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Anatevka
(The Fiddler on the Roof)



Musical in zwei Akten von Jerry Bock
Text von Joseph Stein

Premiere im Theater Hagen
am 30.April 2005


Logo: Theater Hagen

Stadttheater Hagen
(Homepage)

Mazzel tow, mazzel tow

Von Anne-Kathrin Wortmann / Fotos von Olaf Struck



Zaghaft zuerst, aber immer intensiver ertönt der Klang der Geige zu Beginn des Musicals. Die typisch jiddische Weise spielt der Fiedler auf dem Dach, gekleidet als "roter Faden", der sich wahrhaftig durch den Abend "zieht".

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Die Bescheidenheit und Wehmütigkeit der Melodie bilden die passende Begleitung für den Auftritt Tevje's (Werner Hahn). Die sonore Stimme mit der wunderbar intonierten Klangfärbung füllt den Saal und lässt uns nicht nur Einblick in das Leben in Anatevka gewähren, sondern ermöglicht uns ein Mit-Leben und -Fühlen.
Denn Gefühle gepaart mit Witz bestimmen den Abend. Dagegen steht die Tradition, die Rollenverteilung und Hierarchie der jüdischen Familie bzw. der "Großfamilie" - dem Dorf Anatevka.
"Tradition" - der Chor zeigt es uns gleich zu Beginn, für Hagen bisher unüblich schmissig und stimmungsmachend. Jede Gruppe - Väter, Mütter, Söhne und vor allem Töchter überzeugen mit klaren, schönen Stimmen im harmonischen Zusammenklang. Beim Abschluss-Lied "Anatevka" hätte man den Chor gerne nochmal gehört!

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Die Solisten - diesmal mehr Schauspieler als Sänger - verkörpern perfekt ihre Rolle. Herausragend dabei Marilyn Bennett als Golde, die mit ihrer durchdringenden Stimme als Matriarchain noch den letzten Zuschauer vor Angst zittern lässt, trotzdem das Augenzwinkern nicht vergisst und nebenher noch traumhaft singt, Vor allem im Duett mit ihrem Bühnen-Mann Tevje alias Werner Hahn.
Die Heiratsvermittlerin Jente (Edeltraud Kwiatkowski) steht dem in nichts nach - herrlich überspitzt dargestellt!
Schade nur, dass ausgerechnet die Rolle der zweitältesten Tochter Hodel mit Sophie Beckel besetzt ist, die offensichtlich nicht in den Genuss einer Gesangsausbildung gekommen ist. So kommt das eigentlich wunderschön-traurige Abschiedslied zu Beginn des zweiten Aktes gar nicht richtig zur Geltung.

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Der Abend verläuft sehr stimmungsvoll. Chor, Solisten und vor allem das Ballett-Ensemble mit seinen atemberaubenden Tanzeinlagen heizen immer wieder ein, möchten einen mittanzen und -trinken lassen, und so verwundert es keinen, dass plötzlich rhythmisch mitgeklatscht wird. Die militärische "Demonstration" ist so raumübergreifend, dass selbst die Bläser im Orchestergraben mit den herumfliegenden Federn zu kämpfen haben.
Erwähnenswert sind auch die originalgetreuen Szenen wie die Hochzeitszeremonie, die bis ins Detail durchdacht und glaubhaft dargestellt sind. Typische Kostüme der Zeit vervollständigen das Bild.

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Auch das "Gewand" der (Dreh-)Bühne verdeutlicht nocheinmal das ärmliche Leben der Dorfbewohner. Einfache Holzlatten - das Baumaterial der Häuser - umrahmen die Bühne. Dennoch auch hier wunderschöne Details, wie das beleuchtete Mini-Dorf auf dem Dach von Tevje's Haus. Ein schwarzer Gaze-Vorhang im zweiten Akt unterstützt die Tragik zum einen für Tevjes Familie, zum anderen für das Dorf. Erst der Lichtblick durch die Emigration in das entfernte Amerika und die damit verbundene Versöhnung der Familie, lässt die Traurigkeit bzw. den Vorhang verschwinden.

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Bis auf die Tatsache, dass schonmal die Leichtigkeit fehlt, ist der Klang des Philharmonischen Orchesters Hagen ein Hör-Genuss. Schwungvoll dirigiert Steffen Müller-Gabriel durch den Abend. Folklore, Melancholie und Schmiss erklingen überzeugend mit einer großen Bandbreite an Dynamik.

Tosender Applaus, begeisterte Pfiffe, Bravo-Rufe, stehende Ovationen und immer wieder Vorhänge vor allem für Werner Hahn und Marilyn Bennett.


FAZIT

Glückwunsch an das Theater Hagen: Sehr kurzweilig und dennoch in die Tiefe gehend - ein Augen-und Ohrenschmaus!




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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Steffen Müller-Gabriel

Regie
Frank-Bernd Gottschalk

Choreographie
Ricardo Fernando

Ausstattung
Hartmut Krügener

Dramaturgie
Barbara Hüchting

Choreinstudierung
Uwe Münch



Philharmonisches
Orchester Hagen


Opernchor,
Ballett-Ensemble
und Statisterie
des Theater Hagen


Solisten


Tevje, der Milchmann
Werner Hahn

Golde, seine Frau
Marilyn Bennett

Zeitel, die älteste Tochter
Tanja Schun

Hodel, die zweitälteste Tochter
Sophie Beckel

Chava, die drittälteste Tochter
Meike Strehl

Sprintze, die zweitjüngste Tochter
Maret Grüger

Bielke, die jüngste Tochter
Sophie Hahn

Jente, die Heiratsvermittlerin
Edeltraud Kwiatkowski

Mottel Kamzoil, der Schneider
Peter Schöne

Schandel, seine Mutter
Ewa Gajewska-Lalla

Perchik, ein Student
Sabin Tambrea

Lazar Wolf, der Metzger
Klaus Nowaczyk

Motschach, der Gastwirt
Libor Maly

Der Rabbi
Jürgen Dittebrand

Mendel, sein Sohn
Marc Baron

Awram, Buchhändler
Ks. Horst Fiehl

Nachum, der Bettler
Egidijus Urbonas

Oma Zeitel,
Goldes Großmutter
Lucyna Sochanski

Fruma-Sarah,
Lazar Wolfs erste Frau
Verena Michael

Jussel, der Hutmacher
Götz Vogelsang

Der Wachtmeister
Pawel Strotschilin

Erster Mann
Wolfgang Niggel

Zweiter Mann
Dirk Achille

Fedja, junger Mann
Dominik Hahn

Sasha, sein Freund
Richard van Gemert

Dorfbewohner
Vera Käuper
Margarete Nüßlein
Filip Konecki
Martin Schaepe
Florian Weber

Der Fiedler auf dem Dach
Edward Gawlik


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Hagen (Homepage)




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