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Die Liebe der Danae
Heitere Mythologie in drei Akten von Richard Strauss
Text von Joseph Gregor (Mit Benutzung eines Entwurfes
von Hugo von Hofmannsthal)



Aufführungsdauer: ca. 3 Std.

Premiere an der Sächsischen Staatsoper Dresden
am 20. November 2005
Besuchte Aufführung: 3. Dezember 2005


Homepage

Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)
Es schwelgt und schwelgt

Von Bernd Stopka / Fotos von Matthias Creutziger

Bereits im Jahr 2002 hat Günter Krämer Richard Strauss' Spätwerk "Die Liebe der Danae" für Salzburg inszeniert. Als Koproduktion mit den Salzburger Festspielen kam das selten gespielte Stück nun auf die Bühne der Semperoper, mit dem gleichen Dirigenten, aber neuer Sängerriege.

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Jupiter (Hans-Joachim Ketelsen) mit der
tanzenden Danae II (Anna Franziska Srna)
und der singenden Danae I (Anne Schwanewilms)

Der etwas schwülstige Text dieser "Heiteren Mythologie" stammt von Joseph Gregor, dem die Entwürfe Hugo von Hofmannsthals zur Verfügung standen. Immer häufiger werden dankenswerterweise auch die großen deutschen Musikdramen mit Übertiteln aufgeführt. Schade, dass man hier darauf verzichtet hat, denn die Handlung wird den meisten Opernbesuchern erst durch die Programmheftlektüre bekannt und obendrein versteht man kaum ein gesungenes Wort, was bei diesem Text andererseits auch kein Verlust im Detail ist.

Strauss' Musik ist ein einziges Schwelgen in Schönklang. Mann möchte sich zunächst zurücklehnen und die Ohren einfach nur empfangen lassen. Doch irgendwann vermisst man doch ein bisschen Salz in der Suppe und gerade unmittelbar nach dem Besuch von "Elektra" und "Salome" fehlt der Biss, der reizvolle Kontrast. Das ist genauso ungewöhnlich für Strauss wie die großen, ausgiebigen Chorszenen, die sich ebenfalls in üppigem Wohlklang ergehen. Alles in allem wunderschöne Musik, aber eben auch Musik, nach der man sich ähnlich fühlt, wie dann, wenn man ein bisschen zu viel Schokolade genossen hat.

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Danae II (Anna Franziska Srna)
und Danae I (Anne Schwanewilms)

Günter Krämer hat seine Personenregie nicht eins zu eins von Salzburg nach Dresden übertragen, sondern sie mit dem Dresdner Sängerensemble neu erarbeitet und dabei einige Veränderungen auf die individuellen Charaktere der Darsteller zugeschnitten. Nicht alle Regieeinfälle sind einleuchtend, was bei einem so selten gespielten Werk nicht besonders hilfreich ist, aber der größte Teil der verschachtelten Geschichte ist mit Witz und Charme in Szene gesetzt. Krämer findet mit seinem Bühnenbildner Gisbert Jäkel sehr ästhetische Bilder, die die Stimmung der Musik reizvoll ergänzen. Ein halbrunder Bau bildet durch jeweils wenige Veränderungen das Grundgerüst für alle Szenenbilder. In der Mitte funkelt ein edel eingemauerter Teich bzw. ein künstlicher See, der im zweiten Akt trockengelegt ist und im dritten Akt zur Eislauffläche wird.

Krämer hat die Idee beibehalten Danae zu doubeln. Keine grundsätzlich neue Idee und bei der Dresdner Besetzung auch eher unnötig, aber auch nicht wirklich störend. So badet Danaes Double als planschende Nixe im Bühnenteich, während Danae auf dem Souffleurkasten vom Bad im Gold träumt. Anne Schwanewilms ist mir ihrem glockenklaren, reinen Sopran eine Idealbesetzung der Danae. So golden wie Danae durch die Berührung durch Midas wird, so golden, glänzend und strahlend klingt Anne Schwanewilms Sopran. Dazu kommt ihre verführerische Ausstrahlung mit der sie nicht nur Jupiter in den Liebeswahn zu treiben vermag.

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Jupiter (Hans-Joachim Ketelsen) mit
4 Ex-Geliebten, den vier Königinnen

Stephen Gould rettete die Aufführung. Schwer erkältet ließ er sich "fit spritzen" nachdem es nicht möglich war einen Ersatztenor einzufliegen. Kein Wunder, denn die Partie des Midas ist höchst anspruchsvoll, höllisch schwer, eigentlich fast schon eine komponierte Gemeinheit. Strauss, hat die Tenöre nicht geliebt, nein, er hat sie nicht geliebt. Da erscheint es geradezu selbstmörderisch, diese Partie indisponiert anzugehen. Gould agierte stimmlich sehr klug und höchst vorsichtig, doch die Kraft ließ schnell nach und dann markierte er über weite Strecken dezent. Aber immer so, dass kein Misston störte, dass keine erfolglose, unnötige Anstrengung Mitleid erregte oder zittern ließ. Eine ungeheure Leistung, für die ihm das Publikum denn auch im Schlussapplaus sehr herzlich dankte.

Hans-Joachim Ketelsen ist ein herrlicher Jupiter. Die Stimme klingt rund und satt, kernig, supersicher und hochkultiviert, sie kann kraftvoll heldisch strahlen und auch mal ironisch zwinkern. Ein echter Gott. Großartig gestaltet er seinen Schlussgesang. Auch das ist ungewöhnlich: Strauss hat den großen Schlussgesang einer Männerstimme überlassen - obwohl er die letzten Worte dann doch Danae zugesprochen hat. Dass Jupiter sich ein bisschen in der weiblichen Welt umschaut bleibt bei seinem Eheweib verständlich. Andrea Schubert ist als Juno eine köstlich spießige Göttergattin, die ihren gläubigerbesänftigenden Goldregen aus der klassischen, bestickten Handtasche hervorzieht.

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Ein weites Feld: Danae I (Anne Schwanewilms),
im Hintergrund Danae II (Anna Franziska Srna)

Stimmlich ausgesprochen homogen aber charakterlich individuell gestaltet machen die vier Königinnen zunächst wellnessorientiert, später schlittschuhlaufend viel Spaß. Den Schlittschuhläuferinnen erteilt Merkur Punkte. Der Götterbote ist halbnackt und ganz weiß geschminkt. Martin Homrich singt ihn mit klarem, geradlinigem Tenor. Seine Auftritte in der Mittelloge bzw. am Rand des dritten Ranges lösen die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum ebenso auf wie das Erleuchten des Saales, wenn Jupiter vor dem Vorhang den goldenen Tempel besingt und damit den Zuschauerraum der Semperoper zu beschreiben scheint. Als einziger Schwachpunkt des Sängerensembles verleiht Douglas Nasrawi dem pleite gegangenen König Pollux mit dünner und ausdrucksloser Stimme zu wenig Profil. Alle anderen Partien sind adäquat bis luxuriös besetzt.

Fabio Luisi, der designierte Generalmusikdirektor der Sächsischen Staatsoper Dresden, hatte schon 2002 die Premiere in Salzburg geleitet. Er bleibt der Musik kein Schwelgen schuldig, spannt große Bögen, bleibt dabei aber immer transparent, manchmal ganz luftig leicht, und vermeidet alles, was zum Erschlagen durch Klänge führen könnte. Und er hält dabei immer die ideale Balance zwischen Stimmen und Orchester.


FAZIT

Schwelgerischer Strauss in Doppelrahmstufe, dazu ästhetische Bilder, große Sängerleistungen und ein Dirigat, das sich aller erlesener Künste der Dresdner Staatkapelle bedient.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Fabio Luisi

Inszenierung
Günter Krämer

Bühnenbild
Gisbert Jäkel

Kostüme
Falk Bauer

Choreinstudierung
Matthias Brauer

Licht
Jan Seeger



Mitglieder der Komparserie

Der Chor der Sächsischen
Staatsoper Dresden

Sächsische Staatskapelle Dresden


Solisten

Jupiter
Hans-Joachim Ketelsen

Merkur
Martin Homrich

Pollux
Douglas Nasrawi

Danae I
Anne Schwanewilms

Danae II
Anna Franziska Srna

Xanthe
Roxana Incontrera

Midas
Stephen Gould

Semele
Agnete Munk Rasmussen

Europa
Kyung-Hae Kang

Alkmene
Anke Vondung

Leda
Christa Mayer

König I
Timothy Oliver

König II
Oliver Ringelhahn

König III
Christoph Pohl

König IV
Jürgen Commichau

Vier Wächter
Matthias Beutlich
Thomas Müller
Martin Schubert
Mirko Tuma

Juno
Andrea Schubert




Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)



Da capo al Fine

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