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Roméo et Juliette

Oper in einem Prolog und fünf Akten von Charles Gounod
Text von Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carré
nach Romeo and Juliet von William Shakespeare




In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h (eine Pause)

Repertoireaufführung an der Staatsoper Wien am 10. Mai 2006
(29. Aufführung in dieser Inszenierung)
(rezensierte Aufführung: 22. 12. 2001)


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Staatsoper Wien
(Homepage)
Traum(paar) und Wirklichkeit

Von Rainhard Wiesinger

Panik griff um sich, als Anna Netrebko und Rolando Villázon drei Tage vor der ersten Vorstellung ein gemeinsames Künstlergespräch im letzten Moment platzen ließen. Staatsoperndirektor Holender beruhigte umgehend, er habe die Zusicherung, dass die beiden die vorgesehen Abende singen werden. Tatsächlich fand die Vorstellung ohne Umbesetzung statt. Und auch ohne Indispositionsankündigung. Diese wäre für Rolando Villázon allerdings bitter nötig gewesen. Schon der erste Akt ließ auf eine schlechte Abendverfassung schließen und weckte Befürchtungen für den weiteren Verlauf der Vorstellung. Angestrengt und heiser mühte er sich durch „Ah leve toi soleil“. Was nach der Pause folgte waren ein tapfer bewältigter dritter Akt, aber auch der vorhersehbare stimmliche Zusammenbruch im Finale.

Vergrößerung in neuem Fenster

Romeo (Rolando Villázon)

Probleme dieser Art sind für Anna Netrebko kein Thema. Sie singt die Juliette mit deutlich nachgedunkeltem Sopran, der sich immer wieder strahlende Töne entlocken lässt, die ihre Wirkung nicht verfehlen können. Doch gerade Villázons Stärken, die Verinnerlichung von Phrasen sowie die emotionalen Schattierungen bleibt die glatte Stimme schuldig. Darstellerisch fügt sich Netrebko in Jürgen Flimms nur mit Lichteffekten arbeitenden Inszenierung nahtlos ein: Als Partygirl à la Paris Hilton defiliert sie in hautengen Jeans durch den ersten Auftritt. Kindliche Züge blitzen nur bei dem ersten Zusammentreffen mit Roméo auf, ansonsten bleibt sie eine willensstarke Frau, die eher an Violetta Valery als an die 16jährige Juliette erinnert.

Vergrößerung in neuem Fenster Traumpaar mit Schwächen: Anna Netrebko und Rolando Villázon

Rolando Villázon spielt den Roméo so realistisch und hingebungsvoll, dass ihm das jubelnde Publikum die stimmlichen Schwächen offenbar gerne verzieh. Auf Solovorhänge wurde ohnehin verzichtet. Rund um die beiden Stars tummelte sich ein Ensemble, das ein erschreckendes Bild von der Qualität der hauseigenen Kräfte bot: Eijiro Kais ungelenkigen, stumpfen Mercutio konnte man noch irgendwie akzeptieren, ebenso auch Michael Selingers mit unangenehm flackerndem Mezzo gesungenen Stéfano, bei Johannes Wiedeckes Frère Laurent glaubte man sich allerdings in eine Hochschulaufführung versetzt. Betrand de Billy gelang es, Bühne und Orchester passabel zu koordinieren. Villázons stimmliche Verfassung machten zudem immer wieder ein extremes Zurücknehmen des Orchesters notwendig, was auf Kosten der Spannung ging.


FAZIT

Ein Abend der wieder einmal bewies, dass hoch im Kurs stehende Künstler keineswegs Garanten für einen hochqualitativen Abend sind.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Bertrand deBilly

Inszenierung
Jürgen Flimm

Lichtarchitektur
Patrick Woddroffe

Choreinstudierung
Ernst Dunshirn



Chor und Orchester der
Wiener Staatsoper


Solisten

* Rollendebut an der Wiener Staatsoper

Juliette
Anna Netrebko*

Stéphano
Michaela Selinger*

Gertrude
Janina Baechle*

Roméo
Rolando Villazón

Tybalt
Marian Talaba

Mercutio
Eijiro Kai

Paris
Hans Peter Kammerer

Capulet
In-Sung Sim

Frère Laurent
Johannes Wiedecke*

Antonio
Eijiro Kai

Duc
Janusz Monarcha






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Wiener Staatsoper
(Homepage)



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