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Tamerlano

Dramma per musica in drei Akten
Text von Nicola Francesco Haym nach der Tragödie
Tamerlan ou La Mort de Bajazet (1675)
von Jacques Pradon
Musik von Georg Friedrich Händel


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Deutscher Text von Ingrid Allwardt

Aufführungsdauer: ca. 2h 45 Minuten (zwei Pausen)

Premiere im Theater Mönchengladbach (Rheydt)
am 9. April 2005


Homepage

Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Ehre, Pflicht, Liebe und Verwirrung der Gefühle

Von Gerhard Menzel / Fotos von Matthias Stutte


Tamerlano ist eine der dramatischsten und spannendsten Opern Händels. Zudem weist sie zahlreiche Merkmale auf, die sie aus den "Massenprodukten" der Zeit weit heraushebt. So schuf Händel mit Bajazet, dem Gegenspieler des Titelhelden, eine der ersten bedeutenden Tenorpartien der Operngeschichte. Außerdem vollzieht sich Bajazets Tod, entgegen der damaligen Theaterkonvention, für alle sicht- und erlebbar auf der Bühne. Diese Todesszene Bajazets, die Händel als ausladendes und dramatisch zugespitztes Accompagnato-Rezitativ gestaltet hat, gehört zu den ganz großen Meilensteinen der Musikgeschichte. Nirgends sonst in Händels Oeuvre ist die Brutalität von Macht und Tyrannei so schonungslos gezeichnet, so radikal bis zum bitteren Ende auskomponiert wie in Tamerlano.

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Uta Christina Georg (Tamerlano),
Xenia Snagowski (Zaide) und
Timothy Richards (Bajazet).

Fast nichts von all dem ist in dieser Tamerlano-Produktion zu hören und zu sehen.
Die Inszenierung von Christian Tombeil zeigt Tamerlano weniger als den brutalen Eroberer und Tyrannen, sondern mehr als den "kultivierten" - historisch sogar belegten - Förderer von Religion, Literatur, Wissenschaft, Kunst und Architektur. Dieses unterstreicht nicht nur die "zurückhaltende" Personenführung von Christian Tombeil, sondern auch die Kostüme von Achim Römer, der auch ein optisch reizvolles, atmosphärisches und sehr praktikables Bühnenbild schuf. Bemerkenswert waren auch die verschiedenen Lichtstimmungen und -spiegelungen im integrierten Wasserbecken.

Vergrößerung in neuem Fenster Debra Hays (Asteria) und
Timothy Richards (Bajazet).

Während die Spielfläche bis in den Orchestergraben hinunter reicht, sind die Instrumentalisten - bis auf das die Rezitative begleitende Cembalo (und das Solo-Violoncello) - in der oberen Etage des "Palastes" plaziert. Obwohl dadurch immer mit dem Rücken zu den Sängern, hielt Graham Jackson, der GMD der Niederrheinischen Sinfoniker, Solisten und Orchester immer gut zusammen. Leider klang die Musik, trotz hörbar differenzierter Einstudierung, immer etwas farblos, blass und uninspiriert. Händels starke Ausdruckskraft und Dramatik blieb hier völlig auf der Strecke.

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Debra Hays (Asteria) und
Frank Valentin (Andronico).

Natürlich ist das Theater Krefeld/Mönchengladbach keine "Pflegestätte" für Barockmusik, aber auch andere "normale" Repertoiretheater - wie Gelsenkirchen (Armide), Wuppertal (Orfeo) oder die Deutsche Oper am Rhein (Il ritorno d'Ulisse in Patria) - sind schon seit geraumer Zeit in der Lage, Musik dieser Zeit in adäquater Weise zu präsentieren und die Lebhaftigkeit, Farbigkeit und Dramatik dieser Kompositionen hörbar zu machen.

Vergrößerung in neuem Fenster Timothy Richards (Bajazet). Debra Hays (Asteria) und
Uta Christina Georg (Tamerlano), Janet Bartolova (Irene)
Frank Valentin (Andronico) und Hayk Déinyan (Leone).

Klangbeispiel Klangbeispiel: Uta Christina Georg (Tamerlano)
(MP3-Datei)


Die Protagonisten, die in der Regel im klassisch-romantischen Bereich wirken, brachten sich hier mit allen Ausdrucksmöglichkeiten ihres geläufigen Repertoires in Händels Musik ein. Neben Uta Christina Georg in der Titelpartie des Tamerlano, die sich immerhin auch im Bereich der Alten Musik zu Hause fühlt, gelang dieses vor allem Debra Hays als leidgeprüfter, ausdrucksstarker Asteria.
Janet Bartolova als Irene verkörperte die zielstrebige stolze Frau, die mit allen Mitteln den Weg zur Macht sucht. Alle anderen Figuren leiden, schwanken und verzweifeln an ihren Gefühlen und Pflichten, sei es Timothy Richards als Bajazet, Frank Valentin als Andronico oder Hayk Déinyan Leone.

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Schlußbild:
Debra Hays (Asteria) schreitet davon.
Oben: Hayk Déinyan (Leone), Uta Christina Georg (Tamerlano),
Janet Bartolova (Irene) Frank Valentin (Andronico)
und und

Eine Besonderheit dieser Produktion ist die Idee, Asterias - in Händels Oper stumme - Dienerin Zaide mit einer Schauspielerin zu besetzen. Die von ihr vorgetragenen und von Dramaturgin Ingrid Allwardt verfassten (deutschen) Texte führen das Publikum - zu Beginn des Stückes und nach der Pause - in die Handlung und in die Befindlichkeiten der beteiligten Personen ein, sodass jeder die Vorgänge nachvollziehen kann und in dem Wirrwarr der Gefühle nicht den Überblick verliert.


FAZIT

Musikalisch nichts für Händelgourmets, aber gut bekömmliche Hausmannskost und eine kluge, fein gezeichnete Inszenierung.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Graham Jackson

Inszenierung
Christian Tombeil

Bühne und Kostüme
Achim Römer

Dramaturgie
Dr. Ingrid Allwardt


Die Niederrheinischen
Sinfoniker


Solisten

* Alternativbesetzung

Tamerlano
Uta Christina Georg

Bajazet
Timothy Richards
*/ Walter Planté

Asteria
Debra Hays
*/ Lea-Ann Dunbar

Andronico
Frank Valentin

Irene
Janet Bartolova
*/ Kerstin Brix

Leone
Hayk Déinyan
*/ Tobias Pfülb

Zaide
Xenia Snagowski



Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Theater Krefeld-
Mönchengladbach

(Homepage)



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