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Das "Orpheus-Fest"
der Wuppertaler Bühnen
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Wuppertaler Bühnen
(Homepage)

Spielzeiteröffnung und vorläufiger Abschied
vom Barmer Opernhaus

Von Gerhard Menzel und Stefan Schmöe


Vielleicht sollte es Symbolcharakter haben: Mit einem "Orpheus-Fest", das vom 4. Oktober bis 22. November 2003 in Wuppertal stattfand, verabschiedete sich die Stadt Wuppertal fürs Erste von ihrem Opernhaus, das wegen einer anstehenden Komplettsanierung für einige Jahre - im Moment ist die Rede von vier Jahren - geschlossen werden muss, als wolle man mit der Figur des antiken Sängers, der die Wächter der Unterwelt mit seinem Gesang erweichen konnte, die Geister der Lokalpolitik gnädig stimmen.


Vergrößerung in neuem Fenster Orfeo
von Luigi Rossi

Mancher Wuppertaler Ratsherr nämlich liebäugelt mehr oder weniger offen mit einer Konzentration des Wuppertaler 3-Sparten-Theaters auf eine Spielstätte (ein Gutachten, das die Effizienz dieses Plans belegen sollte, hat sich aber pikanterweise für eine Beibehaltung von Opern- und Schauspielhaus ausgesprochen); unvorhergesehene Kostensteigerungen, wie es sie eigentlich immer und überall gibt, könnten da eine unliebsame Dynamik hervorrufen. Die Vorstellungen des Musik- und Tanztheaters finden in dieser Zeit jedenfalls erst einaml im benachbarten Elberfelder Schauspielhaus statt, in das aus diesem Anlass extra ein Orchestergraben eingebaut wurde.
Zum "Abschied" standen jedenfalls insgesamt 16 Aufführungen von vier Opern von vier Komponisten zum Orpheus-Mythos auf dem Spielplan der Wuppertaler Bühnen.


Vergrößerung in neuem Fenster Orpheus in der Unterwelt
von Jacques Offenbach

In dieser Phase der Ungewissheit und angesichts eines ohnehin schon spärlichen Opernpublikums, dass dem Opernensemble nun einige Kilometer Wupper abwärts in das Schauspielhaus folgen soll, gehörte schon einiger Mut dazu, als letzte Premiere im Opernhaus eine völlig unbekannte Barockoper auf das Programm zu setzen: Orfeo von Luigi Rossi, komponiert 1647. Operndirektor Klaus-Peter Kehr blieb mit feinem Gespür für die Möglichkeiten des hauseigenen Ensembles seiner Linie treu und setzte auf "Ausgrabungen" - mit Erfolg. In dieser Nische weit jenseits von Wagner und Verdi gelang den Wuppertaler Bühnen einmal mehr eine bemerkenswerte Produktion.


Vergrößerung in neuem Fenster L'anima del filosofo
von Joseph Haydn

Musikalisch wie szenisch war dieser Orfeo die stärkste Produktion des Wuppertaler "Orpheus-Festes", bei dem die bekanntesten Orfeo-Opern von Gluck und Monteverdi allerdings nicht zur Aufführung kamen (letzterer ist aber innerhalb des Monteverdi-Zyklusses an der Deutschen Oper am Rhein zu erleben).

Gerade Pina Bauschs geniale Tanz-Fassung von Glucks Orpheus hätte man gerne gesehen - doch ihr Tanztheater in das Orpheus-Fest einzubinden ist den Wuppertaler Bühnen nicht gelungen. Dafür gab es mit dem Melodrama Orpheus von Jewstignei Ipatowitsch Formin eine ganz ausgefallene Version des Stoffes zu sehen. Außerdem kamen in diesem Rahmen Haydns L'anima del filosofo und Offenbachs Orpheus in der Unterwelt als Wiederaufnahmen zur Aufführung.


Vergrößerung in neuem Fenster Orpheus
von Jewstignei Ipatowitsch Formin

Trotzdem setzte dieses "Orpheus-Festes" der Wuppertaler Bühnen einige Glanzpunkte, die im Gedächtnis haften bleiben werden. Neben der ganz Außergewöhnlichen Form des Melodramas von Formins Kurzversion des Stoffes und der selten genug zu hörenden Musik von Rossi und Haydn, war es vor allem Gastdirigent Andreas Spering, der durch seine profunde Kenntnis als Barock-Spezialist, für musikalische Höhepunkte sorgte. Dabei gelang ihm nicht nur bei Rossis Orfeo eine außergewöhnlich mitreissende Interpretation mit seienm eigenen Ensemble ("Das Neue Orchester"), sondern er konnte sogar Mitglieder des Wuppertaler Sinfonieorchesters soweit motivieren und mit der Musik Haydns so vertraut machen, dass dessen Orfeo-Version ebenfalls annähernd adäquat und temperamentvoll musiziert wurde. Christoph Spering ist übrigens auch der spiritus rector in der bemerkenswerten Produktion von Claudio Monteverdis Orfeo in der Inszenierung von Christoph Loy an der benachbarten Deutschen Oper am Rhein im Düsseldorf.

Von den Solisten konnten sich vor allem Elisabeth Scholl als Euridice und Kay Stiefermann als Creonte (Haydn), Elena Fink als Genio (Haydn), und vor allem als Eurydike (Offenbach), Tina Hörhold als Orpheus (Rossi) und Venus (Offenbach) und auch noch Stefanie Schaefer als Aristeus (Rossi) profilieren.

Dieses "Orpheus-Fest" hätte wahrlich noch eine größere Aufmerksamkeit verdient gehabt. Auf jeden Fall gehört den Verantwortlichen ein großes Lob ausgesprochen!



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