Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Ariane et Barbe-Bleue

Märchen in drei Aufzügen von Maurice Maeterlinck
Musik von Paul Dukas

In französischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3h (eine Pause)

Konzertante Aufführung im Konzerthaus Wien am 5. Mai 2006


Homepage

Konzerthaus Wien
(Homepage)
Leider nur konzertant

Von Rainhard Wiesinger

Es war Maeterlincks Freundin, die Sängerin Georgette Lebanc, die den Schriftsteller mit ihrem Anliegen, er möge doch bedürftigen Menschen helfen, zu dem Stück inspirierte. Maeterlinck lehnte dies ab, allerdings schrieb er in seinem Tagebuch diverse Aussagen Lebancs zu diesem Thema nieder, und arbeitete sie später in sein Werk ein. Ursprünglich beabsichtigte der Dichter ein realistisches Stück zu schreiben, griff aber dann auf die Figur des Blaubarts aus dem Märchen Charles Perrault (1697) sowie auf die Tochter des Königs Minos, Ariadne, zurück. Das Manuskript war von Anfang an als Libretto geplant. Bei der Wahl des Komponisten schwankte Maeterlinck zwischen Edvard Grieg und Paul Dukas, für den er sich 1899 entschied. Auffallend ist, dass die männliche Titelfigur keineswegs als Titelfigur konzipiert wurde, sondern nur am Ende des ersten Akts singt und sich ansonsten lediglich durch Gebärden verständlich macht. Seine Macht drückt sich vor allem in dem vom Orchester unterstützten Bühnenbild aus. So werden etwa die Edelsteine im ersten Akt und das schwach schimmernde Licht im zweiten Akt durch Klangfarben im Orchester synästhetisch dargestellt. Die fünf Frauen Blaubarts tragen alle Namen aus früheren Werken Maeterlincks, in denen sie wie hier das Leben und seine unverständliche Ordnung halb sprachlos erleiden. Erst Ariane rebelliert gegen die endzeitlich gestimmte Lethargie des symbolistischen Fatalismus, womit Ariane et Barbe-Bleue als Absage an Pelléas et Mélisande zu verstehen ist.

Dukas Musik ist oberflächlich betrachtet sehr stark dem durch Debussy geschaffenen Impressionismus mit seinen arabeskenhaften Melodien, dem Parlandostil der Singstimmen, der sich dem Rhythmus sowie der Intonation der französischen Sprache genau anschmiegt und zudem häufig die Ganztonleiter verwendet, angepasst. Im Gegensatz zu Debussy erreicht Duaks’ Musik nicht die unfassliche Schwerelosigkeit. Die Partitur ist auch deutlich von Richard Strauss inspiriert, wodurch die Musik farbenprächtig und satt instrumentiert erklingt. Dukas’ Musik fehlt es allerdings an diskreten harmonischen Wendungen, die die psychologische Entwicklung durchschaubar machen. Ein Grund dafür ist in der textlich nur schemenhaften Ausarbeitung der fünf Frauen zu suchen. Die Handlung spielt in Barbe-Bleues Burg. Vor deren Toren haben sich Bauern zusammengerottet, um ihren Unmut über Blaubart kundzutun, da dieser mit Ariane nun bereits die sechste Frau ehelicht. Fest entschlossen, das Geheimnis Blaubarts zu lüften, gibt sie ihrer Amme die Schlüssel zu den sieben Toren. Diese öffnet die sechs „erlaubten“ Kammern, in denen sie maßlose Reichtümer vorfindet. Ariane interessiert sich aber nur für die ihr verbotene siebte Tür. Als sie diese mit einem goldenen Schlüssel öffnet, hört sie aus der Tiefe das Wimmern gefangener Frauen. Plötzlich wird sie von Blaubart überrascht, der sie von der Tür wegziehen will. Als Bauern in das Innere des Schlosses dringen und ihren Herrn töten wollen, werden sie von Ariane besänftigt. Schließlich gelingt es ihr, in die Kammer hinabzusteigen, in denen Blaubart seine fünf früheren Frauen gefangen hält. Mit ihrer Hilfe gelingt es ihnen zwar, dem Verlies zu entsteigen, sie können aber wegen der hochgezogenen Zugbrücken die Burg nicht verlassen. In der Zwischenzeit haben die Bauern Blaubart gefangen genommen und bringen ihn gefesselt und verwundet in einen Saal der Festung. Wiederum gelingt es Ariane, die Aufgebrachten zu beruhigen, doch sie hat entschieden, die entzauberte Burg zu verlassen und die fünf Frauen mit in die Freiheit zu nehmen. Diese bevorzugen allerdings das unfreie Leben an der Seite Blaubarts.

Die Aufführung dieser Rarität steht und fällt mit der Besetzung der Ariane. Mit Deborah Polaski stand dafür eine in der Mittellage sensibel phrasierende Sängerin zur Verfügung. Die seit jeher eklatanten Defizite im oberen Register wirken sich in dieser verhältnismäßig tief liegenden Rolle weniger drastisch aus als bei der Isolde oder Elektra. An Polaskis Seite konnte sich Jane Henschel als Amme trotz ihres enervierenden, kurzen Vibratos durchaus profilieren. Mit warmen und rundem Mezzo gestaltete Ruxandra Donose die Sélysette, die einzige größere Partie unter Blaubarts vorangegangenen Frauen. Kwangchul Young, in der Titelrolle zum Stichwortgeber degradiert, entledigte sich seiner undankbaren Aufgabe mit sonorem Bass. Bertrand de Billy lenkte das transparent aber stahlhart klingende Radio Symphonieorchester energisch zupackend durch die Partitur. Das Aufbauen oder Halten von Spannungsbögen ist bei seinen Interpretationen ohnehin nie zu erwarten.


FAZIT

Ein Werk, das man gerne auch szenisch erleben möchte!


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Bertrand de Billy



Slowakischer Philharmonischer Chor

Radio Symphonieorchester Wien


Solisten

Ariane
Deborah Polaski

La Nourrice
Jane Henschel

Barbe-Bleue
Kwangchul Youn

Sélysette
Ruxandra Donose

Bellangère
Stella Grigorian

Ygraine
Ileana Tonca

Mélisande
Nina Bernsteiner

Le Vieux Paysan
Ante Jerkunica

2. Paysan
Erik Arman

3. Paysan
Markus Raab






Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Konzerthaus Wien
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2006 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -