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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Ehre, Pflicht, Liebe und Verwirrung der Gefühle
Von Gerhard Menzel
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Fotos von Matthias Stutte Tamerlano ist eine der dramatischsten und spannendsten Opern Händels. Zudem weist sie zahlreiche Merkmale auf, die sie aus den "Massenprodukten" der Zeit weit heraushebt. So schuf Händel mit Bajazet, dem Gegenspieler des Titelhelden, eine der ersten bedeutenden Tenorpartien der Operngeschichte. Außerdem vollzieht sich Bajazets Tod, entgegen der damaligen Theaterkonvention, für alle sicht- und erlebbar auf der Bühne. Diese Todesszene Bajazets, die Händel als ausladendes und dramatisch zugespitztes Accompagnato-Rezitativ gestaltet hat, gehört zu den ganz großen Meilensteinen der Musikgeschichte. Nirgends sonst in Händels Oeuvre ist die Brutalität von Macht und Tyrannei so schonungslos gezeichnet, so radikal bis zum bitteren Ende auskomponiert wie in Tamerlano.
Uta Christina Georg (Tamerlano),
Fast nichts von all dem ist in dieser Tamerlano-Produktion zu hören und zu sehen.
Debra Hays (Asteria) und Timothy Richards (Bajazet).
Während die Spielfläche bis in den Orchestergraben hinunter reicht, sind die Instrumentalisten - bis auf das die Rezitative begleitende Cembalo (und das Solo-Violoncello) - in der oberen Etage des "Palastes" plaziert. Obwohl dadurch immer mit dem Rücken zu den Sängern, hielt Graham Jackson, der GMD der Niederrheinischen Sinfoniker, Solisten und Orchester immer gut zusammen. Leider klang die Musik, trotz hörbar differenzierter Einstudierung, immer etwas farblos, blass und uninspiriert. Händels starke Ausdruckskraft und Dramatik blieb hier völlig auf der Strecke.
Debra Hays (Asteria) und
Natürlich ist das Theater Krefeld/Mönchengladbach keine "Pflegestätte" für Barockmusik, aber auch andere "normale" Repertoiretheater - wie Gelsenkirchen (Armide), Wuppertal (Orfeo) oder die Deutsche Oper am Rhein (Il ritorno d'Ulisse in Patria) - sind schon seit geraumer Zeit in der Lage, Musik dieser Zeit in adäquater Weise zu präsentieren und die Lebhaftigkeit, Farbigkeit und Dramatik dieser Kompositionen hörbar zu machen.
Timothy Richards (Bajazet). Debra Hays (Asteria) und Uta Christina Georg (Tamerlano), Janet Bartolova (Irene) Frank Valentin (Andronico) und Hayk Déinyan (Leone).
Die Protagonisten, die in der Regel im klassisch-romantischen Bereich wirken, brachten sich hier mit allen Ausdrucksmöglichkeiten ihres geläufigen Repertoires in Händels Musik ein. Neben Uta Christina Georg in der Titelpartie des Tamerlano, die sich immerhin auch im Bereich der Alten Musik zu Hause fühlt, gelang dieses vor allem Debra Hays als leidgeprüfter, ausdrucksstarker Asteria.
Schlußbild:
Eine Besonderheit dieser Produktion ist die Idee, Asterias - in Händels Oper stumme - Dienerin Zaide mit einer Schauspielerin zu besetzen. Die von ihr vorgetragenen und von Dramaturgin Ingrid Allwardt verfassten (deutschen) Texte führen das Publikum - zu Beginn des Stückes und nach der Pause - in die Handlung und in die Befindlichkeiten der beteiligten Personen ein, sodass jeder die Vorgänge nachvollziehen kann und in dem Wirrwarr der Gefühle nicht den Überblick verliert.
Musikalisch nichts für Händelgourmets, aber gut bekömmliche Hausmannskost und eine kluge, fein gezeichnete Inszenierung. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Dramaturgie
Solisten* Alternativbesetzung
Tamerlano
Bajazet
Asteria
Andronico
Irene
Leone
Zaide
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