint). Auch wenn der Alfredo keine richtig „schwere“ Stimme erfordert, müsste doch mehr Gewicht dahinter sein, um die Tragödie deutlich zu machen. Ambivalent bleiben ebenfalls – wenn auch vor ganz anderem Hintergrund – die Eindrücke bei Tassis Christoyannis, der den Giorgio Germont singt: Die jugendliche Ausstrahlung des Sängers, optisch wie stimmlich, lassen ihn eher wie einen Freund Alfredos denn wie dessen Vater erscheinen. Die Stimme ist relativ schlank und im Charakter durch ein schnelles Vibrato mehr drängend als sonor – was jede Altväterlichkeit, die der Rolle so oft anhängt (in gewissem Maß aber unverzichtbar ist), unterbindet.

Foto kommt später

Violetta (Nataliya Kovalova) und Giorgio Germont (Tassis Christoyannis)

So bleiben drei Sänger(innen), die jede(r) für sich (mit kleinen Abstrichen) überzeugen, aber doch im Zusammenklang und in der musikalischen Interpretation nicht ganz glücklich aufeinander abgestimmt sind. Ein klares musikalisches Konzept ist auch orchestral nicht auszumachen. Dirigent Robert Reimer kann mit den (von ganz kleinen Unaufmerksamkeiten abgesehen) exzellenten Duisburger Philharmonikern vor allem in den leisen Streicherpassagen einigen Klangzauber entwickeln, so auch gleich in den ersten Tönen des Vorspiels, die klanglich sehr sorgfältig austariert sind und eine wunderbare, wahrhaft entrückte Atmosphäre erzeugen. Schwieriger wird es, sobald die „Um-ta-ta-ta“-Begleitung einsetzt – das gerät (nicht nur hier) eine Spur zu klobig. Und während Giorgio Germonts notorisch sentimenatlitätsgefährdete Wunschkonzertnummer „Di proveza, il mar, il suol“ angenehm flott und unprätentios musiziert wird, gleitet Violettas arg überdehnter Abschied von Alfredo „Amami Alfredo“ – immerhin eine Schlüsselstelle der Oper – in melodramatischen Kitsch ab. Außerdem problematisch ist das Zusammenspiel von Orchester und Chor, der zwar präsent und klangschön singt, aber ziemlich oft rhythmisch ungenau bleibt.


FAZIT

Eine immer noch sehenswerte Produktion, musikalisch mehr den schönen Stellen (die oft wirklich sehr schön gelingen) als einer dramatisch und logisch schlüssigen Gesamtinterpretation verpflichtet.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Robert Reimer

Inszenierung
Ursel und Karl-Ernst Hermann

Bühne, Kostüme, Licht
Karl-Ernst Hermann

Chor
Christoph Kurig

Choreographie
Pierre Boisserie


Der Chor der
Deutschen Oper am Rhein

Statisterie der
Deutschen Oper am Rhein

Bühnenmusiker der
Deutschen Oper am Rhein

Die Duisburger Philharmoniker


Solisten

Violette Valéry
Nataliya Kovalova

Flora Bervoix
Nassrin Azarmi

Annina, Violettas Dienerin
Monique Simon

Alfredo Germont
Sergej Khomov

Giorgio Germont, sein Vater
Tassis Christoyannis

Gastone, Visconte von Letorières
Alexandru Ionitza

Baron Douphol
E. Lee Davies

Marchese D'Obigny
Peter Nikolaus Kante

Dottor Grenvil
Daniel Djambazian

Giuseppe, Violettas Diener
Shin-Deock Kang

Commissionario
Romualdas Urbonas

Ein Diener Floras
Romualdas Urbonas






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2008 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -