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Musiktheater
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Der Prophet
(Le prophète)

Oper in fünf Akten von Eugène Scribe und Emile Deschamps
Musik von Giacomo Meyerbeer


In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h 30 Minuten (eine Pause)

Premiere am 25. September 2004
im Großen Haus der Städtischen Bühnen Münster
Besuchte Aufführung: 24. Oktober 2004


Logo: Städtische Bühnen Münster

Städtische Bühnen Münster
(Homepage)
Karge Grand Opéra

Von Bernd Stopka / Fotos von Michael Hörnschemeyer


Mit Meyerbeer assoziiert man Pomp, Bombast, Trara und Tschatäng, große Stimmen (-pornographie), weiße Elefanten auf der Bühne, grandiose Massenszenen, einstürzende Kulissen und auf den Trümmern großes Ballett. Aber das kennt man fast nur aus der Literatur. Wann steht schon mal ein Meyerbeer auf einem Spielplan?

Wolfgang Quetes hat als erste Premiere seiner Intendanz Le prophète an den Städtischen Bühnen Münster inszeniert. Eine Kraftanstrengung und Herausforderung, aber eben auch ein großer Reiz. Und da ein großer Teil der Handlung in Münster spielt, bietet der lokale Hintergrund einen weiteren Anlass, das Werk hier aus der Versenkung zu holen.

Mit Le prophète (Uraufführung 1849) beschreitet Giacomo Meyerbeer einen etwas anderen Weg als in L'Africaine und Les Huguenots. Hier steht nicht das große Geschichtsspektakel im Vordergrund, hier werden die Einzelschicksale der Personen vertieft. Das führt zu etwas - etwas - mehr Tiefgang. Natürlich geht es um die große und reine Liebe, den Bösen, der sie verhindert, die Mutter, die alles retten will, um Intrigen und Leidenschaften, falsche Versprechungen und dergleichen mehr. Das ganze Repertoire halt.

Vergrößerung in neuem Fenster Einzelschicksal statt Theaterpomp:
Fidès, die Mutter des falschen Propheten.

In seiner Inszenierung verzichtet Wolfgang Quetes auf jeden Pomp - und auf das Ballett. Das Bühnenbild von Heinz Balthes zeigt ein bühnenhohes sattblaues Fünfeck, das die Bühne halbkreisartig umschließt. Die fensterartigen Rechtecke darin können geöffnet werden und variieren die Szenenbilder dezent. Den gleichen Zweck erfüllen monumentale Treppenelemente. So werden die einzelnen Szenenbilder nur angedeutet. Den Dom zu Münster, in dem die Krönung des falschen Propheten stattfindet, sollte man sich also vor dem Opernbesuch im Original anschauen.

Es gibt einige ganz starke Bilder: Wenn der falsche Prophet allein an der Mitte der riesigen Tafel im Wirtshaus seiner Mutter steht, erinnert das an ein Abendmahlsgemälde. Nur das der Prophet hier (noch) ohne Jünger ist.

Vergrößerung in neuem Fenster

Schlecht gehende Wirtschaft:
Die Herkunft des falschen Propheten.

Die letzte Szene, die ein großes Fest darstellt während dessen alle Beteiligten vom falschen Propheten selbst in die Luft gejagt werden, verdeutlicht ganz eindeutig die dekadente Endzeitstimmung: Esst, trinkt, hurt, denn morgen sterben wir. Mit dem Schlussbild wird die Inszenierung dann ganz konkret und warnend: Auf Hängern werden feuerrot beleuchtete Bilder im Krieg zerstörter Gebäude Münsters herabgelassen.

Die Kostüme von Ute Frühling folgen einer einfachen Farbenlehre. Sie sind düster schwarz/grau, modern aber doch irgendwie zeitlos. Nur der Adel darf sattes Rot tragen und der Krönungsmantel des falschen Propheten ist geradezu archetypisch.

Vergrößerung in neuem Fenster Krönung im (dazuzudenkenden) Dom zu Münster.

Die kargen Szenenbilder fokussieren die Konzentration auf die Handlung und die Musik. Das bietet Chance und Gefahr. Denn diese Konzentration lässt auch Schwächen deutlich werden. Und derer sind nicht wenige. Die Musik ist sorgfältig gearbeitet. Meyerbeer hat auch Ideen. Da gibt es viele reizvolle Klänge und ein Choral macht sich auf den Weg zum Leitmotiv. Meyerbeer fehlt aber der Hauch des Genies, der diesen Ideen mitreißendes Leben einhaucht. Vor allem in den ersten drei Akten ist die Musik über lange Strecken ganz einfach langweilig, in schönen, aufwändigen, aber unverbindlichen Klängen nichtssagend.

Das ändert sich, wenn sich im 5. Akt das Seelenleben musikalisch breit macht. Die emotionalen Kämpfe der Fidès gehen plötzlich unter die Haut. In dieser Paraderolle war in der besuchten Aufführung Lani Poulson zu erleben. Ihr gleichmäßig durchgeformter Mezzo klingt samtweich, rund und satt, ein bisschen dramatischer könnte er für diese Partie aber schon sein. Sie zeichnet ein eindringliches Charakterbild der Mutter des falschen Propheten. Dass auch ihre stimmungsvollen Arien zu oft in banalem technikdemonstrierendem Gesinge enden, ist die Schuld des Komponisten, nicht die der Sängerin.

Die Tenorpartie des Jean de Leyde ist höllisch schwer. Daniel Magdal kämpft sich tapfer hindurch, allein dafür gebührt ihm Hochachtung, auch wenn die Spitzentöne seiner schön timbrierten Stimme nicht immer sicher sitzen und die Intonation unter der Anstrengung fortschreitend zu leiden beginnt und er mit den Koloraturen deutlich überfordert ist.

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Volksidol gegen Sohn:
Jean verleugnet seine Mutter Fidès.

Anton Keremidtchiev macht als Le Comte d' Oberthal eine gute Figur. Sein markanter Bariton ist in der Tiefe zwar nicht ganz abgerundet, klingt aber angenehm unangestrengt. Carmen Acostas glockenklare Koloraturen können richtig begeistern. Eine leichte Stimme mit sicherer Technik, die trotzdem nicht unterkühlt klingt. In stimmlicher Dreieinigkeit sangen Radoslaw Wielgus (Mathisen), James Mc Lean (Jonas) und Paul Sketris (Zacharie) die drei Wiedertäufer. Wobei Paul Sketris aus Magdeburg, der in der besuchten Aufführung kurzfristig eingesprungen war, nur sang, weil Plamen Hidjov wegen einer Stimmbandentzündung nur spielen konnte.

Seine große Aufgabe bewältigt der Chor mit Bravour. Mit ein wenig mehr Sorgfalt (= weniger Rumsteherei) hätte der Regisseur ihn gern noch weiter aufwerten können. Zumal er bei der Führung der Solisten ganz reizvoll immer wieder pathetische Theatralik mit natürlicher Personenregie gebrochen hat.

Vergrößerung in neuem Fenster Große Aufgabe mit Bravour bewältigt:
Chor und Extrachor.

Das Sinfonieorchester Münster bewältigt seine Aufgabe höchst beachtlich. Christian Voß hält am Pult die Fäden zusammen, lotet die Partitur nach den Feinheiten aus und lässt auch dem dicken musikalischen Theaterpomp der französischen Grand Opéra soweit es geht ihr Recht.


FAZIT

Eine Meyerbeer-Oper bekommt man nicht oft zu hören und zu sehen. Interessant ist es dann allemal. Aber einmal sehen und hören reicht dann auch. Am liebsten dann aber als das große Bühnenspektakel, als das sie gedacht ist.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Christian Voß

Inszenierung
Wolfgang Quetes

Bühne
Heinz Balthes

Kostüme
Ute Frühling

Chor
Peter Heinrich



Statisterie der Städtischen
Bühnen Münster

Chor und Extrachores der
Städtischen Bühnen
Münster

Sinfonieorchester
der Stadt Münster


Solisten

Jean de Leyde
Daniel Magdal

Fidès, seine Mutter
Lani Poulson

Berthè, seine Verlobte
Carmen Acosta

Le Comte d'Oberthal
Anton Keremidtchiev


Drei Wiedertäufer:

Zacharie
Plamen Hidjov (spielte)
Paul Sketris (sang)

Mathisen
Radoslaw Wielgus

Jonas
James Mc Lean


Bauern
Alexandre Partzov
Lars Hübel
Frank Göbel

Ein Soldat
Christian-Kai Sander

Vier Bürger
Alexander Partzov
Christian-Kai Sander
Frank Göbel
Kiyotaka Mizuno

Zwei Wiedertäufer
Jordan Zarev
Lars Hübel

Ein Offizier
Jae-Joon Pak



Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Städtische Bühnen Münster
(Homepage)



Da capo al Fine

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