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Lohengrin

Romantische Oper in drei Aufzügen
Text und Musik von Richard Wagner


In deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3h 30' (eine Pause)

Premiere an der Staatsoper Wien im Dezember 2005
(rezensierte Aufführung: 7. September 2006 - 11. Aufführung in dieser Inszenierung)


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Staatsoper Wien
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Lohengrin im Wunderland

Von Rainhard Wiesinger / Fotos: Wiener Staatsoper GmbH / Axel Zeininger

Deutliche Buh-Rufe bereits nach der Generalprobe (!), ein quasi unwidersprochener Buh-Orkan nach der Premiere; im Reigen der szenisch misslungenen Neuinszenierungen der Wiener Staatsoper nimmt Barrie Koskys Lohengrin einen Spitzenplatz ein. Kosky sieht das Werk als eine in der Gegenwart spielende, offenbar von „Alice im Wunderland“ inspirierte Kinderoper. Ein giftgrünes Plastikauto erinnert im ersten Akt an den verschwundenen Herzog Gottfried, einen Spielzeug-Schwan gibt es erst im zweiten Akt, dazu ein ebenfalls überdimensionales Kaninchen. Als Münster muss ein Puppenhaus herhalten, optisch aufgemotzt wird die Szene durch einen Chor aus vogelähnlichen Phantasiegestalten. Vollständig versagt hat die Regie bei der Personenführung. Markantester und wahrscheinlich noch nie da gewesener, copyright-würdiger Einfall ist die blinde und offenbar auch geistig behinderte Elsa. Der Chor ist im ersten Akt zum Sitzen auf Hockern verurteilt, ebenso König Heinrich und Heerrufer. Ihren Tiefpunkt erreicht die Produktion mit Brautgemachsszene, die konzertant vor geschlossenem Vorhang stattfindet. Hilflos bleibt die optische Auflösung der letzten Szene: Gottfried schwebt als Embryo in einer Träne vom Schnürboden.


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Peter Seiffert (Lohengrin) und Petra Maria Schnitzer (Elsa)

Mit Interesse blickte man nun der neuen Besetzung entgegen, da zu erwarten war, dass Peter Seiffert als Lohengrin und Petra Maria Schnitzer als Elsa sich wohl kaum an das starre Regiekonzept halten würden. Und tatsächlich hauchten beide den Figuren vor allem im dritten Akt Leben ein, obwohl Schnitzer den ganzen Abend versuchte, eine Blinde zu mimen. Stimmlich scheint ihr herb-spröder, schrill klingender Sopran in dieser Partie fehlbesetzt. Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ Peter Seiffert. Der Premierenbesetzung Johan Botha hat er die schönere Stimme und das weit größere Ausdrucksspektrum voraus, allerdings machte sich immer wieder eine flackernde Stimmführung bemerkbar, auch ließen sich Ermüdungserscheinungen in der letzten Szene nicht verleugnen. So gesehen war es die richtige Entscheidung, dass im Gegensatz zur vorigen Saison die zweite Strophe der Gralserzählung und die anschließende Prophezeiung wieder gestrichen wurden.

Stimmliche Konditionsprobleme sind Falk Struckmann als exemplarisch wortdeutlichem Telramund fremd. Nicht so recht zu überzeugen vermochte Petra Lang als Ortrud. Rein technisch gesehen bewältigt sie die Tessitura und Dramatik der Partie, der monochromen Stimme fehlen allerdings die Farben für eine packende Interpretation. Erschreckend ist der Zustand von Kurt Rydls einstmals voller, heute nur mehr unkontrolliert tremolierender Bassstimme. Auch Georg Tichy sollte sich überlegen, den Heerrufer zurückzulegen und ihn stimmlich intakteren Kollegen zu überlassen. Peter Schneider sorgte am Dirigentenpult für fließende Übergänge und eine gute Koordination zwischen Bühne, Orchester und Chor.


FAZIT

Die Entsorgung dieser Inszenierung sollte zu den Prioritäten einer zukünftigen Direktion zählen!


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Peter Schneider

Inszenierung
Barrie Kosky

Bühnenbild
Klaus Grünberg

Kostüme
Alfred Mayerhofer

Choreinstudierung
Ernst Dunshirn



Chor und Orchester der
Wiener Staatsoper


Solisten

* Rollendebut an der Wiener Staatsoper

König Heinrich
Kurt Rydl

Telramund
Falk Struckmann

Ortrud
Petra Lang*

Elsa
Petra Maria Schnitzer*

Lohengrin
Peter Seiffert

Der Heerrufer
Georg Tichy






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Wiener Staatsoper
(Homepage)



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