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Musiktheater
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Tannhäuser

Große romantische Oper in drei Aufzügen
Text und Musik von Richard Wagner

Pariser Fassung


in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 4h 15' (zwei Pausen)

Repertoireaufführung im Opernhaus Düsseldorf am 22. Dezember 2007


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Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)
Innenansichten

Von Stefan Schmöe / Foto von Eduard Straub

Hans Hollmanns Düsseldorf-Duisburger Tannhäuser aus dem Jahr 1995 projiziert die Handlung als extreme Innenansicht der Titelfigur. Im Einheitsbühnenbild sitzt Tannhäuser immer wieder unbeweglich auf einem Stuhl inmitten eines abgeschlossenen zylinderförmigen Turmes, an dessen Rückwand sich spiralförmig eine Galerie empor schlängelt. Auf einen halbdurchsichtigen Projektionsvorhang werden Videosequenzen eingeblendet, die das Gesicht, teilweise nur die Augen Tannhäusers in extremer Vergrößerung zeigen. Man schaut ganz bildlich in den Kopf des Künstlers hinein. Die Premiere war seinerzeit ganz auf den damaligen Tannhäuser-Darsteller Wolfgang Schmidt mit seiner markanten Physiognomie ausgerichtet, das macht die Wiederaufnahme mit einem anderen Sänger problematisch: Alfons Eberz, der aktuell die drei Düsseldorfer Repertoirevorstellungen singt, wirkt optisch weniger charakteristisch als Schmidt, wobei die Aufnahmen wohl auch weniger sorgfältig hergestellt worden sind als zur Premiere. Wenn die Erinnerung nicht täuscht, sind diese Videosequenzen inzwischen im Umfang deutlich reduziert, dazu schlecht auf das Raumlicht abgestimmt – jedenfalls haben sie an Bedeutung für die Aufführung abgenommen, und damit kippt auch das ästhetisch strenge Regiekonzept Hollmanns. Rechtfertigten gerade diese Einblendungen den ansonsten vorherrschenden abstrahierenden Minimalismus, so fehlt jetzt diese konzeptionelle Klammer. Vieles sieht dadurch aus wie eine konzertante Aufführung in Kostümen.

Sängerisch stand die hier besprochene Aufführung unter keinem guten Stern. Zwar hat der in den großen Wagner-Partien vielbeschäftigte Alfons Eberz durchaus das stimmliche Material (weniger die Technik); die früher sehr grelle Stimme ist weicher geworden, dazu moderat abgedunkelt, verfügt über Höhe und Strahlkraft und Durchhaltevermögen. Dem gegenüber steht eine oft ungenaue Tongebung (der Sänger mogelt sich irgendwie in den Ton hinein) und eine gummiartige Artikulation, die den Text durch die eigenwillige Aussprache der Konsonanten oft unfreiwillig parodiert. Auch rhythmisch nimmt sich Eberz Freiheiten, die eher dem Jazz als dem Tannhäuser angemessen wären. Er bemüht sich durchaus um eine durchdachte Interpretation, singt viele Passagen in einem Tonfall, der wohl als Ironie zu verstehen sein soll (und an entsprechenden Stellen mangelt es in dieser Oper wahrlich nicht), aber zu einem chanson- oder operettenhaften Anschleifen der Töne und zu einer ungewollten Weinerlichkeit führt.

Foto kommt später

Sängerkrieg, abstrakt: Tannhäuser (Alfons Eberz) und Chor

Annette Seiltgen, die in Düsseldorf viele Partien bravourös gestaltet hat (im Vorjahr etwa den Sesto in La Clemenza di Tito und noch einen Sesto, nämlich in Giulio Cesare), tut sich und dem Publikum mit der Partie der Venus keinen Gefallen – die Stimme ist viel zu klein, dadurch permanent zum Forcieren genötigt und in der Folge eng und überhaupt nicht wandlungs- und nuancierungsfähig. (Rätselhaft auch, warum die Partie des Walther von der Vogelweide mit dem versierten und sehr schön singenden, aber stimmfachlich wie stilistisch deplatzierten Barock- und Mozarttenor Corby Welch besetzt ist.) Bestenfalls solide ist die Elisabeth von Ricarda Merbeth, die ihre für die Partie recht kleine Stimme mit ausladendem, ziemlich mechanischem und dadurch die Ausdrucksmöglichkeiten beschneidendem Vibrato vergrößert. Der kernige Landgraf von Hans-Peter König liefert nicht unbedingt eine sehr subtile Interpretation, bewältigt aber stimmlich die Anforderungen mühelos und mit hoher Präsenz. Das gilt an normalen Tagen wohl auch für den Wolfram von Bodo Brinkmann, der an diesem Abend von einer üblen Erkältung überrascht wurde, die ihm immer wieder regelrecht die Stimme verschlug. Man muss dem Sänger hohe Achtung zollen, dass er tapfer bis zum Ende sang – andere Kollegen lassen sich mit weitaus kleineren Indispositionen entschuldigen. In den nicht vom Husten verschluckten Passagen deutete sich an, dass Brinkmann ohne gesundheitliche Einschränkungen einen sehr noblen, altersweisen Wolfram gestaltet, mit großer und klarer Stimme.

Es hätte ein ganz großer Abend werden können, wenn alle Partien auf dem Niveau Hans-Peter Königs oder eines gesunden Bodo Brinkmann besetzt worden wären, denn unter der Leitung von Altmeister Hans Wallat laufen die Düsseldorfer Symphoniker zu großer Form auf. Das Orchester besitzt nicht die Perfektion der benachbarten und allseits hochgejubelten Essener Philharmoniker, und die Musiker leisteten sich auch hier vereinzelt Unkonzentriertheiten, aber der Klang ist weniger steril als bei den „Essenern“ und ungemein differenziert aufgebrochen. Besonders die Holzbläser dürfen sich frei entfalten, wobei Wallat immer wieder die Mittelstimmen betont und den Klang dadurch gleichsam von innen heraus auffüllt. Der Dirigent wählt ruhige und breite Tempi, nicht unbedingt sängerfreundlich, aber mit dem langen Atem für die symphonische Entwicklung und viel Ruhe für das musikalische Detail. Der Spannungsbogen reißt aber nie ab. Wallat beflügelt die Musiker auch zur schwungvollen orchestralen Attacke, etwa im Vorspiel zu Elisabeths „Hallen-Arie“ – und das Orchester erweist sich als sehr flexibel, wenn sich der musikalische Tonfall ändert. Da scheint es immer noch so etwas wie blindes Verständnis zwischen Orchester und seinem ehemaligen Chefdirigenten (diesen Posten bekleidete Wallat von 1986 – 95) zu geben. Wallat dirigiert die Oper aus dem Blickwinkel des späten Wagner (gespielt wird die unter dem Einfluss von Tristan und Isolde überarbeitete „Pariser“ Fassung), betont die Modernität des nachträglich komponierten Venusberg-Bacchanals und rückt den (sehr ruhig genommenen) Schluss in die Nähe des Parsifal. Chor und Extrachor (Einstudierung: Gerd Michalski) bestechen durch sauberen, auch im Piano tragfähigen und intonationssicheren Klang; Probleme gibt es mitunter mit der Übernahme des richtigen Tempos.


FAZIT

Unbedingt hörenswert wegen Hans Wallat – aber auch (fast) nur deswegen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Hans Wallat

Inszenierung
Hans Hollmann

Bühne
Hans Hoffer

Kostüme
Dirk von Bodisco

Licht
Volker Weinhardt

Chor
Gerhard Michalski

Choreographie
Heinz Spoerli


Statisterie der
Deutschen Oper am Rhein

Schüler der Ballettschule der
Deutschen Oper am Rhein

Ballett der
Deutschen Oper am Rhein

Chor und Extrachor der
Deutschen Oper am Rhein

Die Düsseldorfer
Symphoniker


Solisten

Herrmann, Landgraf
Hans-Peter König

Tannhäuser
Alfons Eberz

Wolfram von Eschenbach
Bodo Brinkmann

Walther von der Vogelweide
Corby Welch

Biterolf
Oleg Bryjak

Heinrich der Schreiber
Wilhelm Richter

Reinmar von Zweter
John In Eichen

Elisabeth
Ricarda Merbeth

Venus
Annette Seiltgen

Ein junger Hirt
Marianne Folkestad Jahren

Edelknaben
Stefanie Blenskens
Silvia Mauer
Claudia Hildebrand
Manuela Kunze

Tänzer (Solo-Paar)
Daniela Svoboda
Sergei Ignatjev






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)



Da capo al Fine

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