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Salome
Musikdrama in einem Aufzug von Richard Strauss
Nach dem Text von Oscar Wilde



Aufführungsdauer: ca. 1 Std. 40 Min.

Premiere an der Sächsischen Staatsoper Dresden
am 27. Februar 2005
Besuchte Aufführung: 2. Dezember 2005


Homepage

Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)
Salomes Liebestod

Von Bernd Stopka / Fotos von Matthias Creutziger

Mit großer Publicity kam im Februar diesen Jahres eine Neuinszenierung der "Salome" auf die Bühne der Semperoper. Die Premiere wurde live im Fernsehen übertragen und Evelyn Herlitzius, Dresdens junge Haus-Hochdramatische, war wieder einmal in einer der großen Strauss-Partien zu erleben. Zu den "Dresdener Festtagen - Richard Strauss" stand die Produktion natürlich auch auf dem Spielplan. Allerdings ohne Evelyn Herlitzius, die die Partie vorerst nicht mehr singen wird - wenn man entsprechenden Gerüchten Glauben schenken will.

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Schwimmbad oder Würfelzelle?
Gesamtansicht in blau

Peter Mussbach zeichnet für Inszenierung und Bühnenbild verantwortlich. Andrea Schmidt-Futterer hat den Kostümen vor allem durch die farbliche Gestaltung klare Linien verliehen: Jochanaan in Weiß, Herodes und sein Hof in Schwarz und Salomes üppiger Tüllrock ist in einem dezenten Rosa gehalten. Das Szenenbild zeigt deutliche Formen, Linien und in aufwändigem Lichtdesign (Alexander Koppelmann) bedeutungsvolle Farben. Ein riesiger Würfel zeigt mit einer Spitze zum Zuschauerraum. Aus ihm ist eine Art großer Sehschlitz geschnitten worden. Im Innenraum, quasi als Kern, sieht man einen weiteren Würfel, der Raum zwischen der Innenseite des Außenwürfels und der Außenseite des Innenwürfels bietet mit seinen zwei langen Wegen den Spielraum. Mit etwas Phantasie kann man eine würfelförmige Zelle assoziieren. Aber der rechte Rand des Außenwürfels trägt eine Stiege mit geschwungenen Handläufen, wie sie als Einstieg in ein Schwimmbadbecken gebräuchlich sind. Die Treppe führt jedoch nicht nach innen, sondern in den schwarzen unbespielten Raum der Bühne.

Mussbachs Personenregie wirkt nicht stilisiert aber auch nicht aktionistisch. Seine wichtigste Grundidee ist die, eine erotische Anziehung zwischen Salome und Jochanaan zu zeigen. Jochanaan ist hier kein asexuelles Wesen, sondern hat durchaus Augen für Salome und ist für ihre Reize empfänglich. Er schaut sie mehrfach an (entgegen der Textaussage) und tauscht auch zärtliche Berührungen mit ihr aus. Folglich ist er auch nicht in der Zisterne eingesperrt, sondern hat sich auf dem Einstiegstreppchen am Beckenrand niedergelassen, bewegt sich frei auf der Spielfläche - und schaut auch mal hinten in den inneren Würfel.

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Salome (hier: Evelyn Herlitzius)
mit Herodias und Herodes

Salomes Tanz zeigt sehr deutlich eine eigenwillig Sichtweise des Regisseurs: Zunächst versucht Herodias ihren Gatten mit einem erotischen Tanz von ihrer Tochter abzulenken, während Salome mit Jochanaan kuschelt. Von dort reißt Herodes sie fort. Dann beginnt Salome Herodes zu entkleiden, fesselt Jochanaan mit Herodes' Krawatte und Bauchbinde an den Handlauf, Herodias verbindet Jochanaan mit ihren Nylons die Augen während Salome Herodes abreitet. Herodias zeigt streichelnd ihre Faszination für Jochanaans Hintern, während Salome sein Gesicht betatscht. Naja...

Das Köpfen des Jochanaan erfolgt auf der Bühne in einem Kreis den Juden und Nazarener um ihn schließen. Die Leiche bleibt dann unblutig unter einem weißen Tuch auf dem Boden liegen unter das sich Salome zu ihrem Schlussgesang legt. Das wird selbst Herodes zu viel. Er holt höchstselbst mit dem Beil aus um "dieses Weib" zu töten, doch da ist sie schon tot. Ein Liebestod der besonderen Art.

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"Tanz für mich, Salome"

Marquita Lister hat die Partie der Salome von Evelyn Herlitzius übernommen. Ausstrahlung und Figur und vor allem das sinnliche Timbre passen sehr gut zur Salome, auch wenn die Höhe gelegentlich etwas schrill klingt und die Stimme ein deutliches Vibrato aufweist, das manchmal in ein leichtes Flackern übergeht. Jukka Rasilainens gewaltiger, kerniger Bass strömt üppig dahin, könnte aber ein bisschen mehr Stimmkultur vertragen. Wolfgang Schmidt ist eine Luxusbesetzung des Herodes. Mit herrlich frechem, manchmal giftigem Tenor verleiht er dem Tetrarchen deutliches Profil. "Schenkt mir Wein ein!" singt er und nimmt einen kräftigen Schluck aus dem Flachmann, den er aus seiner Brusttasche zieht. Wundervoll klar und hell klingt der Tenor von Wo-Kyung Kim als Narraboth. Mit ihrer großen Bühnenpräsenz ist Dagmar Peckova als starke Ehefrau eine hervorragende Herodias. In regielicher Feinarbeit sind die streitenden Juden individuell charakterisiert. Wolfgang Rennert lässt am Pult kaum einen Wunsch offen. Die Staatskapelle Dresden folgt ihm in der gewohnten, höchsten Qualität.

Nach der "Sprungturm-Elektra" gibt es in Dresden nun also auch eine "Schwimmbad-Salome". Folgt dann nächstens eine "Umkleidekabinen-Ariadne"?


FAZIT

Kein großer Wurf, aber auch kein Ärgernis. Die einfache Klarheit des Szenenbildes und die unaffektierte Personenregie kommen Strauss' erklärten Wünschen einer szenischen Umsetzung nahe. So richtig spannend ist das Ganze aber trotzdem nicht. Musikalisch lässt vor allem die Staatskapelle einmal mehr keine Wünsche offen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Wolfgang Rennert

Inszenierung und Bühnenbild
Peter Mussbach

Kostüme
Andrea Schmidt-Futterer

Licht
Alexander Koppelmann

Dramaturgie
Ilsedore Reinsberg, Axel Bott



Sächsische Staatskapelle Dresden


Solisten

Salome
Marquita Lister

Herodes
Wolfgang Schmidt

Herodias
Dagmar Peckova

Jochanaan
Jukka Rasilainen

Narraboth
Woo-Kyung Kim

Ein Page der Herodias
Antigone Papoulkas

Fünf Juden
Oliver Ringelhahn
Tom Martinsen
Peter Küchler
Gerald Hupach
Rolf Tomaszewski

Zwei Nazarener
Georg Zeppenfeld
Timothy Oliver

Zwei Soldaten
Jacques-Greg Belobo
André Eckert

Ein Cappadocier
Christoph Pohl

Ein Sklave
Kyung-Hae Kang








Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)



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