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Die Meistersinger von Nürnberg

Oper in drei Aufzügen
Text und Musik von Richard Wagner


in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Aufführungsdauer: ca. 6 h (zwei Pausen)

Repertoireaufführung im Opernhaus Düsseldorf am 23.03.2008

Premiere am 25.9.1983 im Opernhaus Düsseldorf
Premiere der Neueinstudierung am 10.10.1999 im Stadttheater Duisburg


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Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)
Meistersinger-Glanz in Fachwerkromantik

Von Stefan Schmöe / Fotos von Eduard Straub

Innerhalb von ein paar Tagen den Parsifal (unsere Rezension) und die Meistersinger von Nürnberg aus dem Repertoire auszugraben und auf die Bühne zu stellen, dazu musikalisch mehr als achtbar, ist eine Leistung, zu der nicht allzu viele Theater fähig sind – die Deutsche Oper am Rhein besinnt sich da offenbar auf zuletzt in Vergessenheit geratene Tugenden eines Repertoirebetriebs und schickt sich an, die große Wagner-Tradition vergangener Jahre wiederzubeleben. Fast mehr als das gute musikalische Niveau überrascht die sorgfältige szenische Einstudierung, denn das Ensemble legt in der nostalgischen Inszenierung von Heinz Lukas-Kindermann mit seinem ungebrochenen Butzenscheiben-Nürnberg (die aus dem Jahr 1983 datiert, aber bereits damals einen – sehr ansehnlichen und beim Publikum äußerst beliebten – Anachronismus dargestellt haben dürfte) viel Spielwitz an den Tag und verrät durch Bühnenpräsenz und (auch musikalisch) kluge Gestaltung mehr über das Stück als manche ambitionierte Regietheater-Produktion. Im Übrigen gilt nach wie vor, was wir über die Neueinstudierung vom Oktober 1999 geschrieben haben: Ganz bruchlos ist das Idyll nicht (zu unserer Rezension).

Foto kommt später

Crash-Kurs im Meistergesang: David (Norbert Ernst, r.) informiert Stolzing (hier: Wolfgang Schmidt) über die Grundregeln

Chefdirigent John Fiore poltert ziemlich derb los; den genauen Tonfall zwischen Bodenständigkeit der Handwerksmeister und festlicher Eleganz sucht er zumindest im Vorspiel vergeblich, und was klangliche Raffinesse betrifft, hat man sicher schon nuanciertere Aufführungen gehört. Auch dürften die Bläser der insgesamt ordentlichen Düsseldorfer Symphoniker geschmeidiger, die Streicher zupackender spielen. Aber Fiore gelingt es ganz ausgezeichnet, Spannung aufzubauen und zu halten. Die Musik geht flüssig voran, wobei Fiore ein Gespür für große Bögen besitzt. Vor allem der dritte Akt gelingt ihm ganz ausgezeichnet, plastisch und griffig im Detail, atmend in der Begleitung der Sänger und mit einer großen Steigerung auf das Quintett hin. Warum es am Ende einige hartnäckige Buh-Rufe für den Dirigenten gab, war nicht nachvollziehbar. Andererseits hat das Düsseldorfer Publikum zuletzt oft genug biederes Mittelmaß emotionslos hingenommen; ein paar Turbulenzen beim Schlussapplaus zeigen vielleicht auch, dass diese Meistersinger nicht spurlos vorüber gehen. Und zumindest eines muss sich Fiore ankreiden lassen: Oft ist das Orchester bedenklich laut und zwingt die Sänger zum Forcieren.

Foto kommt später Pogner (hier: Hans-Peter König, r.) und Stolzing (hier: Wolfgang Schmidt)

Auch Hartmut Welker, Sänger des Hans Sachs, sah sich neben kräftigen Ovationen ein paar vereinzelten Missfallensbekundungen ausgesetzt – trotz einer famosen, in sich schlüssigen Interpretation. Welker ist ein vitaler, energischer und auch glaubhaft zorniger Sachs ohne die altväterliche Attitüde, die der Figur sonst oft anhaftet. Die Intonation ist nicht immer ganz exakt, aber die Partie ist mit hoher Präsenz und dramatischer Kraft gesungen – wobei Welker sich im dritten Akt (nachdem er zuvor einen rabenschwarzen „Wahn“-Monolog gesungen hat, wie man ihn in solcher Schärfe selten hört) spürbar verausgabt, aber mit solider Technik und Routine dennoch gut über den Schlussmonolog hinüber kommt. Stefan Heidemann ist als klangschöner und eleganter, auch im Detail sehr sorgfältig artikulierender Beckmesser ein seriöser, ernst zu nehmender Gegenspieler – eine tragische Figur, ohne dass Heidemann deshalb die komödiantischen Elemente unterschlägt. Man gönnt es ihm, dass er am Ende versöhnt zu den Meistersingern zurückkehren kann.

Von Herbert Lippert, der mit recht enger und ziemlich kleiner, aber höhensicherer und wendiger Stimme den Stolzing singt, würde man sich eine weniger schlampige Deklamation wünschen. Der Rollenwechsel vom versierten Mozart- zum jugendlich-dramatischen Heldentenor fordert da offenbar Tribut. Der David (den Lippert in der Vergangenheit sehr erfolgreich gesungen hat) scheint die seiner Stimme angemessenere Partie zu sein – die ist hier mit Norbert Ernst (der die Rolle auch in Bayreuth singt) ganz hervorragend besetzt, sehr agil und wendig und sorgfältiger Nuancierung, wobei Ernst eine leuchtend helle, durchsetzungsfähige Stimme besitzt. Überfordert ist dagegen Dagmar Schellenberger als Eva, die zwar im Rahmen ihrer stimmlichen Möglichkeiten (die nicht auf Wagner dimensioniert sind) engagiert singt, aber permanent forcieren muss und deshalb kaum zu differenzierter Gestaltung fähig ist. Mit schlanker Stimme, aber punktgenau gestaltet Sami Luttinen den Pogner. Thorsten Grümbel als Kothner und Monique Simon als Magdalene runden solide ein gutes Ensemble ab, in dem sich die Meistersinger hübsch die Bälle musikalischen Bälle zuspielen. Exzellent (wie schon im Parsifal) singt der von Gerhard Michalski bestens einstudierte Chor.


FAZIT

Eine mit kleinen Abstrichen musikalisch wie szenisch exzellente Repertoire-Aufführung.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
John Fiore

Regie
Heinz Lukas-Kindermann

Bühne
Günther Schneider-Siemssen

Kostüme
Inge Diettrich

Chor
Gerhard Michalski

Spielleitung
Patrick Wurzel



Chor und Extrachor der
Deutschen Oper am Rhein

Statisterie der
Deutschen Oper am Rhein

Die Düsseldorfer Symphoniker

Bühnenmusik und Orgel
Whitney Reader


Solisten

Hans Sachs
Hartmut Welker

Veit Pogner
Sami Luttinen

Kunz Vogelgesang
Markus Müller

Konrad Nachtigall
John In Eichen

Sixtus Beckmesser
Stefan Heidemann

Fritz Kothner
Thorsten Grümbel

Balthasar Zorn
Manfred Fink

Ulrich Eisslinger
Alexander Ionitza

Augustin Moser
Bruce Rankin

Hermann Oertel
Rolf Broman

Hans Schwarz
Bernd Gebhardt

Hans Foltz
Michail Milanov

Walther von Stolzing
Herbert Lippert

David
Norbert Ernst

Eva
Dagmar Schellenberger

Magdalena
Monique Simon

Nachtwächter
Mario Klein






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)



Da capo al Fine

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