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Musiktheater
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Tango Festival – Tango Argentino



Aufführung im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin
am 12. November 2006


Tango sin Alma: Tango ohne Seele

Von Annika Senger

Laut Programmheft ist der argentinische Sänger und Komponist Fernando Miceli in Europa und Lateinamerika als ausgezeichneter Interpret des „Tango Nuevo“ bekannt. Zudem wird sein Stil als innovativ bezeichnet und gleichzeitig behauptet, dass er die Leidenschaft und Seele des Tangos in seinen Wurzeln bewahre. Leider verspricht diese Beschreibung mehr als sie tatsächlich hält, so dass man sich schnell fragt, ob der hochgelobte Künstler nicht einfach nur einen schlechten Tag gehabt haben könnte. Da er die Bühne bereits mit einem frustriert wirkenden Gesichtsausdruck betritt und bei den schleppenden Anmoderationen seiner vorwiegend selbst komponierten Lieder nuschelt, liegt diese Vermutung nahe. Diese beiden Mankos wären vielleicht noch zu entschuldigen, wenn Miceli wenigstens mit seinem Gesang das Feuer Argentiniens ins kalte Berlin transportieren würde!

Seine Eigenkomposition „Te Busqué, Te Encontré" handelt beispielsweise vom Suchen und Finden in der Liebe, aber wer hier leidenschaftliche Ausdrucksfähigkeit der Stimme erwartet, wird von Anfang an enttäuscht: Sie hat kaum Nuancen, noch weniger Volumen, und auch das temperamentvolle Klavier- und Gitarrenspiel von Pablo Woizinski und César Nigreo kann die Verbreitung von Langeweile im Saal nicht mehr stoppen. „Wo bleiben die Tänzer?" beginnen einige verärgerte Zuschauer das Konzert zu stören. Andere wiederum ziehen es vor, schon lange vor Schluss aufzubrechen. Und ein weiterer Reinrufer fasst das Problem schroff in einem einzigen Satz zusammen: „Sie sind im falschen Theater!" Der ohnehin schon gereizte Sänger scheint spätestens in dem Moment den Tränen nahe zu sein, wie man in seiner sich mehr und mehr verfinsternden Mimik lesen kann. Fakt ist: Der Funke zwischen Künstler und Publikum springt einfach nicht über.

Aufgelockert wird das zum Gähnen anregende „Festival“ allerdings durch die humorvolle Tanz-Performance „ménage à trois“. Wenn die Begleitmusik nicht aus der Konserve käme und die Gesichter der drei Tänzer Emotionen widerspiegelten, könnte man diese komödiantische Einlage getrost mit der Note „Sehr gut“ bewerten. Da beides fehlt, verdient sie nur ein „Gut“ – jedoch mit einem Pluszeichen. Sobald zwei Frauen um einen Mann kämpfen, dann bedarf es schließlich mehr als einstudierte, perfekt zur Schau gestellte Bewegungen und effektvolle Hebefiguren. Die brennende Eifersucht der beiden Rivalinnen und die Verzweiflung des in die Enge getriebenen Begierdenobjekts müssten im Idealfall das Herz des Betrachters ergreifen. Stattdessen kann man sich lediglich an der künstlerisch ausgereiften Körperbeherrschung und der amüsanten Versöhnung der drei erfreuen. Wenigstens ein Pluspunkt für diese seelenlose Veranstaltung…


FAZIT
Vielleicht sollte Miceli in Zukunft auf Betriebsfeiern auftreten, sofern das Publikum dort keinen all zu großen Wert auf Unterhaltung legt.


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Mitwirkende

Fernando Miceli (Gesang)

Pablo Woizinski (Klavier)
César Nigreo (Gitarre)
Ofelia Stoll (Bass)
Tänzer “ménage à trois” :
Carola Zapata
Gastón Bacchiani
Erica Freyer








Da capo al Fine

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