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Zweimal KönigsmordVon Christoph Wurzel Fotos: Wiener Staatsoper GmbH / © Axel Zeininger
Krasse Gegensätze in der Verdi-Pflege. Eine hoch spannende Neuinszenierung und ein eher langweiliges Bühnenfossil waren an der Wiener Staatsoper jüngst zu besichtigen. Peter Stein hat - nach einer früheren Produktion für die Salzburger Osterfestspiele - einen packenden Simon Boccanegra inszeniert und als Reprise einer Uraltproduktion aus dem Jahre 1986 wurde dort der fünfzigste Maskenball abgefeiert. Sparsamkeit war im ersten Falle eine Tugend, im zweiten dagegen eher lästig. Unter Claudio Abbado war Simon Boccanegra in Salzburg nur zweimal aufgeführt worden, dann durch ein paar italienische Städte getourt und ist nun mit ganz neuer Besetzung im Haus an der Ringstraße angekommen. Dort ist diese Produktion bereits zu einem großen Erfolg geworden - in musikalischer Hinsicht ebenso wie in szenischer - und sie dürfte wegen ihrer zeitlosen Modernität noch lange im Spielplan bleiben. Der Maskenball mag vor 16 Jahren wohl auch so etwas wie eine Sensation gewesen sein. Man hatte die "schwedische" Fassung gewählt, also den historisch "richtigen" Mord an dem schwedischen König Gustav III., der den Hintergrund für das Libretto geliefert hatte. Wenige Tage nach der Premiere war eine Aufführung live im Fernsehen übertragen worden. Mittlerweile hat die Produktion aber viel Staub angesetzt: In üppig barocker Ausstattung wird vornehmlich eine Kostümoper mit viel Gesang an der Rampe geboten. Über das Muster einer szenisch aufwendig, aber doch vordergründig dekorierten Nummernoper geht die Regiekonzeption nicht hinaus. So kann kaum Spannung entstehen beim dramatischen Verlauf dieser doch durchaus dramatisch spannungsvollen Handlung, die hier eher als Vorwand dient, schöne Arien zu singen.
Schwerlich war es da den Sängern möglich, auch mit Leben zu erfüllen, was geschieht. Die Rolle der Wahrsagerin Ulrica sang Nadia Krasteva mit beeindruckendem Volumen, aber wenig Geheimnis in der Stimme. Lado Antonelli als René konnte ebenso vor allem mit seinem warmen, geschmeidigen Bariton überzeugen, kaum aber wurden die Extreme seiner Gefühle zwischen Freundesliebe und eifersüchtigem Hass glaubhaft. Ines Salazar in der Rolle der Amelia blieb mit einer gerade im Piano doch recht kleinen Stimme im Ausdruck fad. Als Oscar brillierte Ileana Tonca, der die Regie zwar allzu viele Pagenklischees zugedacht hatte, die aber die Koloraturen ihrer Kanzone mit Bravour und Charme kredenzte. Solide besetzt waren die kleineren Rollen. Dirigent Marcello Viotti erwies sich eher als Mann fürs Grobe. Allzu sehr betonte er die plakativen Effekte der Musik, Feinheiten der Partitur gingen eher unter. Mit wenig Einfühlung wurde die Stelle im 1. Akt gestaltet, wenn das Entsetzen über Ulrikas Todesbotschaft für den König unvermittelt in das Lied übergeht, mit dem er sein Schicksal zu verdrängen sucht: "Nur Scherze sind's, nur Possen". Auch die Losszene wurde schon unheimlicher und schreckensvoller gehört. So war am Ende diese Aufführung zwar ein Aufgebot großer Namen, doch mehr noch: viel Routine. Ganz anders am folgenden Abend: Ein hochspannendes Bühnenereignis wurde der Simon Boccanegra. Vor allem zwei höchstkarätige Sänger - Gegenspieler in der Handlung, absolut ebenbürtig in musikalischer wie darstellerischer Qualität - dominierten die Aufführung: Thomas Hampson in seinem Rollendebüt als Boccanegra und Ferruccio Furlanetto als Fiesco. Verdis farbenreiche Musik lag an diesem Abend in besten Händen. Daniele Gatti holte mit enormer Liebe zum Detail die düsteren Facetten hervor, versenkte sich in die lyrischen Klänge ebenso, wie er das dramatische Feuer entfachte - Ovationen am Schluss für Dirigent und Orchester.
Auf der Bühne war zu sehen, wie eine auf das Wesentliche konzentrierte Regie eine musikdramatische Handlung in logischer Übereinstimmung von äußerem Geschehen und inneren Seelenzuständen formen kann. Und die Sängerdarsteller folgten mit überzeugender Genauigkeit. Die innere Dramatik der Musik gewann in der Bühnenaktion überzeugend Gestalt.
Cristina Gallardo-Domas und Thomas Hampson in Simon Boccanegra Cristina Gallardo-Domas sang ihre Auftrittsarie etwas maniriert mit manchem Drücker, der entbehrlich gewesen wäre. Eine ruhig fließende Gesangslinie entfaltete sich kaum. Die lyrische Situation zu malen, blieb dem Orchester vorbehalten. Im weiteren dramatischen Verlauf gewann sie aber an Überzeugungskraft. In der Höhe etwas eng, gab dennoch Miroslav Dvorsky einen stattlichen Gabriele Adorno ab. Zu einer zentralen Figur, stimmlich wie darstellerisch, gestaltete Dan Paul Dimitrescu folgerichtig den hinterhältigen Pietro. Schon in der Eingangsszene des Prologs war ihm der Paolo des Boaz Daniel ein überzeugender Partner im Spiel der Intrigen. Stefan Meyers Bühnenbilder sind größtenteils überzeugend, wenn auch nicht einheitlich. Für die Prologszene und die Szene im Ratssaal von Genua hat er ein stilisiertes Raumambiente geschaffen, während für die übrigen Szenen lediglich der Bühnenraum durch schwarze Vorhänge zu größeren oder kleineren Ausschnitten verändert wird. Das fördert auf sehr wirkungsvolle Art die Konzentration des Spiels. Zu einem ergreifend meditativen Moment konnte so durch eine schlichte Lichtprojektion an den Hintergrund die Szene Boccanegras im 3. Akt werden, wenn er von seiner Geborgenheit im weiten Meer sehnsüchtig träumt. FAZIT Modernes Musiktheater (Simon Boccanegra) schlägt Ausstattungsoper (Un ballo in maschera) eindeutig nach Punkten. Ihre Meinung ? Schreiben Sie uns einen Leserbrief |
Un ballo in mascheraProduktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Chorleitung
SolistenGustaf III., König von SchwedenNeil Shicoff
Graf René Ankaström
Amelia, seine Gattin
Ulrica Arvedson, Wahrsagerin
Oscar, Page
Christian, ein Seemann
Graf Horn
Graf Warting
Ein Richter
Ein Diener
Simon BoccanegraProduktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Chorleitung
Einstudierung der Kampfszenen
Solisten
Simon Boccanegra
Jacopo Fiesco
Paolo Albiani
Pietro
Maria Boccanegra,
Gabriele Adorno
Ein Hauptmann der Armbrustschützen
Eine Dienerin Amelias
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- Fine -