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Die Zauberflöte

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
Text von Emanuel Schikaneder


In deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3h 15 Minuten (eine Pause)

Premiere im Theater Krefeld am 5. Dezember 2004


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Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Zauberflöte inszenieren: Ein Kinderspiel.

Von Stefan Schmöe / Fotos von Matthias Stutte


Von der Zauberflöte gab es in jüngerer Zeit (und gibt es noch) bemerkenswerte Inszenierungen zu sehen: In Essen hat Ezio Toffolutti einen ironischen Blick auf den Geschlechterk(r)ampf in dieser Oper geworfen; in Düsseldorf spielt Christof Loy das Spannungsverhältnis von Vernunft und Gefühl durch; bei der Ruhrtriennale hat das Künstlerkollektiv La Fura dels Baus eine surrealistische Traumwelt erfunden. In allen Inszenierungen geht es letztendlich auch um die Problematik, dieses schwierige, von allerlei inneren Widersprüchen geprägte Stück stringent (oder eben nicht stringent) zu erzählen. Wegen ihrer Brüche hat man die Zauberflöte auch als „Machwerk“ bezeichnet - aber dann handelt es sich sicher um das mit Abstand beliebteste „Machwerk“ der Theatergeschichte.

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Seltsames Land, wo alles Spielzeug ist: Tamino trifft Papageno.

In Krefeld fegt Mascha Pörzgen alle Einwände bezüglich mangelnder Logik mit einem simplen Trick hinweg: Sie fasst die Handlung als Spiel auf, bei dem bestimmte Situationen ganz offensichtlich konstruiert werden und deshalb keiner tieferen Begründung bedürfen. Ganz konkret steht ein Puppentheater am Bühnenrand, in dem das Bühnengeschehen vorweg genommen ist. Spieler sind die drei Knaben, drei Teenager unserer Zeit (das ist der am ehesten bemüht wirkende Einfall), die hin und wieder die Puppen verschieben (und auch, wenn Libretto und Komposition dies vorschreiben, ganz konkret lenkend in die Handlung eingreifen).

Vergrößerung in neuem Fenster Runde Formen sind Frauensache: Die Königin der Nacht und ihre Damen

Die Bühne selbst versetzt in eine Kinderwelt: Überdimensionale Spielzeuge weit und breit, zwischen denen die Akteure wie Puppen agieren. Die Welt der Königin ist dabei beherrscht von runden Formen, in Sarastros Reich herrscht die strenge Logik des Schachspiels vor. Wenn der Text bedeutungsschwer wird, dann heben die Priester einen (Spielzeug-)Würfel als ironisch verdrehtes Symbol für Schicksal und dergleichen hoch. Überhaupt rückt die Regisseurin dem Pathos gehörig zu Leibe. Sarastros „Heil'ge-Hallen“-Arie etwa ist kein philosophisches Programm einer Weltverbesserer-Kaste, sondern eine ganz persönlicher Tröstungsversuch an Pamina im Stil von „mach dir 'mal keine Sorgen, mein Kind, das kriegen wir schon hin“. Die Priester dürfen auch schon mal leicht albern herumtänzeln, wenn Mozarts Musik spöttisch wird: Mascha Pörzgen hält sich lieber an die Töne als an den Text.

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Im Grenzbereich zwischen gebogenen und geraden Linien treffen Pamina, Monostatos und Papageno aufeinander

Dass es auch anders, nämlich tragisch, zugehen könnte, wird in einigen wenigen Momenten angedeutet. So hätte Pamina durchaus die Möglichkeit, Sarastro zu töten und erhebt den Dolch auch zum Meuchelmord, hat aber nicht die Kraft, den wirklich netten Herrn ins Jenseits zu befördern. Mit kleinen Andeutungen wird deutlich, dass dieses Kinderreich bedroht, ja letztendlich unmöglich ist. Die Prüfungssituationen, die in vielen Inszenierungen absurd wirken, kann man hier deuten als die wachsende Bereitschaft, sich auf dieses Spiel einzulassen. Das wiederum ist eine Idee, die alles andere als naiv ist. Schillers ästhetisches Erziehungsprogramm („Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“) liegt ebenso in der Luft wie Hermann Hesses Veredlung des Menschen im „Glasperlenspiel“. Programmatisch für Mascha Pörzgens Ansatz legen Tamino und Pamina nach ihrer Weihe aus den riesigen Scrabble-Steinen, die überall herumliegen, das Schluss-Wort „Utopie“.

Vergrößerung in neuem Fenster Selbst die wilden Tiere fehlen nicht: Tamino trifft vor dem Weisheitstempel auf Pamina

Die spielerisch leichte Inszenierung findet ihr Pendant im schwungvollen und eleganten Dirigat von Allan Bergius und der fabelhaften Umsetzung durch die Niederrheinischen Sinfoniker. Ich kann mich nicht erinnern, das Orchester in den letzten Jahren in so guter Verfassung gehört zu haben – agil in allen Instrumentengruppen und mit einem warmen, von den Bläsern gestützten Klang. Bergius wählt flotte, aber nicht zu schnelle Tempi und trägt damit den unbeschwerten Ansatz der Regie. Er setzt aber auch Ruhepunkte und ist zudem ein sicherer Begleiter der Sänger und des (klangvollen und sehr zuverlässigen) Chores.

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Endlich am Ziel: Pamina und Tamino dürfen mitspielen und legen den Begriff "Utopie"

Aus dem insgesamt ordentlichen Sängerensemble ragen Judith Arens als mädchenhafte Pamina und Christoph Erpenbeck als sing- und spielfreudiger, sehr komischer (bei der musikalischen Phrasierung allerdings mitunter manierierter) Papageno heraus. Hayk Déinyan ist ein Sarastro mit schlanker, aber dennoch warmer Stimme – eher ein guter Freund als ein Übervater. Isabelle Razawi, als Gast für diese Rolle verpflichtet, singt die Königin der Nacht auch in höchsten Höhen absolut tonsicher, aber leicht verschwommen in den Koloraturen und mit puppenhafter Stimme (was der Rollenauslegung nicht schadet, aber nicht gerade dämonisch wirkt). Da sind ihre zupackend singenden Damen (Lea-ann Dunbar, Kerstin Brix und Uta Christina Georg) schon bedrohlicher (und Allan Bergius lässt es zu ihren Auftritten im Orchester ordentlich donnern). Durchweg überzeugend sind Papagena (Jeanette Wernicke), Monostatos (Markus Heinrich) sowie die ja gar nicht so kleinen anderen Rollen besetzt (wobei die Entscheidung, die Knaben mit nicht-ausgebildeten Sängerinnen zu besetzen, zwar vom Regieansatz sinnvoll ist, aber das klangliche Gleichgewicht in den Ensembles gefährdet). Einziger wirklicher Schwachpunkt ist Man-Taek Ha, der sich als Tamino mit gepresster Stimme nicht freisingen kann. Vor der (freilich musikalisch arg schwächelnden) Produktion im benachbarten Düsseldorf und Duisburg braucht man sich in Krefeld und Mönchengladbach nicht zu verstecken.


FAZIT

Im Spiel wird der Mensch gut: Mascha Pörzgen inszeniert eine verspielte, ideenreiche und unterhaltsame Zauberflöte, die aber keineswegs naiv ist und nicht zuletzt Dank einer musikalisch ordentlichen Umsetzung rund drei Stunden in eine wundersame Kinderwelt entführt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Allan Bergius

Inszenierung
Mascha Pörzgen

Bühne und Kostüme
Cristof Cremer

Choreinstudierung
Heinz Klaus

Dramaturgie
Benedikt Holtbernd


Chor der Vereinigten
Städtischen Bühnen
Krefeld und Mönchengladbach


Die Niederrheinischen
Sinfoniker


Solisten

* Besetzung der Premiere

Pamina
* Judith Arens /
Debra Hays

Tamino
* Man-Taek Ha /
Kairschan Scholdybajew

Königin der Nacht
Anja-Maria Kaftan /
* Isabelle Razawi

Sarastro
* Hayk Dèinyan /
Tobias Pfülb

Papageno
* Christoph Erpenbeck /
Simon Pauly

Papagena
Debra Hays /
* Jeannette Wernecke

1. Dame
Janet Bartolova /
* Lea-ann Dunbar

2. Dame
Judith Arens /
* Kerstin Brix

3. Dame
* Uta Christina Georg /
Satyk Tumyan

Monostatos
Garrie Davislim /
* Markus Heinrich

Sprecher
Christoph Erpenbeck /
Tobias Pfülb /
* Konstantin Rittel-Kobylianski

1. Priester
* Bernhard Schmitt

2. Priester
Garrie Davislim /
* Reiner Roon

1. Geharnischter
* Walter Planté /
Kairschan Scholdybajew

2. Geharnischter
Christoph Erpenbeck /
* Tobias Pfülb

1. Knabe
* Julia Bernhardt /
Franziska Dieckmann

2. Knabe
* Ronja Handwerker /
Eva Duffy

3. Knabe
* Anna Schettler /
Mara Herzog




Weitere
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Mönchengladbach

(Homepage)



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