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Musiktheater
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Capriccio
Ein Konversationsstück für Musik in einem Aufzug von Richard Strauss
Text von Clemens Krauss und Richard Strauss



Aufführungsdauer: ca. 2 Std. 20 Min.

Premiere an der Sächsischen Staatsoper Dresden
am 28. November 1993
Besuchte Aufführung: 4. Dezember 2005


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Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)
Einfach nur schön

Von Bernd Stopka / Fotos von Erwin Döring

Mit viel Erfahrung und Altersweisheit hat Richard Strauss sich in seinem letzten Bühnenwerk mit der Welt der Bühne beschäftigt. Kammermusik, Ballett, Liedgesang, Theater und natürlich die Oper werden durchleuchtet und in Frage gestellt. Den Text schuf er gemeinsam mit Clemens Krauss. Herausgekommen ist ein tiefsinniges und gleichzeitig heiteres, einfach ein liebenswertes Weltabschiedswerk.

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Erfrischung mit Musik, Tanz und Schokolade

Die Dresdner Inszenierung von Marco Arturo Marelli in den Kostümen von Dagmar Niefind-Marelli stammt aus dem Jahr 1993. Das Szenenbild zeigt einen einfachen weißen Rundbau, von dem ein Drittelausschnitt den Hauptspielraum bildet. An dessen linker Seitenwand steht eine Reihe von Stühlen, deren Lehnen die Form einer Lyra haben. Die Mitte des Rondells, in der Bühnenmitte gelegen, ist durch eine Glaswand abgegrenzt und bildet einen weiteren Spielraum. Das Ganze wirkt ein bisschen wie ein Elfenbeinturm. Das könnte eine Anspielung auf die Entstehungsgeschichte sein. Ein Stück Weltfremdheit gehört wohl doch dazu, sich mitten im zweiten Weltkrieg mit der Frage auseinander zu setzen, wem denn nun der Vorrang gebührt, dem Wort oder der Musik. Einen weiteren Hinweis auf die Außenwelt der Entstehungszeit bieten die Spiegelscherben, die - anstatt des üppigen, großen Spiegels - an der rechten Seitenwand hängen.

Während des Streichquartetts, das das "Konversationsstück für Musik" einleitet, wird der Vorhang ganz langsam aufgezogen. Zuerst sieht man den schlafenden La Roche, dann die beiden Kontrahenten Olivier und Flamand. Die Mäntel ihrer Rokoko-Kostüme ähneln sich symbolisch wie zwei Seiten einer Medaille. Der eine ist schwarz-weiß, der andere weiß-schwarz gemustert. Dies sei als ein kleines Beispiel für die sehr harmonische Ergänzung von Kostümgestaltung und Personenregie genannt.

Marellis Personenregie zeigt die Facetten menschlichen Umgangs auf ganz natürliche Weise, bewegt, berührt und macht auch viel Spaß und er zaubert immer wieder ein heiter-melancholisches Lächeln auf die Gesichter des Publikums. Wie kann man die Weisheit dieses Werkes angenehmer und eingängiger vermitteln? Sicher anders, aber kaum besser. Zumal wenn man ein solch erlesenes Sängerensemble zur Verfügung hat.

Martin Homrich hat einen wunderschönen lyrischen Tenor, der hell, aber auch sanft strahlen kann. Er wurde vor dieser Aufführung als indisponiert angekündigt, aber viele Tenöre könnten glücklich sein, wenn sie den Flamand ohne Erkältung so singen könnten. Markus Butter als Olivier und Andreas Scheibner, der kurzfristig für Olaf Bär als Graf eingesprungen ist, sind zwei superedle Baritone. Anke Vondung ist eine herzliche, liebliche Clairon, die die dümmlichen Anteile ihres Textes weniger betont als die herzigen. Hajo Müller ist ein gütiger und unverwüstlicher Haushofmeister. Jan-Hendrik Rootering hat hier Gelegenheit sein komisches Talent auszuspielen. Er tut dies mit Genuss und Überlegung, übertreibt nicht, sondern dosiert es fein. Stimmlich ist er ein kraftvoll orgelnder, kultiviert polternder, zuweilen etwas nasal klingender La Roche, der manchmal ein bisschen genauer artikulieren könnte.

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Die Gräfin zwischen beiden Verehrern

Camilla Nylunds großer Sopran klingt eher klar als samtig und passt daher ideal zur Gräfin, was nicht heißt, dass Camilla Nylund der Madeleine die emotionalen Anteile schuldig bleibt. Wie sie am Schluss zwischen zwei riesengroßen Blumenkörben versucht ihr Herz und ihr Hirn nach einer Entscheidung für den einen oder den anderen Verehrer zu finden, das berührt und bewegt, das zaubert auch hier ein Lächeln auf das Gesicht des Zuschauers und den Wunsch, nie in einer solchen Situation zu stecken. Schließlich steckt sie sich je eine Blüte aus jedem Korb ins Dekolltee. Entscheidungen können schwer sein.

Die Frage der Gräfin "Gibt es einen Schluss der nicht trivial ist?" beantworten Strauss und Krauss mit einem verschmitzen Lächeln: "Das Souper ist serviert." sind die letzten Worte. "Essen ist fertig!". Nein, es gibt keinen Schluss, der nicht trivial ist... Langsam und bedächtig zieht der Haushofmeister den Vorhang zu und schaut fragend ins Publikum. Aber auch hier findet er den Schluss der Oper nicht und schließt dann den Vorhang mit einem Ruck ganz.

Peter Schneider kennt seinen Strauss und scheint ihn zu lieben. Sein Dirigat ist exakt aber ruhig, nuanciert, aber auch schwelgerisch. Dabei vermeidet er übergroße Sentimentalität, ohne kühl zu wirken. Gerade in der Mondscheinmusik erreicht er damit eine großartige Wirkung. Die Staatskapelle ist und bleibt wohl auch die berühmte "Wunderharfe". Wunderbar!


FAZIT

Es gibt sie noch, die Aufführung, aus der man herauskommt und rundum beglückt ist.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Peter Schneider

Inszenierung und Bühnenbild
Marco Arturo Marelli

Kostüme
Dagmar Niefind-Marelli

Choreinstudierung
Christof Bauer

Choreographie
Manfred Schnelle



Sächsische Staatskapelle Dresden

Bühnenmusik:
Jörg Fassmann, Violine
Martin Jungnickel, Cello
Jobst Schneiderat, Cembalo


Solisten

Die Gräfin
Camilla Nylund

Der Graf
Andreas Scheibner

Flamand
Martin Homrich

Olivier
Markus Butter

La Roche
Jan-Hendrik Rootering

Clairon
Anke Vondung

Monsieur Taupe
Tom Martinsen

Eine italienische Sängerin
Roxana Incontrera

Ein italienischer Tenor
Woo-Kyung Kim

Eine junge Tänzerin
Melanie Cahill

Der Haushofmeister
Hajo Müller

Acht Diener
Rafael Harnisch
Andreas Heinze
Christof Bodenstein
Mirko Tuma
Andreas Soika
Enrico Schubert
Klaus Milde
Thomas Müller




Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)



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