Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Zur Musiktheater-Startseite E-mail Impressum



Radamisto
Oper in drei Akten (2. Fassung)
Text von Nicola Francesco Haym nach Domenico Lalli
Musik von Georg Friedrich Händel


Aufführungsdauer: ca. 4 Stunden (zwei Pausen)

Premiere am 16.05.2007

Logo: Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper
(Homepage)

Familienzwist im Königshaus von Thrakien

Von Rainhard Wiesinger

Radamisto ist Händels erste Oper für die Royal Academy of London, mit der er auch gleich einen triumphalen Einstand feierte. Wie aus den Aufzeichnungen seines ersten Biografen John Mainwaring hervorgeht, konnte sich der zum Wahlengländer gewordene Händel 1720, also lediglich ein Jahr nach der Gründung dieses kommerziellen Opernunternehmens, über ein großes Publikumsinteresses freuen: „Viele, die sich mit Ungestüm den Weg zum Theater gebahnt hatten, fielen wegen der dort herrschenden unerträglichen Hitze und Schwüle in Ohnmacht. Verschiedene Herren, die verzweifelt versucht hatten, einen Platz zu erhalten, wurden abgewiesen.“ Der Premierenerfolg blieb auch den Hamburgern nicht verborgen: In Händels früherer Wirkungsstätte brachte sein Jugendfreund Johann Mattheson die Novität schon zwei Jahre nach der Uraufführung am Gänsemarkt auf die Bühne. Das Publikum war so begeistert, dass das Stück bis 1726 30 Vorstellungen erlebte. In Hamburg wurde es allerdings stark bearbeitet und unter dem Titel „Zenobia oder Das Muster rechtschaffener ehelicher Liebe“ gezeigt.

Die Story ist, wie bei Händel üblich, komplex und verwirrend: Die Geschwister Radamisto und Polissena haben durch ihre jeweilige Gattenwahl eine unglückliche Konstellation herbeigeführt, denn Polissenas Mann Tiridate hat sich in seine Schwägerin verliebt, nämlich in Radamistos Frau Zenobia. Er lässt nichts unversucht, um sie und auch gleich ihr Land zu bekommen. Auf die Liebeswirren folgt ein Eroberungskrieg und schließlich ein Finale, das man von Tosca kennt: In seinem Macht- und Sinnesrausch fordert Tiridate seine „Beute“ Zenobia auf, sich ihm hinzugeben – oder ihr Mann wird sterben… Am Ende zieht der Bösewicht aber den Kürzeren: Es wird zum Sturz des Diktators aufgerufen. Von seinen Soldaten verlassen muss Tridate schließlich aufgeben. Polissena verzeiht ihrem Ehemann, auch Radamisto will nichts von Rache wissen. Der Librettist stammt von Nicola Francesco Haym, dem Domenico Lallis Libretto „L'Amor tirannico, o Zenobia“ als Vorbild diente. Dieses war 1710 von Francesco Gasparini für Venedig und 1713 von Francesco Feo vertont worden. Der Stoff geht übrigens zurück auf die „Annalen“ des römischen Geschichtsschreibers Tacitus. Dem Wechsel der Stimmungen entspricht auch die kontrastreiche Partitur: Zwischen kriegerisch auftrumpfenden Trompetentönen und melancholischen Trauergesängen gibt es reiche Zwischenschattierungen. Völlig neu für die Londoner Theater war die Verwendung von Hörnern, die Händel freilich schon aus dem Orchester der Hamburger Oper kannte.

Um die farbige Instrumentierung noch zusätzlich zu unterstreichen, entschied sich der Dirigent der Hamburger Neuproduktion, Martin Haselböck, zwei komplette Continuogruppen einander gegenüber zu stellen. Man merkt, dass Barockmusik für die Hamburger Philharmoniker kein fremdes Terrain darstellt, sie folgen Haselböcks Intentionen mit geschmeidigem Klang und einer großen Farbenvielfalt. Im Lauf des Abends zeigt sich aber immer wieder, dass die Spannung nicht durchgehend gehalten werden kann, weshalb diverse „Durchhänger“ nicht wegzudiskutieren sind. Auch Marellis Inszenierung will es nicht immer gelingen, den ganzen langen Abend das Interesse aufrecht zu erhalten. Bei dem Bestreben, den schmalen Grad zwischen Heroismus und Lächerlichkeit zu zeigen reüssiert Marelli durchaus, indem er dazu die Arien illustrierende Arrangements verwendet. Der Gefahr der optischen Reizüberflutung ist er dabei allerdings nicht immer entgangen, auch gewinnt man gelegentlich den Eindruck, dass diese von einer gewissen Ideenarmut die Personenführung betreffend, ablenken soll. Für die „Marellis“ (Dagmar Niefeld-Marelli ist verantwortlich für die Ausstattung) typisch ist auch das schicke Bühnenbild, die bunten Kostüme und - last but not least - der Einsatz eines anscheinend unverzichtbaren roten Vorhanges. Das Durchschnittsniveau der eher mäßigen Besetzung überragen einzig Maite Beaumont als Zenobia und Alksandra Kurszak in der kleinen Partie des Fraarte.


FAZIT

Eine brauchbare Produktion, die aber weit davon entfernt ist, bestmöglich zu sein.



Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Martin Haselböck

Inszenierung
Marco Arturo Marelli

Bühnenbild und Kostüme
Dagmar Niefind-Marelli



Hamburger Philharmoniker


Solisten

Tiridate
Florian Boesch

Farasmane:
Tim Mirfin

Radamisto
David DQ Lee

Zenobia
Maite Beaumont

Tigrane
Hellen Kwon

Fraarte
Aleksandra Kurzak

Polissena
Inga Kalna


Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Hamburgischen Staatsoper
(Homepage)





Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Musiktheater-Startseite E-mail Impressum

© 2007 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -