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Musiktheater
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Flamenco Festival



Aufführung im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin
am 28. Oktober 2006


Spanisches Feuer im Herbst

Von Annika Senger

Vor dem Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie herrscht bereits nasskaltes Novemberwetter, doch in den Fängen der intensiven Rhythmen des Flamenco Festivals wird man im Innern ganz automatisch von spanischem Feuer aufgeheizt: Der Tanz steckt voller geballter Körperenergie, die sich nicht nur im Klatschen und Aufstampfen mit den Füßen entlädt. José de Murcia lässt zudem zigeunerhaft aufbegehrende Gesangspartien einfließen, während die Rhythmusgruppe mit kraftvollen Akkorden Leidenschaft zum Ausbruch bringt. Hin und wieder wirken die geschlagenen Harmonien der drei Gitarren ein wenig überladen, und mehr melodiöse Elemente würden die musikalische Dynamik immens erhöhen.

Nichtsdestotrotz kocht die Musik über vor Emotionen: Zu Beginn zeigen die beiden Tänzer Celia Rojas und Sebastián Sanchez eine Annäherung zwischen Mann und Frau, die darin gipfelt, dass sich die beiden am Ende des Stückes „Martinete" hinter die Bühne zurückziehen. Erotische Energie ist in den Klängen des Flamencos also immer präsent. Ein langsameres umeinander Werben während der ersten Tanzdarbietung würde Spannung und Sinnlichkeit für das Publikum aber nur noch steigern.


Vergrößerung

Celia Rojas

Nach dem Paartanz folgen Soloauftritte von Rojas und Sanchez: Ihre professionelle Körperbeherrschung erweist sich als wahrer „Hingucker“, und Rojas kann vor allem mit einem golden schimmernden Satinrock in der Bewegung visuelle Effekte erzielen. Trotzdem fehlt eine dramaturgische Linie: Es wird lediglich getanzt, ohne dass die Akteure dabei offensichtlich Geschichten erzählen. Nach einer zweistündigen Show kann dieses Konzept sehr ermüden.

Allerdings lockert die Compania Celia Rojas ihr Programm mit Hilfe einer originellen Comedy-Einlage kurz nach der Pause auf: Der versierte Multiinstrumentalist und technische Tüftler Ricoloop spielt live einige Takte auf unterschiedlichen Instrumenten wie Bass, E-Gitarre und Melodica und nimmt diese während dessen auf der Bühne auf. Er nutzt sie als Playback, das er wiederum mit weiteren Klängen koppelt. So täuscht er dem erstaunten Zuhörer den Eindruck vor, gar nicht selbst zu musizieren, sondern nur den Pausenclown mit Hintergrundberieselung zu mimen. Aber weit gefehlt: Ricoloop hat ein hervorragendes Rhythmusgefühl, was ihm hilft ihm, seine Einspielungen taktgenau übereinander zu stapeln. Auf diese Weise erzeugt er im Ohr des Zuhörers das Bild einer kompletten Band. Und in der Tat: Das Publikum reagiert mit Begeisterung. Nur fragt man sich, was diese Show-Einlage wohl ausgerechnet mit Flamenco zu tun haben könnte. Dieser heimliche Höhepunkt der Veranstaltung mündet in monotone elektronische Klänge, die sich ständig wiederholen – sehr geeignet, sich in Trance zu tanzen. Dies ist der Moment, wo Rojas und Sanchez auf die Bühne zurückkehren und das Programm wie vor Ricoloops Auftritt weiter dahinplätschert. Wenn auch stets südländisch aufflammend…


FAZIT
Da wird einem schon beim Zuhören und Zuschauen warm, und der Sommer kehrt wieder ein in diese herbstlichen Gefilde. Auf Dauer führt aber auch spanisches Feuer zu Langeweile, wenn die Flammen stetig auf gleicher Höhe lodern.


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Mitwirkende

Compania Celia Rojas:

Celia Rojas 'la India' - Tanz
Sebastián Sanchez - Tanz
José de Murcia - Gesang
Carlos 'el Canario' - Gitarre
Rayko Schlee - Gitarre
Claudio 'el Compadre' - Gitarre
Ricoloop - Multiinstrumental
& Live Electronic








Da capo al Fine

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