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Musiktheater
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Wo du nicht bist

Musiktheater von Nico and the Navigators & Franui
Mit Musik von Franz Schubert, bearbeitet von Andreas Schett und Markus Kraler



Aufführungsdauer: ca. 1h 40' (keine Pause)

Uraufführung: 4. August 2006 bei den Bregenzer Festspielen
Berlin-Premiere: 10. August 2006 in den Sophiensälen
(rezensierte Aufführung: 15. August 2006)


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Sophiensäle Berlin
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Nico & the Navigators
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Franui
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Schubert geschreddert

Von Annika Senger / Fotos von Monika Rittershaus

„Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück!“ heißt es am Ende von Franz Schuberts Lied „Der Wanderer“ aus dem Jahr 1816. Gleiches könnte man über das Berliner Theater-Ensemble „Nico and the Navigators“ behaupten. Absicht der jungen Combo ist es, in ihrer improvisierten Collage aus wirren Aneinanderreihungen über die Bedeutung von Glück zu sinnieren. Doch das Resultat ist ein zusammenhangloses Gehopse über die sterilen grauen Plastikwellen der Bühne. Wiederholt täuschen die Akteure vor, Ballett zu tanzen, bekommen Zuckungen oder ahmen Feuerwerksgeräusche nach. Sie verschütten Wasser und bespritzen sich damit gegenseitig. Glück haben wahrlich die Zuschauer, die in dem Moment nicht in der ersten Reihe sitzen! Ein immer wiederkehrendes Symbol des Theaterexperiments ist Obst: Äpfel und Birnen werden angebissen und anschließend achtlos über die Bühne geworfen, Trauben in den Mund geschoben und wieder ausgespuckt. Genauso ist das ja auch mit dem Glück: Kaum ist es da, rinnt es wie Sand durch die Finger des Empfängers, oder man tritt es aus eigener Unachtsamkeit mit Füßen. Das kann anstrengend sein – ähnlich anstrengend, wie der Darbietung auf der Bühne zu folgen.


Vergrößerung

Gummizellen-Atmosphäre mit Musikuntermalung

Die Darsteller plappern munter in ihren Muttersprachen durcheinander: Sei es französisch, englisch, deutsch oder japanisch – es bleibt ein manischer Mischmasch aus Kommunikationsfetzen, die nicht zusammengehören. Manchmal kann man aber immerhin erahnen, dass es sich um Tiraden über das Glück handelt. Ein ewiger Pessimist driftet bei dem Gedanken an seine eigene Beerdigung in Ekstase ab. Dann wären ja endlich einmal die anderen traurig. Die charmante Französin bewundert glückselig die Sterne am Himmel und fragt das Tarot nach ihrem Lebensglück. Beiläufig wird auch von Menschen gesprochen, die glücklich sind, verzweifelt zu sein und Angst haben, ihre Verzweiflung zu verlieren. Soll es ja schließlich auch geben…


Vergrößerung Das Spiel entwickelt sich zur Wasserschlacht

Die Tiroler Musicbanda Franui untermalt das hysterische Wandern zwischen Glück und Unglück mit Musikfragmenten von Schubert. Nachdem Andreas Schett und Markus Kraler Lieder wie „Ständchen“ bei der Überarbeitung geschreddert, neu zusammengesetzt und weiterkomponiert haben, entsteht eine originelle Mischung: Die ist vor allem durch die ungewöhnliche Instrumentierung bedingt. Mit Hackbrett, Zither, Akkordeon, Posaune und Tuba jubelt Franui dem romantischen Liedgut Elemente aus der alpenländischen Volksmusik unter. Darüber schmieren Geigen – zwar nicht immer reinen Tones, aber dafür poetisch flehend aus, was vielleicht sogar im Sinne Schuberts gewesen wäre. Mit dynamischen Wechseln zwischen leisen und ausgelassenen Tönen erzeugt die österreichische Dorfkapelle ein Wechselbad an Emotionen – eine gute Möglichkeit, sich der Gummizellen-Atmosphäre auf der Bühne zu entziehen.


FAZIT
Zumindest ein Experiment, wenn auch kein sonderlich geglücktes.


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Produktionsteam

Inszenierung
Nicola Hümpel

Musikalische Leitung
Andreas Schett

Bühne, Video
Oliver Proske

Kostüme
Frauke Ritter
Nicola Hümpel

Licht
Peter Meier


Musicabanda FRANUI


Solisten


Niels Bovri
Christoph Glaubacker
Anne Paulicevich
Verena Schonlau
Patric Schott
Andreas Schwankl
Gerd Lukas Storzer
Miyoko Urayama







Weitere Informationen
erhalten Sie von
Nico & The Navigators
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