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Le nozze di Figaro
(Die Hochzeit des Figaro)

Commedia per musica
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Lorenzo Da Ponte

In italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln

Premiere am 18. April 2004
Besuchte Aufführung: B-Premiere, am 23. April 2004

Aufführungsdauer: ca. 3h 30' (eine Pause)


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Theater Dortmund
(Homepage)
Hochzeit mit Hindernissen

Von Silvia Adler / Fotos von Thomas M. Jauk (Stage Picture Gmbh)

Samtige Polster, goldverzierte Spiegel, champagnerfarbene Tapeten - im Schloss des Grafen Almaviva herrscht Luxus im Überfluss. Nur eines ist Mangelwahre in den fürstlichen Gemächern: Ruhe findet man hier so gut wie keine.
Schon in der Ouvertüre stehen die Zeichen auf Sturm. Während glitzernde Kristallleuchter von der Decke schweben, treibt Kapellmeister Dirk Kaftan die Dortmunder Philharmoniker zu einem atemberaubenden Presto, als wolle er ein für alle Mal klarstellen, dass Mozart nicht langweilig ist. Doch das halsbrecherisch-überhitzte Tempo wirkt - auch wenn es von Orchester mit Bravour gemeistert wird - zunächst wie eine künstlich-abstrakte Behauptung, die über die Partitur hinwegfegt, ohne in ihr geerdet zu sein.

Vergrößerung in neuem Fenster Vom Pagen zur hübschen Zofe:
Maria Hilmes (Cherubino), Natalie Boissy (Gräfin) und Iris Kupke (Susanna).

Stürmisch-turbulent beginnt auch das Bühnengeschehen. Gerade hat Figaro - gesungen von Werner van Mechelen - es sich im glanzvollen Rokokoambiente bequem gemacht, da wird er auch schon von seiner Verlobten Susanna unsanft aus den Träumen gerissen. Graf Almaviva hat dem jungen Brautpaar eines der schönster Gemächer des Schlosses zur Verfügung gestellt. Doch die wahren Motive hinter der vermeintlichen Großzügigkeit sind nicht schwer zu erkennen. Schon lange hat Almaviva ein Auge auf die schöne Zofe geworfen. Was liegt da näher, als sie im Zimmer neben sich einzuquartieren. Tür an Tür spart man sich beim Schäferstündchen unnötig lange Wege.
Doch so leicht lässt sich der gewitzte Figaro sein Revier nicht streitig machen. Der Traum vom bequemen Seitensprung wird für den Grafen rasch zum Albtraum. Bald kämpft der notorische Schürzenjäger an allen Fronten. Nicht nur Figaro und Susanna auch die gekränkte Gräfin und der ständig dazwischenfunkende Page Cherubino haben sich gegen ihn verschworen.

Vergrößerung in neuem Fenster

Die Intrige nimmt ihren Lauf:
Iris Kupke (Susanna), Mikael Babajanyan (Graf) und Bart Driessen (Bartolo).

In Hans Martin Scholders raffiniertem Bühnenbild - das aus einem Labyrinth aus Hinterzimmern, Türen, Vorhängen und Kabinetten besteht - entspinnt sich ein rasantes Intrigenspiel. Doch wie schon im Orchestergraben wäre auch auf der Bühne weniger oft mehr. Mit drastischer Deutlichkeit werden die erotischen Zusammenstöße der Protagonisten von Regisseur Thomas Krupa in Szene gesetzt. Durch die Direktheit, mit der erotische Phantasien in die Realität umgesetzt werden, verlieren vor allem die Szenen des pubertären, in alle Frauen des Schlosses verliebten Cherubino viel von ihrem Zauber. Geheime Andeutungen werden zu unzweideutigen Angeboten, den Liebesverwirrungen fehlt das untergründige Knistern.

Klangbeispiel Klangbeispiel: "Vedrò mentre io sospiro"
Arie des Grafen aus dem III. Akt
(Mikael Babajanyan)

(MP3-Datei)


Deutlich an Spannung gewinnt die Inszenierung erst dann, als sie sich der feinabgestuften Psychologie der Musik ohne äußerliche Zutaten überlässt.
Mit Beginn des dritten Aktes, in der Arie des Grafen, findet das Stück plötzlich seine Linie und entwickelt eine emotionale Sogwirkung, die den Zuschauer bis zum letzten Takt gefangen nimmt. Bei Mozart und seinem Textdichter da Ponte gibt es kein Schwarz-Weiß. Eindrucksvoll vermittelt die auf das Wesentliche konzentrierte Personenregie die Vielschichtigkeit der Charaktere.

Der Graf, der beim ersehnten Rendezvous statt der hübschen Zofe die als Susanna verkleidete Gräfin in den Armen hält, ist nicht einfach ein gewissenloser Verführer sondern besitzt mit seiner ungebremst ins Leere laufenden Leidenschaft fast schon etwas Tragisches.
Stimmlich herausragend, verleiht Bariton Kevin Greenlaw dem Almaviva nicht nur ein faszinierendes Charisma sondern auch ungeahnte Verletzlichkeit und abgründige Tiefe.

Vergrößerung in neuem Fenster Gefährliche Liebschaften:
Maria Hilmes (Cherubino), Mikael Babajanyan (Graf) und Iris Kupke (Susanna).

Klangbeispiel Klangbeispiel: "Dove sono i bei momenti"
Arie der Gräfin aus dem III. Akt
(Natalie Boissy)

(MP3-Datei)


Ein Wechselbad der Gefühle durchlebt auch die Gräfin, die von der Sopranistin Elena Nebera glaubhaft verkörpert wird. Sängerisch überzeugt vor allem ihr bildschönes Timbre. Allerdings fehlt ihrem zum Dramatischen tendierenden Sopran die nötige Leichtigkeit, worunter die Intonation der ersten Arie empfindlich leidet.
Wenig flexibel klingt auch Karolina Gumos in der Rolle des Cherubino, was vor allem in der hohen Überganglage der Kanzonette problematisch erscheint.
Mit geschmeidiger Höhe unglasklarem Timbre gestaltet Heike Susanne Daum die Partie der Susanna. Stimmlich profund darstellerisch aber etwas blass steht ihr Assaf Levitin als umtriebiger Figaro zur Seite.

Auch das Orchester trifft in den letzten beiden Akten mit wesentlich entspannteren Tempi den Nerv der Musik. In einem eindrucksvollen Spagat zwischen Opera buffa und tiefempfundener Dramatik zeigt die Dortmunder Aufführung wieder einmal, dass in jeder guten Komödie immer auch eine Tragödie steckt.


FAZIT

Irrungen und Wirrungen auf fürstlichen Polstern und Parkettböden in unterschiedlichen Paarkonstellationen. Anfangs etwas zu dick aufgetragen, nach der Pause mit deutlich mehr Spannung und Tiefgang. Durchaus sehens- und hörenswert.


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Produktionsteam


Musikalische Leitung
Dirk Kaftan

Inszenierung
Thomas Krupa

Bühne
Hans-Martin Scholder

Kostüme
Eva Dessecker

Choreinstudierung
Granville Walker

Choreographie
Theresa Rotemberg



Chor des Theater Dortmund

Philharmonisches
Orchester Dortmund


Solisten

* Besetzung der Premiere


Graf Almaviva
Kevin Greenlaw
* Mikael Babajanyan

Gräfin Almaviva
Elena Nebera
*Natalie Boissy

Susanna,
Verlobte des Figaro
Heike Susanne Daum
*Iris Kupke
Eun-Joo Park

Figaro
Assaf Levitin
* Werner Van Mechelen

Cherubino,
Page des Grafen
Karolina Gumos
*Maria Hilmes

Marcellina
Yamina Maamar
* Ute Döring

Bartolo,
Arzt in Sevilla
*Bart Driessen
Christoph Stegemann

Basilio,
Musiklehrer
Hannes Brock

Don Curzio,
Richter
Christian Pienaar

Barbarina
Keiko Matsumoto

Antonio,
Gärtner des Grafen
*Ks. Andreas Becker
Daniel Cory



Weitere
Informationen

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Theater Dortmund
(Homepage)



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