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Der Bär und der Traum von der großen Liebe
Von Meike Nordmeyer / Fotos von Milena Holler
Junge heftige Verliebtheit kann in peinliche Situationen bringen - das muss Tatjana bitter erfahren. Wie kindlich und unerfahren Tatjana eben noch ist, aber auch wie sehr das Gefühl der Liebe immer mit Schwärmerei für ein Idealbild zu tun hat, zeigt uns Regisseur Ulrich Hub mit seiner im einfachen, farbigen Raum ausgestalteten Inszenierung. Markanteste Ausstattung ist der lebengroße Bär, der mehrfach auf die Bühne kommt. Es ist nicht mehr der niedlich harmlose Teddybär der Kinderzeit, aber auch nicht gerade die wilde Bestie, die sich da zu Tatjana setzt. Das Mädchen lehnt sich schwärmerisch und natürlich melancholisch an dieses pelzige, gestaltgewordene Irgendwas ihrer pubertären Wünsche. Lustig wird es dann noch, wenn das Tier drollig mit der Musik mitwippt.
Da sitzt Tatjana (Friederike Meinel) nun mit ihrem Bär, während die Schwester mit Freund Lenski knutscht.
Wirkungsvoll eingesetzt wird diese Idee mit dem Bären, sie bleibt aber merkwürdig folgenlos, so wie der Regisseur mit so einigen Ideen spielt, die aber in der Umsetzung eher unverbunden und - so sehr auch um Bedeutung bemüht - doch eher an der farbig polierten Oberfläche bleiben. Prägend sind da noch die beiden großen Projektionen mit der die Idealisierung des Liebesobjektes gelungen ins Bild gesetzt wird. Während Tatjana in der Nacht ihr Liebesgeständnis aufschreibt, erscheint ein riesiges Bild von Eugen Onegin auf der Rückwand und zeigt den Angebeten als feschen, nachdenklich sinnenden jungen Mann. Wird später Eugen Onegin um die Liebe von Tatjana flehen, so erscheint ihr Bild im Hintergrund und zeigt sie als erwachsene, würdig schöne Frau.
Die jungen Leute rühren verlegen in ihren Tassen - was die Liebe wohl erwarten lässt?
Das junge Ensemble spielt recht bewegt im reduzierten Bühnenraum, entwickelt dabei allerdings kein besonders ausdrucksstarkes Profil der Figuren. Am wirksamsten erscheint da noch der Eugen Onegin, den Kay Stiefermann als jungen eleganten Lebemann und Schönling sehr präsent verkörpern kann. In der Nebenrolle fällt Hartmut Bauer als Fürst Gremin auf. Der jahrzehnte erfahrene Sängerdarsteller weiß instinktiv sicher, sich auf der Bühne zu verhalten. Die von der Regie entwickelte Personenführung kann dagegen nicht überzeugen, wenn sie überbetonte Lustigkeit bei Olga zeichnet oder den beseelten, ständigen Posenwechsel, den Tatjana in ihrer langen Briefszene veranstaltet. Immer wieder zeigen die Protagonisten dabei altbekannte, pathetische Operngesten. So fällt Tatjana vor Eugen Onegin auf die Knie und klammert sich an seine Waden. Regisseur Hub erarbeitet mit der Inszenierung seine erste Opernregie. Mit jungen, frischen Blick geht er an das Werk und setzt spielerisch an. Doch bleibt er offenbar befangen dem Genre gegenüber, denn er verfällt in Unsicherheiten und unötige, althergebrachte und bemühte Floskeln des Opernrepertoires. Die Regiearbeit wartet mit einigen guten Ideen auf, findet aber nicht eine Linie mit Tiefgang, es gelingt allenfalls ein immerhin originelles und vielfach ansprechendes Sammelsurium.
Präsentes Spiel von Kay Stiefermann als Eugen Onegin und Hartmut Bauer als Fürst Gremin Musikalisch lassen die Darsteller solide Leistung hören. Friederike Meinel als Tatjana bringt sicher und mit stimmiger Gestaltung die Tatjana. Die Briefszene bleibt etwas blass, doch bewegend gelingt das Schlussduett gemeinsam mit Kay Stiefermann als Eugen Onegin. Stiefermann bietet mit beweglicher, kultiviert geführter Stimme einen stattlichen, wohltönenden Onegin. Pieter Roux entwickelt als Lenski tenoralen Schönklang, der mitunter etwas zu breit eingesetzt wird und sich damit nicht ganz sensibel in die vielen feingearbeiteten Ensemblestellen einpasst. Die bekannte Arie "Wohin, wohin" vor dem Duelltod bringt er mit großem Pathos, das er gestalterisch nicht ganz einholt. Gute Leistung erweisen auch Stefanie Schäfer als Olga und Hartmut Bauer als Fürst Gremin. Klangvoll und engagiert erklingt der Chor. Das Orchester spielt mitunter etwas unpräzise, kann sich schließlich aber zu dichten Klang zusammenfinden. Das Dirigat von Martin Braun entwickelt die Partitur lebendig und farbreich, zeigt sich allerdings etwas unentschieden, wenn es viele Passagen fein gewirkt kammermusikalisch ausarbeitet und sich dann sogleich wieder aufschwingt zu großen Klangprospekten. Insgesamt gelingt aber eine recht anspruchsvolle Ausführung des Orchesterparts, von dem die Sänger gut getragen werden.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Chor
SolistenLarinaAnna Maria Dur
Tatjana
Olga
Filipjewna
Eugen Onegin
Lenskij
Fürst Gremin
Hauptmann
Saretzkij
Triquet
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