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Die Nase
Oper in drei Akten und einem Epilog von Dmitrij Schostakovitsch
Text vom Komponisten nach der Novelle von Nikolaj Gogol
unter Mitwirkung von Jevgenij Preis, Jejgenij Samjatin und Georgij Jonin


Premiere im Theater Basel am 20. Februar 2004


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Theater Basel
(Homepage)
Nicht auf die Nase gefallen
Robert Schuster bringt zum ersten Mal am Theater Basel Die Nase auf die Bühne

Von Ina Schabbon / Fotos von Sebastian Hoppe


Ein Beamter im zaristischen Russland erwacht eines Morgens und muss feststellen, dass ihm seine Nase abhanden gekommen ist. Voller spießbürgerlicher Angst, ohne Nase aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, macht er sich auf die Suche nach ihr und entdeckt, dass sie unabhängig von ihm Karriere gemacht hat und nun einen höheren Rang bekleidet, als er selbst.

Vergrößerung

In der Kathedrale begegnet Kovaljov (Igor Morosow) seiner Nase in der Gestalt eines Staatsrates (Christoph Homberger).

In der Nase, der fulminanten ersten Oper des gerade erst 22 Jahre jungen Dmitrij Schostakovitsch, sind nach Aussage des Komponisten die Elemente der Handlung und der Musik gleichwertig. Die Vorlage lieferte Nikolaj Gogols Petersburger Erzählung Die Nase, die mit ihrer absurden, diskontinuierlichen Handlung bereits knapp hundert Jahre früher neue Wege abseits der literarischen Konventionen beschritten hatte. Schostakovitsch hat die erzählerischen Mittel kongenial in musikalische übersetzt. Dabei lassen sich deutlich Einflüsse etwa von Alban Bergs Wozzek und die Erfahrungen des Komponisten als Stummfilmpianist erkennen. Aus Gogols Satire auf das Beamtentum im zaristischen Russland ist bei Schostakovitsch eine durchaus auf das sowjetische Russland zu beziehende Groteske geworden.

An die Ausführenden stellt die Nase hohe Ansprüche und wird entsprechend selten aufgeführt. Die Partitur ist harmonisch und vor allem rhythmisch sehr komplex, an die sechzig Rollen fordern ein exzellentes Ensemble und die raschen Szenenwechsel eine einfallsreiche Regie. All dies war jetzt bei der Basler Erstaufführung gegeben. Mit Jürg Henneberger stand ein ausgewiesener Spezialist für Neue Musik am Pult, der das blendend aufgelegte Sinfonieorchester Basel exzellent vorbereitet hatte. Penelope Wehrli hat eine Bühne geschaffen, die durch ihre Flexibilität das filmartige Überblenden von einer Szene in die nächste ermöglicht. Mit Lamellen versehene verschiebbare Trennwände engen den Raum mal ein, mal öffnen sie sich, um z.B. die Kathedrale anzudeuten, immer aber sind sie halb durchsichtig und lassen dadurch keinen einzigen Moment der Intimität oder Individualität zu.

Vergrößerung Massenhysterie: Alle wollen die Nase sehen.

Dies scheint auch das Grundthema der Inszenierung (Regie: Robert Schuster) zu sein. Der Einzelne wird bestimmt durch seine Funktion in der Gesellschaft. Droht er seine Position in der Gesellschaft zu verlieren, würde damit seine Existenz an sich verlöschen.

Die Basler Inszenierung wird getragen von einer hervorragenden Ensembleleistung und überzeugenden Darstellern. Allen voran Igor Morosow, mit dem die Partie des Kovaljov ideal besetzt ist. Morosow hat Mitleid mit seiner Figur und verleiht ihr dadurch neben all den grotesken Zügen auch ein gewisses Maß an Tragik. Sein angenehm timbrierter, frei strömender Bariton vermittelt den Eindruck, Singen sei der natürliche Weg, sich auszudrücken. Alexander Mayr meistert die aberwitzig hohe Partie des Wachtmeisters mit Mut zur Komik und bewundernswert bruchlosem Übergang vom Falsett in die Kopfstimme. Karl-Heinz Brandt legt mit Ivans Liebeslied sängerisch und darstellerisch ein wahres Bravourstück hin. Karin Hellmich beeindruckt als sich hysterisch in immer höhere Lagen schraubende Barbiersgattin. Auch Kevin Short als Barbier, Christoph Homberger als Nase, Rita Ahonen als Alexandra G. Podtotschina und Catherine Swanson als deren Tochter reihen sich in die Riege der überzeugenden Sängerdarsteller ein.

Vergrößerung

Ende gut, alles gut? Jedenfalls hat Kovaljov (Igor Morosow) seine Nase wieder.

Der phantastische Chor des Theater Basel meistert nicht nur die komplexen Ensembleszenen bravourös, sondern besorgt auch die zahlreichen kleineren Rollen mit sehr guten Einzelleistungen. Hervorgehoben sei hier nur der Spiegelkanon der acht Knechte in der Zeitungsredaktion.


FAZIT

Freunde des Grotesken kommen auf hohem Niveau auf ihre Kosten.



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Produktionsteam

* Besetzung der Premiere

Musikalische Leitung
Jürg Henneberger

Regie
Robert Schuster

Raum und Kostüme
Penelope Wehrli

Licht
Hermann Münzer

Chorleitung
Henryk Polus

Dramaturgie
Beate Breidenbach



Chor des Theater Basel
Sinfonieorchester Basel
Statisterie des Theater Basel


Solisten

Platon Kusmitsch Kovaljov
* Igor Morosow
/ Bjørn Waag

Ivan Jakovlevitsch, Barbier
Kevin Short

Praskovja Ossipovna, seine Frau
Karin Hellmich

Wachtmeister
Alexander Mayr

Wächter / Diener
Marco Pobuda

Iwan, Diener des Kowaljow
* Marco Pobuda
/ Karl-Heinz Brandt

Die Nase in Gestalt
eines Staatsrats
Christoph Homberger

Eine ältere und
eine dünne Dame
Maria Littay
/ Svetlana Korneeva

Sopransolo
Monika Noll

Tenorsolo / Portier
Jacek Krosnicki

Kutscher
Hendrik Köhler

Beamter der Annoncenredaktion
/ Arzt / Polizist
Victor Jakovenko

Knechte
Martin Baumeister
Krzysztof Debicki
Wladyslaw W. Dylag
Hendrik Köhler
Eckart Otto
Dietmar Renner
Vladimir Vassilev
Janos Zöldi

Polizisten
Martin Baumeister
Ernest Botkin
Luis Conte
Hendrik Köhler
Manfred Krog
Jacek Krosnicki
Markus Moritz
Eckart Otto
Dietmar Renner
Vladimir Vassilev

Reisender und Begleitende
Michael Schmid
Esther Randegger
Rolf Haas

Vater, Mutter, zwei Söhne
Janos Zöldi
Doris Monnerat
Tomi Kuusisto
Wladyslaw W. Dylag

Ivan Ivanovitsch
Marco Pobuda

Pjotr Fjodorovitsch
Antoni Kasprzak

Eine alte Matrone
Maria Mohacsi

Arme Verwandte
Bianca Gierok
Theophana Iliewa-Otto
Svetlana Korneeva
Alberta Reimann
Heike Roggenkamp
Margrit Szecsei

Verkäuferin
Evelyn Meier

Kutscher der Postkutsche
Krzysztof Debicki

Jaryschkin
Tomi Kuusisto

Alexandra G. Podtotschina
Rita Ahonen

Ihre Tochter
Catherine Swanson

Herren
Ernest Botkin
Luis Conte
Krzysztof Debicki
Hendrik Köhler
Jacek Krosnicki
Markus Moritz Dietmar Renner

Alter Mann
Manfred Krog

Ein Neuhinzukommender
Tomi Kuusisto

Spekulant
Eckart Otto

Oberst
Antoni Kasprzak

Männliche Stimme
Piotr Hoeder

Weibliche Stimmen
Monika Lichtenberg
Giulia Del Re

Hinzukommender
Martin Baumeister

Gecke
Luis Conte
Janos Zöldi

Studenten
Ernest Botkin
Wladyslaw W. Dylag
Antoni Kasprzak
Manfred Krog
Jacek Krosnicki
Markus Moritz
Marco Pobuda
Vladimir Vassilev

Ehrbare Dame und ihre Söhne
Doris Monnerat
Stanislaw Staszecki
Piotr Hoeder

Eunuchen
Karl-Heinz Brandt
Christoph Homberger
Alexander Mayr

Chosrev Mirza
Jürg Henneberger

Polizisten
Viktor Jakovenko
Kevin Short
Jürg Henneberger

Bekannte des Kovajov
Hendrik Köhler
Luis Conte
Dietmar Renner



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Basel
(Homepage)



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