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Don Giovanni

Dramma giocoso in zwei Akten
Dichtung von Lorenzo Da Ponte
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 15' (eine Pause)

Premiere im Theater an der Wien am 20. Juli 2006


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Theater an der Wien
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In Klamauk versenkt

Von Rainhard Wiesinger / Fotos von Armin Bardel und Rolf Bock



Vergrößerung Giovannis Höllenfahrt: Gerald Finley (Foto: Armin Bardel)

Nun hat also auch Wien neben den konventionellen Produktionen an Staats- und Volksoper eine sogenannte zeitgemäße und noch dazu begeistert akklamierte (!) Auslegung des Werks. Keith Warner ignoriert von Beginn an Zeit sowie Ort des Librettos und lässt die Geschichte in einem modernen Hotel spielen, in dem Leporello als tölpelhafter Portier sein Dasein fristet. Zentrum der Bühne ist ein Fahrstuhl, der immer wieder zum Schauplatz von Giovannis Treiben wird. Um wenigstens am Ende des ersten Akts die Kurve zu einem opulenten historischen Ausstattungsspektakel zu kratzen, verkündigen schon zu Beginn Plakate einen anstehenden Maskenball. Über die Psychologie der Figuren lernt man an diesem Abend kaum Neues, genauso wenig darf man die Logik des Konzepts im Zusammenhang mit Da Pontes Text hinterfragen. Völlig im dunklen bleibt der Sinn des zweiten Finales, in dem Don Giovanni und Leporello als gebrechliche Greise gemeinsam mit gesichtslosen Puppen tafeln. Je nach Temperament und Laune fühlt man sich durch Warners Gags allerdings immer wieder gut unterhalten.

Wesentlich interessanter verläuft da schon die musikalische Seite der Produktion: Bertrand de Billy widmete sich ausführlich der Frage nach der Wiener Fassung, die ja bekanntlich deutlich von der der Prager Uraufführung abweicht. So endet nun die Oper ohne Sextett mit Don Giovannis Höllenfahrt, weiters bekommt man im zweiten Akt ein nie gespieltes Duett zwischen Leporello und Zerlina zu hören, allerdings muss man auf Don Ottavios „Il mio tesoro intanto“ ebenso verzichten wie auf Leporellos „A pieta signori miei“.

Vergrößerung

Gerald Finley als Giovanni (links), Hanno Müller-Brachmann als Leporello (Foto: Rolf Bock)

De Billy spult die Partitur mit Sinn für Lebendigkeit und dramatische Akzente ab, das Radiosymphonie-Orchester gefiel an diesem Abend dank des erstaunlich federnden Spiels der Streicher. Dass im selben Haus noch vor wenigen Jahren Riccardo Muti dieselbe Oper mit den Philharmonikern musizierte, sollte man sich derzeit freilich nicht in Erinnerung rufen. Im Gegensatz zu Muti steht de Billy mit Gerald Finley der vielleicht beste Don Giovanni der Gegenwart zur Verfügung. Nicht nur von der Persönlichkeit her die Inkarnation der Titelfigur, versteht es Finley zudem, seiner vollen, modulationsfähigen Stimme von Phrase zu Phrase die entsprechenden Färbungen und Akzente zu geben. In punkto Differenzierung kann Hanno Müller-Brachmanns Leporello nicht ganz mithalten, seine etwas unstet geführte Stimme lässt häufig die feinen Zwischentöne vermissen. Matthias Zachariassen (Don Ottavio), Markus Butter (Massetto) und Attila Jun (Commendatore) erweisen sich als rollendeckend. Weitaus unausgeglichner präsentieren sich die Damen, von denen nur Adriane Queirozs apart timbrierte Zerlina wirklich überzeugt. Myrto Papatanasiu hat als Donna Anna nicht immer Erfolg, ihr schrilles Organ der Gesangslinie entsprechend zu bändigen und der Zustand von Heidi Brunners zum Sopran hochgeschraubten Mezzos lässt Befürchtungen aufkommen, dass hier wieder einmal ein kaum nachvollziehbarer Fachwechsel irreversible Schäden angerichtet hat.


FAZIT

Hörens- aber nicht sehenswert!


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Bertrand de Billy

Inszenierung
Keith Warner

Ausstattung
Es Devlim


Arnold Schoenberg Chor
Radio-Symphonieorchester Wien


Solisten

Don Giovanni
Gerald Finley

Donna Anna
Myrto Papatanasiu

Don Ottavio
Matthias Zachriassen

Commendatore
Attila Jun

Donna Elvira
Heidi Brunner

Leporello
Hanno Müller-Brachmann

Masetto
Markus Butter

Zerlina
Adriane Queiroz



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater an der Wien
(Homepage)



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