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Musiktheater
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Das Mirakel
Ein wundervolles Spectaculum
von Max Reinhardt und Kurt Vollmoeller
Neufassung für das pianopianissimo musiktheater
von Günter Lang & Peter P. Pachl
Musik von Engelbert Humperdinck


Aufführungsdauer: ca. 2 1/4 Std. (1 Pause)

Premiere am 21. November 2003 in der Schauburg



ppp Musiktheater
(Homepage)

Das Mirakel in Dortmund

Von Ralf Jochen Ehresmann / Fotos von Peter P. Pachl, Achim Bahr

Vergrößerung in neuem Fenster Die Madonna - als Sakristanin - und
die Äbtissin am leeren Altar.

Das pianopianissimo Musiktheater pppmt Prof. Peter P.Pachls hat Humperdincks Mammutwerk Das Mirakel auf die überschaubare Anzahl von 5 Mitwirkenden heruntergebrochen, an dessen Londoner Uraufführung 1911 rund 2000 Personen beteiligt waren. Schon hierin mag man den weitgehenden Vorrang der Regie vor der autonomen Werkgestalt erkennen, und wer gekommen war, um Humperdinck zu erleben, wurde gleich eingangs überrascht durch die Gestalt eines Spielmannes als Entertainer, der das erwartungsvolle Publikum begrüßte: "My name is Max Reinhardt" Damit soll keineswegs gesagt sein, dass dieser Ansatz völlig falsch liegen würde, hat doch Max Reinhardt am Prozess des Werdens dieses Opus großen Anteil und in seinen 5 Eigeninszenierungen 5 grundverschiedene Ansätze ausgeführt.


Vergrößerung in neuem Fenster Megildis als Braut auch des alten Königs.

Und so bekommt man denn auch weniger ein Musikdrama der Wagnernachfolge zu sehen und wird stattdessen Zeuge einer bunten Collage, die ihren Ausgang nimmt von dem Rollentausch der Megildis, einer Nonne mit Exkursionsneigung einerseits mit der Madonnenstatue andererseits, die mirakelgleich aus ihrer Grotte und wie ins Leben tritt, um stellvertretend deren klösterliche Aufgaben zu übernehmen. Zentrales Medium dabei ist der Tanz, durch den Megildis zum ursprünglichen Ausdruck ihres Inneren vorstößt und sich solcherart auch in der neuen Welt da draußen bewegt und Freund und Feind auf sich aufmerksam macht. Diese bietet ihr zwar auch viele Freiheiten und Liebeserfahrungen, bringt sie aber zugleich in bislang ungekannte Gefahren, die alle zusammen von den interessegesteuerten Tendenzen des anderen Geschlechtes ausgehen.

Dessen vielgestaltige Vertreter nebst weiteren Partien wie beispielsweise die Äbtissin übernimmt allesamt Andrew Weale, der als Tausendsassa und Universalvertreter all dessen, was gerade fehlen könnte, wie ein überladener Akku über die Bühne flitzt. Bravourös die Stelle, wo er in der Begegnung des Raubgrafen mit seinem Sohn beide Rollen übernimmt und also bei deren Streitigkeit um den Besitz der Megildis Mörder und Gemordeten gleichzeitig zu spielen hat. Dabei muss er zugleich einen auch für die ZuschauerInnen recht anstrengenden Dauerwechsel zwischen Deutsch und Englisch bewältigen, zwischen denen seine Erläuterung der Vorgänge und manchmal auch eigenaktive Führung des Geschehens hin und her pendelt. Der Erfolg seiner Versuche zur Vermehrung des sparsam eingesetzten Bühnenpersonals durch Spontanrekrutierung von Teilen des Publikums mittels gruppendynamischer Maßnahmen fällt freilich je nach dessen Besetzung und Interaktionsbereitschaft unterschiedlich aus.


Vergrößerung in neuem Fenster Megildis singt das Wiegenlied für ihr totes Kind

Abgesehen vom Umstand, dass Megildis von ihren Umtrieben auch einen kleinen Nachwuchs zurückbehält, den sie bei ihrer Rückkehr in die geschützte Klosteraura opferweise der Madonna in deren leeren Arme legen muss, bestehen keine weiteren Bezüge, die die besondre Eignung des Stückes speziell für diese Jahreszeit begründen würden, so dass die Qualifizierung der Pantomime als ‚vorweihnachtlich' sich eigentlich nur dem eingestreuten Liedgut verdankt. Hier allerdings kommen aus dem Mund der sonst nur stumm agierenden Frauen neben köstlichen Klavierliedern Engelbert Humperdincks - darunter auch einigen unveröffentlichten und bislang noch nicht eingespielten - auch jahreszeitlich bedingte Gesänge zu Gehör, deren dramaturgischer Gehalt weniger in zwingender Logik sondern eher in werbewirksamer Aurastiftung zu liegen scheint. Darunter finden sich auch einige Perlen wie das ‚Lied vom Glück', das ‚Wiegenlied', ‚Weihnachten' oder die ‚Klage', deren Einspielung sich hoffentlich bald ein engagiertes CD-Label annehmen möge. Wenn dann noch die Kinder der Chorakademie des Dortmunder Konzerthauses stumm eingeschlichen ihre Stimme erheben und die wundersame Errettung der abtrünnigen Nonne unter Rosenblätterregen in deren himmlische Stärkung übergeht, an der finalement sogar das ganze Publikum teilhat, dann merkt man spätestens, dass die Zeit des sog. Advent angebrochen ist, und man raisonniert, wie eine Mirakelregie für den Hochsommer aussehen könnte.

Im Sommer aber wird es zumindest in Dortmund nicht zu sehen sein, so dass wir nur empfehlen können, sich schnell zu beeilen, ehe die reisende Theatertruppe weiterzieht (Termine) !


Vergrößerung in neuem Fenster Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Die Sängerinnen unterscheiden sich charakterlich sehr weitgehend und treffen damit auf je eigene Weise einen Ausdruck, der ihrem Rollenverständnis ideal entspricht. Bettina Birenheide als einzige neuen Sängerin verkörperte die Madonna mit hellem, klaren Sopran von wunderschönen piano, der leider zu wenig Gelegenheit hatte, zur Geltung zu kommen, derweil Rebecca Broberg als Megildis die Doppelaufgabe von Tanz und Gesang zu absolvieren hatte und dabei mit betont natürlicher Stimme für sich einnahm, indem sie deren ausgebildeten Tonfall zugunsten einer warmen Klangnaivität gekonnt zurückfuhr und solcherart ein ausdrucksstarkes Timbre erzielte, das mit ihrer auch ansonsten beneidenswerten Körperbeherrschung ideal korrespondierte.

Die Produktion ist schon seit Herbst 2002 in Pflaums Posthotel Pegnitz gelaufen und bringt Dortmund die erste Wiederbegegnung mit dem Werk seit 1927. Die bestens gepflegten Webseiten des ppp Musiktheaters empfehlen sich weiterer Lektüre durch ihre Sammlung gut aufbereiteter Hintergrundinformation und Vorhaltung eines umfangreichen Bildarchivs Als Veranstaltungsort fungiert die zum Kleinkunstgesamtbetrieb umfunktionierte Schauburg am Rande der Dortmunder Innenstadt und gut zu Fuß vom Hbf zu erreichen.


FAZIT

Diese originelle Veranstaltung jenseits klar konturierter Gattungsgrenzen ist sowohl den eingefleischten FreundInnen des spätromantischen Genres zu empfehlen, aber auch allen, die sich sonst in ein gewöhnliches Opernhaus nicht hineintrauen würden, und wem es widererwarten nicht gefallen haben und in den etwa 2¼ Stunden lang geworden sein sollte, nimmt zumindest eine Stärkung für den Heimweg mit.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Günter Lang

Regie, Inszenierung und Kostüme
Peter P. Pachl

Projektion
Achim Bahr

Regieassistenz
Tanja Kyri



Solisten

Megildis, die Nonne
Rebecca Broberg

M.R., die Äbtissin,
die Organistin, der Spielmann,
die Kinder, der Ritter,
der Raubgraf, der Königssohn,
der alte König, der Tod
Andrew Weale

Die Madonna
Bettina Birenheide

Klavier, Orgel, Gesang
Günter Lang

Violine, Gesang, Der Spielmann II
Anna-Katharina Segnitz
von Schmalfelden

Technik
Gert Hüther,
Ernst Schmitt

Künstlerische Gesamtleitung
Peter P. Pachl

Kulinarik
Andreas und Hermann Pflaum


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
ppp Musiktheater
(Homepage)





Da capo al Fine

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