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Musiktheater
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Die Banditen

Opéra-bouffe in drei Akten
Text von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
Deutsche Übersetzung von Jean-Christophe Keck
Musik von Jacques Offenbach


In deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (keine Pause)

Premiere am 11. Juli 2004
im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen


Homepage

Musiktheater im Revier
(Homepage)

Kleider machen Leute

Von Stefan Schmöe / Fotos von Rudolf Majer-Finkes


Was zählt, ist der äußere Schein: Getarnt als Eremiten, als Kellner, als Delegation von Mantua und als Spanier versuchen Räuberhauptmann Falsacappa und seine Banditen zu Reichtum zu gelangen. In wenig Werken des Musiktheaters ist der permanente Kleiderwechsel von so großer Bedeutung wie in Jacques Offenbachs Les Brigandes, und daher ist die Idee von Regisseur Immo Karaman plausibel, das Werk auf einem Laufsteg spielen zu lassen: Eine Modeschau, bei der das Publikum im Kleinen Haus des Musiktheater im Revier rechts und links des Laufstegs platziert ist. Was Offenbach die (falschen) Kostüme, das sind uns heute die Markenklamotten – wer das richtige Markenzeichen am Revers trägt, der steht in der Hierarchie ganz oben.

Vergrößerung in neuem Fenster Drei hübsche Bauernmädchen (v.l.n.r. Simone Enge, Evelyne Wehrens, Daniela Stuckstette) hat Räuberhauptmann Falsacappa (Joachim G. Maaß) seiner Bande zugeführt.

Die Fototapete (ein Waldstück) zeigt schnell an, wie es um Wald- und Räuberromantik bestellt ist, und ein gar niedlich als Fliegenpilz verkleidet dahertänzelndes Kind wird kurzerhand abgeknallt: Glotzt nicht so romantisch! will uns die Regie gleich zu Beginn sagen und damit die Richtung vorgeben. Regieanweisungen zum Bühnenbild werden fortan aus dem Off verlesen, ebenso zwecks Verständnis' der Oper eine sukzessive Nacherzählung der Handlung. Die Dialoge sind auf ein Minimum verknappt, und mit den entsprechenden Strichen in der Partitur ist dass Werk auf 90 Minuten Länge komprimiert worden. Das verspricht hohes Tempo, und angesichts der vielen Einfälle des Regieteams hätte es ein ausgesprochen komischer Abend werden können, zumal durch die unmittelbare Nähe zum Publikum die Voraussetzungen eigentlich günstig sind.

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Hauptmannstochter Fiorella (Elise Kaufman, vorne) hat sich in Fragoletto (Anna Agathonos) verliebt, der daraufhin die Mitgliedschaft in der Bande beantragt.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Lied der Fiorella (Elise Kaufman)
(MP3-Datei)


Tatsächlich aber verpuffen etliche Pointen, weil das Timing nicht funktioniert und weil die Perfektion, die für eine gute Komödie nun einmal unverzichtbar ist, fehlt. Manchmal ist der Witz zu behäbig, an anderen Stellen albern überdreht (etwa in den gar zu bunten Kostümen der Spanier), ohne dass dies Prinzip hätte. Manche Idee hat sich irgendwann erschöpft (etwa die drei Bauernmädchen, die sich den Räubern anschließen und fortan wie die „Drei Engel für Charlie“ herumtollen). Die Dialoge sind nicht ausgefeilt genug, und mitunter hätte es auch in einer rasanten Inszenierung etwas mehr Ruhe bedurft, um eine Szene richtig auszureizen. Vieles wirkt, als befände man sich noch im Probenstadium.

Vergrößerung in neuem Fenster Das kommt uns spanisch vor: Noriko Ogawa-Yatake, Mark Adler (li.) und Krzysztof Klorek.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Couplets der spanischen Gesandtschaft (N. Ogawa-Yatake, M. Adler, K. Klorek)
(MP3-Datei)


Das betrifft in besonderem Maße die Musik, zumindest die Gesangsleistungen. Cosima Sophia Osthoff leitet das insgesamt gut aufgelegte Orchester schwungvoll und mit einer Präzision, die mitunter auch schon einmal in nähmaschinenartige Repetitionsrhythmik verfällt – aber es hilft nichts: Etliche Nummern laufen trotzdem auseinander, weil die Sänger unpräzise sind und das Tempo verschleppen. Eklatant fällt das bei Elise Kaufman (Hauptmannstochter Fiorella) auf (in welcher Sprache singt sie eigentlich?), die kaum einmal mit dem Orchester zusammen kommt. Aber auch etliche Ensemblenummern sind zu unscharf, viele Stellen verwackelt – und bei dieser ironischen Musik ist Präzision unbedingt notwendig. Nur selten wachsen diese Ensembles, den Chor inbegriffen, mit solcher Selbstverständlichkeit zusammen, dass die Spritzigkeit der Musik hörbar würde.

Vergrößerung in neuem Fenster Familienfoto

Klangbeispiel Klangbeispiel: Finale des 2.Aktes (Ensemble)
(MP3-Datei)


Ungewohnt blass bleibt Joachim Maaß-Geiger als Hauptmann Falsacappa, und auch Anna Agosthonos als Jungbandit Fragoletto bekommt wenig eigenes Profil. Beide müssten auch einmal eine Phrase richtig aussingen und auf Tongestaltung achten - solche elementaren Dinge scheinen bei der Probenarbeit sehr kurz gekommen zu sein. Besser präsentieren sich Noriko Ogawa-Yatake, Mark Adler und Krysztof Klorek, alle in mehreren Rollen aktiv – auch weil sie aufmerksamer auf das Orchester hören (und nicht zuletzt, weil man ihren Text – auch den gesungenen – verstehen kann).


FAZIT

Für einen einigermaßen kurzweiligen Abend reicht es zwar, aber wirklich überzeugend ist die Produktion nicht - dazu fehlt an allen Enden und Ecken die erforderliche Präzision.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Cosima Sophia Osthoff

Regie
Immo Karaman

Bühne
Karin Kersten

Kostüme
Andreas Meyer
Wolfgang Scharfenberger

Choreographie
Fabia Posca

Chor
Alfred Schulze-Aulenkamp

Dramaturgie
Wiebke Hetmanek



Offenbach-Chor des
Musiktheaters im Revier

Statisterie des
Musiktheaters im Revier

Neue Philharmonie
Westfalen


Solisten

Falsacappa
Joachim Gabriel Maaß

Fiorella
Elise Kaufman

Fragoletto
Anna Agathonos

Carmagnola
William Setre

Domino
Nyle P. Wolfe

Barbavano
Jee-Hyun Kim

Fiametta
Daniela Stuckstette

Bianca
Simone Enge

Cicinella
Evelyne Wehrens

Herzog von Mantua /
Pipa
Eva Tamulénas

Pipetta /
Prinzessin von Granada /
Marquise
Noriko Ogawa-Yatake

Kabinettskurier /
Campotasso /
Pipo /
Gloria-Cassis /
Schatzmeister
Mark Adler

Capitano /
Hofmeister /
Baronesse
Krysztof Klorek

Sprecher
Thaddäus Zech

Fashion Victim
Inger Rudolph

Pilz
Felix Warcek




Weitere
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Musiktheater im Revier
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