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Musiktheater
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Hip H'Opera – Così fan tutti

Ein Cross-Culture-Projekt frei nach Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte
Idee und Konzept von Markus Kosuch
Libretto von Bettina Bartz und Werner Hintze, bearbeitet von Markus Kosuch
Komposition von Wolfgang Bender und Chatschatur Kanajan
HipHop-Beats von kronstädta (p-pack)


in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Premiere an der Komischen Oper Berlin am 4. April 2006
(rezensierte Aufführung: 5. April 2006)


Homepage

Komische Oper Berlin
(Homepage)
Absurde Mischung versetzt Kids in Ekstase

Von Annika Senger / Fotos von Monika Rittershaus

Zwei völlig gegensätzliche Welten prallen gewaltsam aufeinander: Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Così fan tutte muss zerstückelt gegen fette HipHop-Beats ankämpfen. Regisseur und Initiator der sogenannten Hip H'Opera, Markus Kosuch, sagt, das Projekt sei aus großer Liebe zu Mozart entstanden. Doch was auf der Bühne der Komischen Oper Berlin absurd in Szene gesetzt wird, ist nichts anderes als eine grausame Verstümmelung des klassischen Opernstoffes. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Liebesgeschichte, die womöglich die Synthese der beiden musikalischen Stilrichtungen symbolisieren soll. Eine Verschmelzung kommt allerdings nicht zustande, was zum einen an der Besetzung liegt; zum anderen aber ist es zu wenig, das Orchester mit HipHop-Beats zu unterlegen, um eine glückliche Liaison zwischen Oper und HipHop zu erzeugen.

Vergrößerung

Mozart meets HipHop: (von links) Despina (Jasmin Shakeri), Ferrando (BOBMALO), Guglielmo (FlowinImmO) und Don Alfonso (Hans Griepentrog)

Die beiden vornehmen Damen Dorabella und Fiordiligi werden von den versierten Opernsängerinnen Vanessa Barkowski und Nina von Möllendorf verkörpert. Dagegen spielen zwei albern anmaßende Rapper die Herren Offiziere Guglielmo und Ferrando, die die Schwestern am Ende ehelichen. Sobald sich die Herren FlowinImmO und BOBMALO sich stimmlich auch nur an Teile der Original-Arien heranwagen, drängt sich die Frage auf, ob Mozart sich anlässlich seines 250. Geburtstags wohl im Grab umdrehe. Die tierischen Laute aus den Mündern der Rapper rauben der Oper jedenfalls nicht nur in Ansätzen ihre Seele, und selbst Dorabella und Fiordiligi können sie nicht retten. Auch die Interpretation des Don Alfonso durch Hans Griepentrog lässt zu wünschen übrig: Sein ausdrucksschwacher Gesang ruft Assoziationen mit kaltem Wasser und weißem Papier hervor.

Vergrößerung Cool: Despina (Jasmin Shakeri) und Don Alfonso (Hans Griepentrog)

Das gewöhnungsbedürftige Experiment hat aber auch seine lobenswerten positiven Seiten: Die Tänzerinnen und Tänzer im Alter von 16 bis 24 Jahren sprudeln über vor kreativer Energie. Bei buntem Disco-Licht, Nebelmaschine und Stroboskop präsentieren sie einen abwechslungsreichen Mix aus fließend-geschmeidigen Bewegungen, rasanten Breakdance-Einlagen, Salti und Flic Flacs. Es ist deutlich zu spüren, mit wie viel Freude und Elan die Jugendlichen an dem Projekt teilnehmen. Ihre Ekstase färbt ab auf das vorwiegend junge Publikum, das die gelungene Choreographie mit lauten Kreischanfällen honoriert. Obwohl eingefleischte Opern-Fans nicht wirklich auf ihre Kosten kommen, stößt Kosuchs Versuch, jungen Menschen klassische Musik näher zu bringen, bei den Kids auf fruchtbaren Boden. Hip H'Opera ermöglicht den tanzwütigen Jugendlichen aus allen Stadtteilen Berlins, erstmals Bühnenerfahrungen auf einem professionellen Niveau zu sammeln, sich selbst auszuprobieren und auf der menschlichen Ebene als Ensemble zusammen zu wachsen. Projektleiterin und Dramaturgin Anne-Kathrin Ostrop bietet zu allen Opern des Spielplanes der Komischen Oper Workshops für Kinder, Jugendliche und Studierende an. Diese wertvolle Arbeit leistet mit Sicherheit einen Beitrag, junge Leute für Musik und Kultur im Allgemeinen zu begeistern. Wenn auch auf Kosten Mozarts.


FAZIT
Eine Tortur für Opern-Fans – für HipHop-Kids dagegen eine "coole“ Inszenierung.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Chatschatur Kanajan

Inszenierung
Markus Kosuch

Choreographie
Nadja Raszewski

Bühne und Kostüme
Mirella Weingarten
Sonja Albartus

Dramaturgie und Projektleitung
Anne-Kathrin Ostrop



Orchester des Musikgymnasiums
"Carl Philip Emmanuel Bach", Berlin

40 Tänzerinnen und Tänzer

DJ craft


Solisten

Opernsänger:

Fiordiligi
Nina von Möllendorf

Dorabella
Vanessa Barkowski

Don Alfonsa
Hans Griepentrog


Rapper:

Guglielmo
FlowinImmO

Ferrando
BOBMALO

Despina
Jasmin Shakeri






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Komischen Oper Berlin
(Homepage)



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