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Musiktheater
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Götterdämmerung
Der Ring des Nibelungen Ein Bühnenfestspiel
für drei Tage und einen Vorabend
Dritter Tag: Götterdämmerung
von Richard Wagner

Premiere im Opernhaus Köln
am 19. Oktober 2003

Logo: Oper Köln

Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)

Putschist in Wartestellung

Von Ralf Jochen Ehresmann und Gerhard Menzel / Fotos von Klaus Lefebvre


Nun wäre es also geschafft, und im Reigen der aktuell nicht wenigen "Ringe" auf Deutschlands Bühnen gesellt sich Köln hinzu. Ob hiermit eine neue legendäre Interpretation vorliegt, die angeblich gleich hinter Chereaus Meilenstein von 1976 in Bayreuth rangiert, wie Jeffrey Tate sich nach der Premiere äußerte, will uns so rasch nicht aufgehen, doch mehr als nur bemerkenswert war es allemal.

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"Gehau'ner Scheite hohe Schicht ragt zu Hauf
rings um die Halle: die Welt-Esche war dies einst!"

Die Inszenierung wagt einen jener großen Bögen, denen stets auszuweichen ansonsten so oft zu beobachten und scheinbar konzeptionelles Muss geworden ist: Wer noch Zusammenhänge erkennt, ist quasi schon der Lüge anheim gefallen und outet sich als totalitarismusverdächtiger Anhänger eines veralteten Werkbegriffes und geschlossenen Weltbildes! Von derlei ideologisch verbrämten Zwang zur Ideogieferne und leider meist auch Ideenlosigkeit sind Carsen&Kinmonth glücklicherweise gleich weit entfernt, so dass ein wahrhaft spannendes Großwerk entstehen konnte. Der Bühnenraum ist noch immer derselbe. In der kahlen Riesenhalle begegnet man den alten Bekanten wieder: Die Reinigungsfirma "Erda&Töchter GmbH" ist genauso präsent wie der inzwischen akkumulierte Schrott und Unrat, sei es in Form nutzloser Palettentürme, sei es das wilde Mobiliarmischmasch der vorangegangenen Teile, alles zusammen in erbarmungswürdigem Zustand.

Vergrößerung in neuem Fenster "So zur Seligsten schuf mich die Strafe:
An meiner Wonne willst du dich weiden?
theilen, was mich betraf?"

Doch nun tritt uns der Gibichungenhof als klassische Militärdiktatur entgegen - bei vertauschten Rollen. Nicht Hagen ist der Strippenzieher, der Kanzler am Hofe eines mitteldeutschen Kleinstaates, als den man ihn - nicht unzutreffend - sonst oft darstellt. Hier trägt Gunter die Uniform des Generals inmitten einer durchmilitarisierten Gesellschaft. Machtmensch pur administriert er herrisch eine ganze Gesellschaft, in der auch Hagen nicht allzu viel zu melden hat und das Kommen seiner Stunde erst noch abwarten muss, so sehr er auch auf nichts anderes hinarbeitet. Der Putschist in Wartestellung lauert als einziger Zivilist auf die Gelegenheit zur Machtergreifung, wobei er bisweilen zu früh zulangt und schließlich nach versuchter Ringbemächtigung an Siegfrieds Leiche von den Feldjägern abgeführt wird. Auf welche geheimen Seelenverwandtschaften es verweisen mag, dass er dazu ausgerechnet einen Anzug trägt, der dem Wotans auffällig ähnelt und er noch dazu im selben Raum agiert, der diesem zu Walkürenzeiten als Gebirgesberge gedient hatte, gibt eigene Rätsel auf, abgesehen vom gemeinsam geteilten Machtsinn.
Der Zeitsprung zeigt sich dabei sehr trefflich an den ausgetauschten Wandbildern, wenn Wotans Naturbilder vom Walkürenfelsen ausgetauscht sind durch übergroße Rheinlandkarten - freilich ohne Eintragung des aktuellen Frontverlaufes - als deren Kernpunkte man unschwer Xanten einerseits und Worms zum anderen erkennen kann (Kriege ließen sich damit eh nicht gewinnen, wo Mainz und Wesel auf die jeweils falsche Rheinseite gemalt wurden...).

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"Ihr freien Söhne, frohe Gesellen,
segelt nur lustig dahin!
Dünkt er euch niedrig, ihr dient ihm doch
- des Niblungen Sohn'."

Weitgehendste Abweichung vom Gewohnten bot die Schlussszene des 1. Aufzuges. Anstatt Siegfried in Gunters Verkleidung als notdürftig kaschierte Klamotte zu Brünnhilde zu schicken, geht diesmal gleich Gunter selbst auf den Walkürenfelsen, was mit Hilfe des Tarnhelmes auch nicht weiter schwer sein dürfte. Dazu singt Siegfried von hinten aus dem Off in entsprechender Unverständlichkeit. Angesichts solcher Schizophrenie in Transparenz bedarf es weiter keiner verstellten Stimme, und wen er ansingt, wenn Nothung zeugen soll von züchtiger Werbung, wird nur mit ebensolcher geistiger Verwirrtheit zu entschlüsseln sein, deren es eh bedarf, um angesichts des eben Gesehenen zu erklären, wie nach alledem der Ring an Siegfrieds Finger kommt, wo Brünhilde ihn im nächsten Aufzug vorfindet.

Völlig daneben liegt also jede Deutung, die auf vordergründiger Handlungslogik insistiert, und da uns Heutigen keine Runen mehr helfen, bleibt uns stattdessen nur, die Psychologie zu bemühen, um Licht in dieses Dunkel zu bringen. Dass Siegfried eigentlich ganz gut an den Gibichungenhof passe, will uns schon die Bekleidung suggerieren, stolziert er doch nicht als Fellmensch oder Waldschrat sondern im schlabberig-zerknitterten Tarnanzug mit Feldrucksack in Gunters Kommandantur. Auch hält sich die Verwandlung via Zaubertrank in Grenzen; wer so flott und behende auf Gutrune losstürzt, wird unterwegs schon einige Frauen flachgelegt haben.

Vergrößerung in neuem Fenster "Gross Glück und Heil lacht nun dem Rhein,
da Hagen, der grimme, so lustig mag sein!"

Die militärische Hochrüstung bleibt hier nicht aus und liefert keinen Bruch, wo man sich ohnehin in einer Art OHL befindet. Anstatt den dort kaum mehr unterzubringenden Speer gemäß neuerer Inszenierungsmode bloß zu verstecken, wird die bereits seit Rheingold eingespielte Technik der Umdeutung weiterentwickelt: Der ohnehin vorhandene Fahnenmast darf die Schwerspitzschwüre bezeugen und damit zugleich requisiten-logisch vollenden, was sich zuvor bei Gunthers Eintreffen als bedrückend-ergreifende Fahnenweihe angedeutet hatte.

Die alles entscheidende Frage einer jeden Götterdämmerung ist die Gestaltung des finalen Showdown. Auf brennenden Schrott mag auch Carsen/Kinmonth nicht verzichten, wie auch bei soviel Untergang. Dieser zeigte sich allerdings erst spät, denn nach dem Abzug der heimgekehrten Jagdgesellschaft, die gerade durch ihre reiche Auszierung mit Damen im Abendkleid in Verbindung der Uniformierten den Eindruck einer Feierlichkeit in den neumächtigen Kreisen der Reichshauptstadt zu Beginn der 40er Jahre vermittelt, schließt der eiserne Vorhang den gesamten Bühnenraum weg, auf dass dessen nachzüngelnde Wiedererscheinung um so mächtiger wirke. Angesichts daraus resultierender Temperaturen wurde der Hauptdarstellerin inszenierungsweise eine leibhaftige Dusche vorab zugedacht, die sie nach 5 1/2 Stunden Dauerpower sichtlich dankbar entgegen nahm.

Brünnhildes gewaltigen Worte als ihre unvergleichliche Art, Erkenntnis aus Elend zu erringen und erst aus bitterstem Leiden wissend zu werden, verständlich meist nur dem, der den Text eh auswendig weiß, erreichen das Publikum solcherart ungleich direkter, wo Brünnhilde eine derartige bauliche Hilfe erfährt, die gerade ihr weniger Not getan hätte. Ohne jeden Rückzug und ausgestattet mit einem zusätzlichen Resonanzboden hinterwärts, erfährt ihre Lösung der letzten Fragen eine ergreifende Unmittelbarkeit, die sich kaum mehr steigert, wenn die Metallwand wieder verschwindet und den Blick freigibt auf die sterbenden Reste eines Schwelbrandes, dessen Inventar als hypertrophe Universalsynthese die totale Akkumulation des Gewesenen in der perfekten Destruktion performiert.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Aus: Brünnhildes "Schlu▀gesang" (Evelyn Herlizius)
(MP3-Datei)


Wo alles nur den Rhein hinab geht, ist es durchaus eine glaubhafte Variante von Erlösung, wenn ganz zuletzt der gesamte Zivilisationsschrott samt zahmer Flammenzüngelei wie auf 'ground zero nach 3-4 Tagen' rückwärts hinausgezogen wird und die Bühne frei macht für das blanke Nichts: Malewitsch als Bühnenprinzip.

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"Wo ist nun mein Wissen gegen diess Wirrsal?
Wo sind meine Runen gegen diess Räthsel?"

Die Besetzung darf fast durchgängig als Glücksgriff betrachtet werden. Als Protagonisten begegnet uns in der Premiere dasselbe Paar, das heuer auch in Bayreuth zu hören war. Dabei sind Christian Franz' Tugenden schon so oft beschrieben und weiterhin dieselben: ein jugendlicher Elan, der ermüdungssicher und abnutzungsfrei durch diese Notenmasse durchmarschiert, mimisch noch stärker als gestisch auch schauspielerisch präsent. Wie ein schlecht erzogener Teeny mit ungeschlachten Sitten hockt er sich auf die Tischkante, ungeachtet des freien Sessels nebenbei. Zwar nicht sehr glänzend dringt seine Höhe dennoch kraftvoll pressfrei besser noch als in der Tiefe durch, deren Fundament manchmal etwas wackelt. Bei seiner Partie wäre das freilich auch weniger wichtig als bei Johannes von Duisburg (Gunther), der hier deutlich schwächelte und einen Gefahrenpunkt der Besetzung ausmachte. Mit seinem schauspielerischen Engagement machte er aber auch hier den Schaden wett und transportierte beispielhaft das Bild des allerorts Verrat witternden Militärdiktators. Bei der Zweitbesetzung durch Samuel Youn durfte man sich einer stärker intellektuellen und dabei gesanglich klar überlegenen Rollendeutung erfeuen, die an Machtinstinkt genauso nichts vermissen ließ und bei alledem eher souverän als achtsam witternd verfuhr.

Brünnhilde ist ebenfalls doppelt besetzt, und beide, Jayne Casselman nicht minder als Evelyn Herlitzius, entfalten auf je eigene Weise einen Zauber, der die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln versteht. Spürte man bei Herlitzius das frühe Durchschauen der ganzen Vergewaltigungsszenerie gerade so, als ob sie ohnedem ihren Widerstand nicht so rasch aufgegeben hätte, was hernach ihrer Ankunft an Gunters Hof im weißen Brautkleid und im vollen Ausdruck des Bewusstseins vom Eindruck ihrer Erscheinung einer willentlichen, immer noch souveränen Fügung in die Schicksalswendung gleichkommt, bewahrt Jayne Casselman angesichts dessen sich eine fast jugendliche Unverletzlichkeit, die auch im Leiden nie aufhört, sie selbst zu sein. Dabei wirkte ihr Spiel allerdings "einstudierter" und längst nicht so überzeugend wie bei Evelyn Herlitzius, deren Leid und Elend schon fast zu Tränen rührte.

Ute Döring ist - gemessen an Umfang und Gewicht ihrer Partie - die positive Überaschung des Abends: Gutrune wird endlich einmal eine Besetzung zuteil, die sie aus dem Dunst des Dummschwesterleins entlässt, indem sie bei der Intrige durchaus im Bewusstsein eigener Interessen handfest mitmischt und damit ihr eigenes Ende nicht mehr durch schuldhafte Naivität sondern auch eigenes Handeln erleidet. Ute Döring verleiht ihr ein reiches Maß Ausdruck bei exzellenter Textverständlichkeit und klarer, tragender, wenn auch etwas leichtgewichtigen Stimme, deren Klangschönheit dennoch nicht die Untergründigkeit abgeht.

Vergrößerung in neuem Fenster "Betrüger ich - und betrogen!
Verräther ich - und verrathen! - "

"Alberich" Oskar Hillebrandt als Mann von unbestreitbaren Verdiensten war mehr zu gratulieren für sein Lebenswerk als seine Leistung dieses Abends. Seine Visite bei Sohn Hagen, um dessen Treue er nicht grundlos fürchtet, gerät zwar szenisch eindrucksvoll durch die Verzerrung seiner Gestalt in übergroßen Wandschatten, die Hagens durchgängig geschlossenen Augen aber kaum gesehen haben können und damit eher die Deutung eines inneren Dialoges mit der väterlichen Traumerscheinung nahe legen. Gegen solche Bilder ist seine Stimme (jedenfalls in der Premiere) zu schwach durchgekommen, deren fast tenorale Leichtgewichtigkeit das Düstere abging, worauf es an dieser Stelle - im Gegensatz zur Neidhöhlszene im Siegfried - alleine noch ankäme.

Hagen selbst, verkörpert durch Daniel Sumegi, spielt stärker als er singt. Seine flach klingende und wenig flexible Stimme kommt vor allem bei den exponierten Stellen schnell an seine Grenzen. Stilsicher beherrscht er jedoch die großen Gesten dessen, der zielorientiert mit jeder Kleintat seine Machtübernahme betreibt und anlässlich seines Heeresaufgebotes im Meer der Flatterflaggen die Feier des erfolgreichen Putsches antizipiert, nicht ahnend, dass dieser noch scheitern könnte.

Als Waltraute kehrt Doris Soffel wieder, die bereits zuvor als Fricka in Rheingold und Walküre zu erleben war. Gezeichnet von tiefer Traurigkeit gestaltet sich aus Brünnhildes Verständnisverweigerung eine sehr rührende Annäherung der ungleichen Schwestern, doch an ihrer Vokalfärbung besteht durchaus noch gewisser Verbesserungsbedarf.

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"Froh zur Hochzeit...heiter vor allen
sollt ihr heute mich seh'n.
Wen die Minne freut,
meinem frohen Muthe
thu' es der Glückliche gleich!"

Während die Chorszenen einiges an sorgsamer Arbeit und Präzision zu wünschen übrig ließen, durfte man sich an einer ausgefeilten Feinarbeit im Orchester erfreuen. Vor allem, wenn man sich an die katastrophale Walküren-Premiere erinnert, konnten die vereinzelten Unpässlichkeiten im Orchester die insgesamt ausgezeichnete Gesamtleistung kaum trüben. Jeffrey Tate setzte auf möglichst große Durchsichtigkeit des Orchesterklanges, scheute auch nicht davor zurück, die Dynamik bis zum leisesten Pianissimo herunterzufahren, aus dem sich dann einzelne Soloinstrumente eindrucksvoll herauslösen konnten (z. B. eine herzerweichende Klarinettenkantilene). Die feine dynamische Abstimmung bis zum gewaltigsten Fortissimo und die meist überzeugenden - generell langsamen - Tempovariationen schufen riesige, achitektonisch weitgespannte Bögen und Szenenkomplexe, die jedoch immer wieder fein ausbalanciert sein wollen, um nicht doch noch irgendwann in einzelne Klangsegmente zu zerbröseln.

Neben sehr abrupten Beschleunigungsvorgängen von erheblicher Rasanz, die sich allerdings nicht immer allen stets gleich gut vermitteln wollten, standen ungewöhnlich viele, lange Generalpausen, so dass die Aufführungsdauer der folgenden Vorstellungen bis über 10 Minuten (je Aufzug) länger dauerte. Die Theaterleitung halbierte daraufhin die Dauer der Pausen, um den BesucherInnen noch ein Heimkommen noch zu "sittlicher Stunde" zu ermöglichen.

Vergrößerung in neuem Fenster "Frau Sonne, sende uns den Helden,
der das Gold uns wieder gäbe!"

Vielleicht hat es auch hier wieder Methode, wenn nach den Aktschlüssen niemand vor den Vorhang tritt und selbst das Orchester nach bester Bayreuther Art unbemerkt ohne konzentrationszersetzenden Begrüßungsapplaus aus der Tiefe des Nichts seinen Ton erhebt: Den Charakter des Mysteriums aus Tönen verstärkt es durchaus. Damit unterstreicht es zugleich den Impuls des Nornenvospiels, wo man den Eindruck gewinnen mochte, Brünnhilde und Siegfried spielten Seniorenkino betrachteten gemeinsam ihr früheres Leben - aus dem Abstand von 50 Jahren.

Das Programmheft verdient wieder besondere Beachtung, da es diesmal kein solches gibt. Stattdessen wird für 9 Euro eine Bilddokumentation von 168 Seiten Paperback angeboten, die umfangreiches Material auch aus Proben - durchgängig in schwarz-weiß - enthält und auch im Buchhandel zu beziehen ist, dort aber 15 Euro kostet und damit eigentlich eher dem Ausstellungskatalog im Museum entspricht. Dabei scheint die Einsicht vorgewaltet zu haben, dass heutige TheatergängerInnen eh nicht mehr lesen wollen, was sie vordem gesehen haben. Man beschränkt sich also auf jeweils nur ein Wortbeitrag je Werk, die allesamt aus der Feder des Hausdramaturgen Ian Burton stammen. Wer also zuvor die drei Einzelhefte (die jeweils noch zahlreiche andere Beiträge beinhalteten) erworben hat, wird auf einem Torso sitzen bleiben.

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Erlösung auf ground zero:
"Weiss ich nun was dir frommt? -"

Immerhin erfährt man auf diese Weise auch die Termine der zyklischen Gesamtaufführungen, die beide unmittelbar nacheinander durchgezogen werden. Man gibt also allenernstes 8 Vorstellungen binnen 17 Tagen, welcher Schwachsinn nur aus theaterpraktischen Erwägungen veranlasst worden sein kann, denn effektiver kann man sich schwerlich sein Publikum vertreiben. Lägen nur wenigstens 6 Wochen, besser einige Monate zwischen den beiden Runden, so wäre sicher davon auszugehen, dass erhebliche Teile des Wagnerstammpublikums beide Zyklen abbonieren, während kaum jemand dafür zu gewinnen sein dürfte, nur 3 Tage nach Götterdämmerung das nächste Rheingold zu sehen! Bleibt nur zu hoffen, das dies nicht das Ende sei. Ein solcher Riesenaufwand mit erheblicher Beanspruchung öffentlicher Kulturkassen wäre kaum zu rechtfertigen, wenn das Produkt anschließend nicht längere Zeit lebendig gehalten wird, auch wenn eine derartig ärgerlich verschwenderische Praxis allenthalben (Dortmund, Essen, Münster, Bonn) Einzug hält. Es geht sehr wohl anders, und das nicht nur in München oder Berlin: Chemnitz bietet seinem Publikum im April den immerhin 7. Zyklus, und Köln will sich doch wohl kaum von Düsseldorf ausstechen lassen, wo der seinerzeit gemeinschaftlich produzierte Horres-Ring nach mehrjähriger Pause wiederaufgenommen wird und so die willkommene Wiederbegegnung mit einem alten Bekannten ermöglicht.


FAZIT

Brünnhilde tut das einzig Richtige, was nur ihr als bleibend Fremder freisteht: Sie geht einfach hinten hinaus. Die durchaus zahlreichen Brüche und dramaturgischen Schwachstellen hindern nicht eine angemessene Würdigung des Gesamtprojektes, dessen Ende in Asche von der Verdreckung des Rheines seinen Ausgang nahm und über leisem Autismus gestörter Individuen und lautem Kriegsgeschrei in einer Gewaltgesellschaft ohne Sympathiefiguren beredtes Zeugnis ablegt von moderner Varianz der Kaputtheit. Brünnhilde hat's verstanden!

Unsere Rezensionen von:
Das Rheingold
Die Walküre
Siegfried



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Jeffrey Tate

Inszenierung
Robert Carsen

Ausstattung
Patrick Kinmonth

Chor
Albert Limbach

Licht
Manfred Voss

Dramaturgie
Ian Burton


Statisterie
der Oper Köln

Chor und Extra-Chor
der Oper Köln

Gürzenich-Orchester
Kölner Philharmoniker


Solisten

/ * Alternativbesetzung

Siegfried
Christian Franz

Brünnhilde
Evelyn Herlizius
/ * Jayne Casselman

Gunther
Johannes von Duisburg
/ * Samuel Youn

Alberich
Oskar Hildebrand

Hagen
Daniel Sumegi

Gutrune
Ute Döring

Waltraute
Doris Soffel

1. Norn
Dalia Schaechter

2. Norn
Viola Zimmermann
/ * Katja Boost

3. Norn
Friederike Meinel

Woglinde
Ausrine Stundyte

Wellgunde
Regina Richter

Floßhilde
Jooslyne Rechter


Cover: Der Kölner Ring 2000 - 2005
Der Kölner Ring 2000-2005
Eine Fotodokumentation
von Regina Minwegen


Zur Premiere der "Götterdämmerung"
am 19. Oktober 2003 erschien im
Kölner Dittrich Verlag eine
Fotodokumentation zum Kölner Ring.

Mit 180 s/w Abbildungen vermittelt
die Fotografin Regina Minwegen
verschiedene Facetten und
Entwicklungen von Robert Carsens
Inszenierung und ermöglicht auch
einen eindrucksvollen Blick
hinter die Kulissen.

Das Buch enthält darüber hinaus
allerdings nicht die vollständigen
Programmbuch-Texte der
drei ersten Produktionen, sondern
lediglich die Beiträge von
Ian Burton.


Bestell-Informationen:
ISBN 3-920862-55-4
168 Seiten, gebunden,
180 Abbildungen
Euro 15.00

Als Programmheft kostet das Buch
beim Besuch einer Vorstellung
des "Kölner Rings" nur 9 Euro.


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)

und bei:

www.koelnerring.de




Da capo al Fine

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