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Les contes d´Hoffmann
(Hoffmanns Erzählungen)


Phantastische Oper in fünf Akten
Musik von Jacques Offenbach
Text von Jules Barbier und Michel Carré
Quellenkritische Ausgabe von Fritz Oeser
Deutsche Übertragung von Gerhard Schwalbe


in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3h (eine Pause)

Premiere an der Komischen Oper Berlin am 4. Februar 2007
(Rezensierte Vorstellung: 10. März 2007)


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Komische Oper Berlin
(Homepage)
Nur die Muse küsst ihn bis zum Schluss

Von Annika Senger / Fotos von Thomas Aurin


Der französische Komponist Jacques Offenbach thematisiert in seiner unvollendeten Oper Hoffmanns Erzählungen drei Prosatexte von E.T.A. Hoffmann: „Der Sandmann“, „Rath Krespel“ und „Das verlorene Spiegelbild“. Alle drei Geschichten – in Offenbachs Werk in den drei Binnenakten verarbeitet – drehen sich um ein und dasselbe Thema: das Scheitern am Aufbau von Beziehungen zu Frauen, was für den unglücklich liebenden Autor Hoffmann im Suff endet.

Vergrößerung

Hoffmann (hier: Timothy Richards) und Olympia (hier: Christiane Götz)

In Thilo Reinhardts Inszenierung existiert allerdings ein weibliches Wesen, das bis zum Ende immer an der Seite des Protagonisten verweilt: seine Muse. Um sie als seine eigentliche Lebenspartnerin und Vertraute darzustellen, verwandelt sie sich in den Binnenakten nicht in Hoffmanns Freund Niklas, sondern leidet selbst unter ihrer nicht erhörten Liebe zu dem Dichter, dem sie mit ihren guten Ratschlägen häufig auf die Nerven fällt. Frustriert wegen ihrer vergeblichen Bemühungen, torkelt sie im ersten Akt wie Hoffmann selbst betrunken über die Bühne.

Alle fünf Akte spielen in einem sich weit nach hinten ausdehnenden ovalen Saal mit Holzvertäfelungen an den Rändern und runden, ballonartigen Lampen unter der Decke. Es ist ein schlicht ausgestattetes Restaurant im Stil der 50er oder 60er-Jahre. Von Akt zu Akt variiert dieses Bühnenbild wenig. Dies ist kein Wunder, denn Hoffmanns Streben nach Liebe wiederholt sich ebenfalls und findet immer wieder ein niederschmetterndes Ende. Bei der Gestaltung des Bühnenraums legt der Regisseur viel Wert auf Symbolik: So gibt es einen Tisch für Hoffmann und einen für seinen Gegenspieler Lindorf und dessen nicht minder diabolische Alter Ego Coppelius, Dr. Mirakel und Dapertutto. In der Mitte des Raumes steht ein rotes Sofa, auf dem die Begegnungen zwischen Hoffmann und seinen Frauen stattfinden. Beispielsweise singt und tanzt dort die künstliche Olympia wie auf einem Podest, während der Dichter ihr blind vor Liebe verfällt.

Vergrößerung Hoffmann (hier: Timothy Richards) und die Muse (hier: Stella Doufexis)

Die Frauengestalten sind in dieser Inszenierung hervorragend gelungen. Olga Peretyatko verkörpert die Kreation des Physikers Spalanzani mit solch mechanischen Bewegungen und entsprechend emotionsarmem Gesang, dass man ihr durchaus abnimmt ein Automat zu sein. Die silbrig weiße Perücke und der hellgraue Pelzmantel tun dabei ihr übriges. Olympias Gesang ist technisch perfekt und virtuos: Peretyatko beherrscht präzise Koloraturen, präsentiert ein gekonntes Decrescendo – das ganze mit einem übernatürlich hellem Timbre und soubrettenhafter Leichtigkeit. Maria Bengtsson in der Rolle der schwindsüchtigen Sängerin Antonia hat sich vor der Vorstellung wegen einer fiebrigen Erkältung als indisponiert ankündigen lassen. Die gelegentlichen stimmlichen Schwächen werden so zu seinem Teil der Rolle, und trotzdem meistert Bengtsson die Höhen scheinbar ohne Mühe. Die Erscheinung der verstorbenen Mutter Antonias (Christiane Oertel) tritt in einem weißen, tütüartigen Kleid aus dem hinteren Teil der Bühne hervor. An dieser Stelle ist besonders die Lichttechnik von Franck Evin zu loben: Der Saal verdunkelt sich, und nur noch die Mutter wird geisterhaft bestrahlt – ein gespenstisch schöner Effekt. Auch Giuliettas figurbetontes rotes Kleid setzt die Beleuchtung glänzend in Szene, und Karolina Gumos' emotionsgeladene, kräftige Mezzosopran-Stimme macht ihre Arie nicht nur für Hoffmann zu einem wahren Sirenengesang

Vergrößerung

Hoffmann (hier: Timothy Richards) und Dappertutto (hier: Peteris Eglitis)

Im Schatten der Frauengestalten geht Carsten Sabrowski als Lindorf, Dr. Mirakel und Co. eher blass unter, obwohl er seine Parts mit solidem Bass vorträgt. Sehr überzeugend und glaubwürdig mimt der Tenor Andreas Conrad den vom Leben und von der Liebe gebeutelten Hoffmann. Er artikuliert die Worte mit gestochener Klarheit, singt schneidend dramatisch und weckt Assoziationen an die tragische italienische Oper.

Trotz der jämmerlichen Lage der Hautfigur kommen komische und satirische Elemente in Hoffmanns Erzählungen nicht zu kurz. Möchtegern-Sänger Franz (Thomas Ebenstein) durchbricht den tragischen Charakter des Antonia-Aktes mit einem tölpelhaften Auftritt, der dem Publikum so manchen Lacher entlockt. An das Werk E.T.A. Hoffmanns knüpfen wiederum die Schauermärchen-Komponenten an – eine abwechslungsreiche, absolut sehenswerte Mischung.


FAZIT

Ein Fragment wird zu einem in sich geschlossenen Ganzen, das mit wenig Effekten und großartigen Sängern ein Vergnügen für Augen und Ohren beschert.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Kimbo Ishii-Eto

Inszenierung
Thilo Reinhardt

Bühne
Paul Zoller

Kostüme
Katharina Gault

Licht
Franck Evin

Choreinstudierung
Robert Heimann



Chor der
Komischen Oper Berlin

Orchester der
Komischen Oper Berlin


Solisten

Hoffmann
Andreas Conrad

Niklausse / Muse
Elisabeth Starzinger

Olympia
Olga Peretyatko

Antonia
Maria Bengtsson

Giulietta
Karolina Gumos

Lindorf / Coppélius /
Doktor Miracle / Dapertutto
Carsten Sabrowski

Stimme der Mutter
Christiane Oertel

Spalanzani
Stephan Spiewok

Crespel
James Creswell

Schlémil
Tobias Hagge

Cochenille /
Frantz / Pitinacchio
Thomas Ebenstein

Nathanael
Adrian Strooper

Hermann
Tobias Hagge

Andreas
Thomas Ebenstein

Stella
Leonie Abbassi

Ein Pianist
Wolfgang Singula






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Komischen Oper Berlin
(Homepage)



Da capo al Fine

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